Der Druck der Öffentlichkeit auf die Schweinehalter, das Tierwohl zu verbessern, nimmt stetig zu. Doch während die Wissenschaft zahlreiche Maßnahmen empfiehlt, um etwa Schwanz- und Ohrverletzungen bei Schweinen zu reduzieren, stehen viele Praktiker diesen Vorschlägen skeptisch gegenüber.
Unterschiedliche Sichtweisen zwischen Theorie und Praxis
Forscher der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und 23 weitere Partner haben eine Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, welche Tierwohlmaßnahmen von Wissenschaftlern und Landwirten unterschiedlich bewertet werden. Insgesamt nahmen 47 Experten und 80 Landwirte aus 16 verschiedenen Ländern an dieser Studie teil. Die Befragten bewerteten 21 Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls auf einer Skala von 0 % (ungeeignet) bis 100 % (sehr geeignet).
Kritische Bewertung durch Landwirte
Die Ergebnisse zeigen, dass fast alle Maßnahmen von Wissenschaftlern positiver eingeschätzt werden als von den Landwirten. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet die Gruppengröße von über 40 Tieren: Hier zeigten sich die Wissenschaftler mit nur 18 % Zustimmung kritischer als die Landwirte, die diese Maßnahme mit 30 % Zustimmung bewerteten.
Beide Gruppen waren sich jedoch einig darüber, dass drei Maßnahmen besonders vielversprechend sind: die Verbesserung der Gesundheit in den Herden, eine optimierte Stallklimatisierung und eine qualitativ hochwertige Fütterung. Bei anderen Maßnahmen wie der Lagerung von Gülle unter den Spalten oder dem Einsatz von Stroh als Einstreu zeigten sich deutliche Meinungsverschiedenheiten.
Praxistauglichkeit im Fokus
Ein wichtiger Aspekt für die Landwirte ist die Umsetzbarkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen im Alltag. Während wissenschaftliche Experten die Effektivität betonen, legen Landwirte größeren Wert darauf, wie praktikabel diese Vorschläge im täglichen Betrieb sind.
Zukünftige Schritte: Workshop zum Thema Tierwohl
Im Rahmen des EU-Projektes aWISH wird ein Workshop veranstaltet, der am 27. Januar 2026 auf Haus Düsse in Nordrhein-Westfalen stattfindet. Diese Veranstaltung richtet sich an Landwirte sowie Fachleute aus Beratung und Wissenschaft. Geplant sind Fachvorträge, eine Besichtigung des „Stalls der Zukunft“ und Möglichkeiten zum Austausch. Interessierte können sich bis zum 20. Januar 2026 kostenlos anmelden.
