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Schweinepreise im Sturzflug: Landwirte kämpfen gegen Preisverfall

Die Schweinehalter stehen erneut vor einer großen Herausforderung: Der Preis für Schweinefleisch ist zu Beginn des Jahres auf 1,45 Euro pro Kilogramm gefallen. Diese Zahl verdeutlicht die finanziellen Schwierigkeiten, in denen sich die Landwirte befinden, da sie unter diesen Bedingungen nicht kostendeckend arbeiten können. Laut Dr. Torsten Staack von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) erinnert die aktuelle Preislage an die schwierigen Zeiten während der Corona-Pandemie.

Ursachen für den Preisverfall

Ein wesentlicher Faktor für den Preisrückgang ist das Überangebot an Schweinen auf dem europäischen Markt. Gleichzeitig hat der Export in wichtige Drittländer nachgelassen, was den Druck auf die Preise zusätzlich erhöht. Diese Entwicklung betrifft nicht nur Deutschland, sondern auch andere große Erzeugerländer wie Spanien.

Seit September sind die EU-Schweinefleischexporte aufgrund von Strafzöllen Chinas stark zurückgegangen. Diese Zölle trafen insbesondere Spanien hart und wurden im Dezember zwar reduziert, aber der Schaden war bereits angerichtet. Zusätzlich führte der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Spanien dazu, dass zahlreiche Länder Importverbote verhängten.

Marktausblick und mögliche Stabilisierung

Trotz der aktuellen Schwierigkeiten sieht Staack positive Signale am Horizont. So erwartet er einen Rückgang der Schweineimporte nach Deutschland, was langfristig zur Stabilisierung des Marktes beitragen könnte. In Dänemark und den Niederlanden sinkt die Anzahl der gehaltenen Tiere aufgrund von Veränderungen in den Schlachtprozessen und Ausstiegsprogrammen aus der Tierhaltung.

Der befürchtete „Schweinestau“ war Ende 2025 weniger gravierend als erwartet, da viele Landwirte ihre Tiere noch rechtzeitig schlachten lassen konnten. Die Kapazitäten wurden ausgebaut und ein Überhang von rund einer halben Schlachtwoche wird derzeit erwartet, dessen Abbau von den Absatzmöglichkeiten abhängt.

Kritik am Einzelhandel

Kritik äußerte Staack besonders gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel: Aldi senkte zu Jahresbeginn die Fleischpreise und entfachte damit einen Preiskampf mit Lidl. Gleichzeitig bewirbt Aldi den „Veganuary“, was in dieser schwierigen Phase für Schweinehalter kontraproduktiv sei. Laut Staack müsse sich der Einzelhandel nun als verlässlicher Partner erweisen.

Zusätzliche Hoffnung setzt die ISN auf eine Belebung des Außer-Haus-Verzehrs durch die Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 19 % auf 7 %. Diese Maßnahme könnte letztlich dazu führen, dass Verbraucher wieder häufiger zu Schweinefleisch greifen.