Die europäischen Erdgaspreise haben in den letzten Tagen einen signifikanten Anstieg erlebt, was die Märkte in Aufruhr versetzt hat. Von Freitag bis Dienstag verdoppelten sich die Preise, und zeitweise stiegen sie über 60 Euro pro Megawattstunde – der höchste Stand seit Januar 2023. Dieser Preisanstieg steht im Zusammenhang mit geopolitischen Spannungen und drohenden Lieferengpässen.
Globale Krisen beeinflussen Gasmarkt
Ein wesentlicher Faktor für den Preisanstieg ist der Konflikt im Nahen Osten. Die LNG-Produktion in Katar, einem der weltweit größten Exporteure, wurde nach Angriffen auf wichtige Anlagen unterbrochen. Diese Unterbrechungen treffen auf einen Markt, der ohnehin schon wegen der Blockade der Straße von Hormus durch den Iran angespannt ist. Experten warnen, dass diese Situation etwa 15 % des europäischen LNG-Imports beeinträchtigen könnte.
Die Konsequenzen dieser geopolitischen Spannungen sind auch in Europa spürbar. Die Gasspeicher sind ungewöhnlich leer; mit nur noch 31 % Füllstand liegen sie deutlich unter dem Vorjahresniveau von 40 %. In Deutschland und Nordwesteuropa sind die Speicherstände sogar auf unter 20 % gesunken, während die Niederlande nur noch eine Reserve von 10 % haben.
Anhaltende Versorgungsrisiken
Sollte sich die Situation nicht schnell stabilisieren, könnten die europäischen Gasspeicher am Ende der Heizperiode mit einem gefährlich niedrigen Stand von nur noch 25 % enden. Um diesen Trend umzukehren und die Mindestanforderungen zu erfüllen, müssten rund 60 Milliarden Kubikmeter eingespeist werden – eine Steigerung um fast 30 % gegenüber dem Fünfjahresdurchschnitt.
Laut Warren Patterson von ING könnte der TTF-Preis bei anhaltenden Lieferausfällen sogar auf 80 bis 100 Euro pro Megawattstunde steigen. Auch Großbritannien sieht sich mit steil steigenden Preisen konfrontiert, wobei der NBP-Referenzwert ebenfalls stark zulegte.
Zunehmender Konkurrenzkampf um LNG
Der Wettbewerb um Flüssigerdgas zwischen Europa und Asien verschärft sich weiter. Mit Katar als vorläufig ausfallendem Anbieter steigt der Druck auf alternative Bezugsquellen enorm. Die Straße von Hormus spielt dabei eine entscheidende Rolle für den globalen Energiehandel: Jegliche Störungen könnten weitreichende Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit haben.
Laut Massimo Di Odoardo von Wood Mackenzie würde eine längere Aussetzung der Lieferungen den weltweiten Wettbewerb um verfügbare Ladungen neu entfachen und die Preise weiter in die Höhe treiben. Diese Entwicklungen verdeutlichen einmal mehr, wie stark geopolitische Ereignisse die Energiemärkte beeinflussen können.
