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Wolf vs. Weidetier – Der Konflikt eskaliert

Es ist kurz vor Weihnachten 2024, als im Hahnenmoor bei Osnabrück das Grauen zuschlägt. Am Morgen findet Schäfer Kai Mithöfer seine Herde verwüstet vor: 20 hochtragende Mutterschafe tot, sieben Lämmer verschollen, 18 weitere zu früh und nicht überlebensfähig geboren. Insgesamt über 60 tote Tiere. Die Schafe waren in Panik gegen den Zaun getrieben worden, hatten sich gegenseitig totgetrampelt. Es ist nicht der erste Wolfsangriff auf Mithöfers Herde – aber der verheerendste.

Solche Szenen wiederholen sich in Deutschland mittlerweile fast täglich. Im Jahr 2024 wurden laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) rund 5.700 Schafe und andere Nutztiere von Wölfen gerissen. Gleichzeitig wächst die Wolfspopulation ungebremst: 219 Rudel, 43 Wolfspaare und 14 Einzeltiere zählte das Monitoring im Jahr 2024/2025. Die meisten leben in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Der Konflikt zwischen Artenschutz und Weidetierhaltung hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Am 17. Dezember 2025 hat das Bundeskabinett den Wolf in das Bundesjagdgesetz aufgenommen – ein Schritt, den Weidetierhalter seit Jahren fordern und Naturschützer als Angriff auf den Artenschutz kritisieren. Was bedeutet diese Entscheidung? Und kann sie den Konflikt tatsächlich lösen?

Ein Raubtier kehrt zurück

Fast 150 Jahre lang war der Wolf in Deutschland ausgerottet. Im Jahr 2000 wurde dann auf einem Truppenübungsplatz in der Oberlausitz der erste wildlebende Wolfswelpe seit der Ausrottung geboren. Was Naturschützer als Erfolg des Artenschutzes feierten, stellte Weidetierhalter vor neue Herausforderungen.

Seitdem wächst die Population kontinuierlich. Die Wölfe haben sich von Osten her ausgebreitet und besiedeln inzwischen weite Teile Deutschlands. Sie leben längst nicht mehr nur in abgelegenen Waldgebieten, sondern auch in der Kulturlandschaft, in der Nähe von Dörfern und Städten. Die Dokumentation zeigt: Mit der Ausbreitung des Wolfsbestandes nehmen auch die wolfsverursachten Schäden zu.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Bei den von Wölfen 2024 getöteten oder verletzten Nutztieren handelte es sich zu 91 Prozent um Schafe oder Ziegen, zu knapp vier Prozent um Gatterwild und zu knapp fünf Prozent um Rinder – meist Kälber. Das Beuteschema des Wolfes ist klar: Er greift bevorzugt die Tiere an, die am leichtesten zu erbeuten sind.

Die Lage der Schäfer

In Deutschland gibt es nur noch weniger als 890 Schäfereien im Haupterwerb. Die Branche kämpft seit Jahren mit wirtschaftlichen Problemen: niedrige Erzeugerpreise, steigende Kosten, bürokratische Hürden. Die Rückkehr des Wolfes hat die Situation für viele Betriebe dramatisch verschärft.

Wendelin Schmücker, Vorsitzender des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung und selbst Berufsschäfer aus Winsen an der Luhe, ist einer der lautesten Stimmen im Konflikt. Für ihn sind die Risszahlen eine Bilanz des Schreckens. Die Weidetierhaltung sei nicht nur wirtschaftlich, sondern existenziell bedroht. Schmücker fordert seit Jahren ein aktives Wolfsmanagement und die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht.

Im Landkreis Bautzen in Sachsen berichtet ein Schäfer dem MDR von 14 Wolfsangriffen auf seine Herde. Über hundert Schafe habe er an Wölfe verloren. Den Elektrozaun würden sie problemlos überwinden. Die Fachstelle Wolf hatte daraufhin Abschussgenehmigungen erteilt – doch die galten nur für einen Monat. In diesem Zeitraum gelang es den Jägern nicht, die Raubtiere zu erlegen.

Ähnliche Berichte kommen aus dem Landkreis Helmstedt in Niedersachsen. Dort haben Wölfe sich nach Angaben der Braunschweiger Zeitung sogar durch einen meterhohen Maschendrahtzaun gebissen, um an Schafe zu gelangen. Petra und Christof Bokelmann, ein Schäferehepaar aus der Region, berichten von Kadavern, die in einem Umkreis von zehn Kilometern verstreut waren. Die Schafe hatten sich in ihrer Panik im Wald, in Gebüschen oder direkt am Fahrbahnrand der A39 versteckt.

Der Fall Gloria: Symbol eines Konflikts

Kaum ein Wolf in Deutschland hat so viel Aufmerksamkeit erregt wie die Wölfin GW954f, besser bekannt als „Gloria“. Seit 2018 lebt sie im Territorium Schermbeck im Kreis Wesel in Nordrhein-Westfalen. Über die Jahre wurde sie für Dutzende Nutztierrisse verantwortlich gemacht – neben Schafen nachweislich auch für ein Pony.

Im Dezember 2023 erreichte der Konflikt einen Höhepunkt: Der Kreis Wesel erteilte auf Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss der Wölfin. NRW-Umweltminister Oliver Krischer von den Grünen hatte das Verfahren unterstützt. Die Begründung: Gloria habe wiederholt Herdenschutzmaßnahmen überwunden und sei für mehrere Risse in kurzer Zeitfolge verantwortlich.

Doch drei Naturschutzverbände – BUND, NABU und die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe – legten Eilanträge ein. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf stoppte den Abschuss im Januar 2024. Die Richter befanden, der Kreis habe nicht schlüssig dargelegt, dass durch Gloria ernste landwirtschaftliche Schäden drohten. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte diese Entscheidung im Februar 2024 und wies die Beschwerden des Kreises zurück.

Die Begründung des Gerichts war deutlich: Der Kreis habe nicht dargelegt, dass Gloria ein problematisches, auf geschützte Weidetiere ausgerichtetes Jagdverhalten zeige. Zudem sei Gloria das einzige fortpflanzungsfähige Weibchen im Territorium – ihr Abschuss würde den Erhaltungszustand der lokalen Population um ein Drittel reduzieren.

Ein Gutachten, das das NRW-Umweltministerium selbst in Auftrag gegeben hatte, zeigte zudem: Bei 82 dokumentierten Rissen im Wolfsgebiet Schermbeck war in 65 Fällen nicht einmal der Grundschutz vorhanden. In nur sechs Prozent aller Fälle hatte Gloria Zäune mit empfohlenem Herdenschutz überwunden.

Der Kabinettsbeschluss: Was er bedeutet

Am 17. Dezember 2025 hat das Bundeskabinett unter Kanzler Friedrich Merz den Wolf in das Bundesjagdgesetz aufgenommen. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer erklärte, die Weidetierhaltung sei das Herzstück der deutschen Kulturlandschaft – von den Deichen im Norden bis zu den Almen im Süden. Mit dem Wolf im Bundesjagdgesetz kämen klare, praxistaugliche Regeln und Rechtssicherheit.

Was bedeutet der Beschluss konkret? Die Länder können künftig in Regionen mit hoher Wolfsdichte und festgestelltem günstigem Erhaltungszustand ein regionales Bestandsmanagement einführen. Wo Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwinden, können sie rechtssicher entnommen werden. In Gebieten, in denen präventiver Herdenschutz unzumutbar ist – etwa in der alpinen Region – ist eine Entnahme zur Vermeidung von Weidetierrissen ebenfalls möglich.

Wichtig dabei: Auch nach der Aufnahme in das Bundesjagdgesetz bleibt der günstige Erhaltungszustand als übergeordnete Zielvorgabe maßgeblich. Der Wolf darf nicht einfach bejagt werden wie Rehe oder Wildschweine. Die Bundesregierung betont, es gehe nicht darum, den Wolf wieder zu vertreiben, sondern um gangbare Wege, friedlich mit ihm zu leben.

Der Deutsche Jagdverband hatte in der Verbändeanhörung eine Jagdzeit von Juni bis Oktober für Jungwölfe und eine ganzjährige unbürokratische Entnahme von Problemwölfen gefordert. Im Gesetzentwurf ist nun eine Jagdzeit von Anfang September bis Ende Februar vorgesehen. Der DJV befürchtet, dass dies Fehlabschüsse begünstigt und die Sozialstruktur in Rudeln gefährden könnte.

Die Kritik der Naturschützer

Die Naturschutzverbände reagierten mit scharfer Kritik auf den Kabinettsbeschluss. Der BUND bezweifelt, dass eine erleichterte Entnahme von Wölfen langfristig zu einer spürbaren Reduzierung der Risszahlen führt. Stattdessen verweisen sie auf Studien, wonach konsequenter Herdenschutz wirksamer sei als Abschüsse.

Thomas Norgall, Sprecher der AG Wolf und Weidetiere im BUND Bundesverband, kritisiert: Der Entwurf des Bundesjagdgesetzes widerspreche den Vorgaben der Berner Konvention und der FFH-Richtlinie. Beide verlangten den Schutz der Wolfspopulationen und öffneten nicht die Türen für eine unkontrollierte Reduktion des Wolfsbestandes.

Tatsächlich war der Wolf erst Anfang 2025 in der Berner Konvention von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft worden. Die Naturschützer warnen, dass eine stärkere jagdrechtliche Einordnung falsche Erwartungen wecke und zu Konflikten mit dem europäischen Artenschutzrecht führen könnte.

Sie verweisen auf wissenschaftliche Erkenntnisse: Die Erfahrungen aus Deutschland sowie aus dem europäischen Ausland zeigten, dass weder die Größe der lokalen Wolfspopulation noch die Anzahl an Weidetieren in einer Region die Anzahl an Übergriffen durch den Wolf beeinflussten. Vielmehr sei die Wirkung der angewendeten Schutzmaßnahmen entscheidend.

Herdenschutz: Was funktioniert – und was nicht

Die Daten sind eindeutig: Im Jahr 2024 waren in Brandenburg bei 58 Prozent der Wolfsübergriffe die Weidetiere nicht durch wolfsabweisende Herdenschutzmaßnahmen geschützt. In weiteren 25 Prozent der Fälle wurden Tiere geschädigt, die nur mit einem relativ geringen Schutzniveau – dem Mindeststandard als Voraussetzung für Schadensausgleichsregelungen – geschützt waren. Nur in zwölf Prozent der Fälle waren die gerissenen Nutztiere entsprechend der empfohlenen sehr guten Herdenschutzmaßnahmen geschützt.

Die Kombination aus Elektrozäunen und Herdenschutzhunden hat sich in der Praxis als effektivste Methode erwiesen. Schäfer Knut Kucznik in Brandenburg hält seit 2005 Herdenschutzhunde unter seinen 480 Schafen und 50 Ziegen – mitten im Wolfsland. Das nächste Wolfsrudel lebt nur 60 Kilometer entfernt. Doch kein Wolf hat Kuczniks Herde jemals angegriffen.

Die Herdenschutzhunde – in Kuczniks Fall Französische Pyrenäenberghunde – sehen die Weide als ihr Territorium an, in dem sie keine anderen Caniden wie Hunde oder Wölfe dulden. Sie bellen, wenn sich etwas Ungewohntes nähert, und vertreiben Eindringlinge. Ein Wolf vermeidet grundsätzlich einen Kampf um Beute – die Präsenz der Hunde macht die Herde zu einer zu schweren Beute.

Doch Herdenschutz hat Grenzen. Die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden ist teuer und zeitaufwendig. Die Hunde müssen zwei Jahre lang ausgebildet werden, täglich versorgt und kontrolliert werden. Für Halter kleiner Herden ist diese Methode oft nicht praktikabel.

Auch Elektrozäune bieten keinen hundertprozentigen Schutz. Wenn der Strom absinkt oder ein Zaun durch Wildtiere oder Sturm beschädigt wird, ist der Schutz nicht mehr gewährleistet. Es gibt zwar selten, aber immer wieder besonders schlaue Wölfe, die Wege finden, Schutzzäune zu überwinden. Manche lernen, Schwachstellen auszunutzen – und geben dieses Wissen offenbar an ihre Nachkommen weiter.

Besonders problematisch ist die Situation in bestimmten Landschaftsformen. An Deichen, deren Vegetationsdecke durch Beweidung mit Schafen gepflegt wird, sind Elektrozäune wegen der öffentlichen Wege oft keine Option. In der alpinen Region ist nach Einschätzung der Bayerischen Landesanstalt etwa ein Drittel der Flächen nicht zäunbar. Wanderschäferei mit großen Herden, die täglich den Standort wechseln, ist mit klassischem Zaunschutz kaum vereinbar.

Die wirtschaftliche Dimension

Die Weidetierhaltung ist mehr als ein Wirtschaftszweig – sie ist ein zentraler Baustein der deutschen Kulturlandschaftspflege. Schafe halten Heiden und andere Lebensräume frei und erhalten Kulturlandschaften. Ohne Beweidung würden viele wertvolle Biotope verbuschen und ihre ökologische Funktion verlieren.

Doch schon vor der Rückkehr des Wolfes war die wirtschaftliche Lage der Schäfer angespannt. Seit der Umstellung von der Mutterschaf- auf die Flächenprämie im Jahr 2004 ist ein Großteil der Fördermittel weggefallen. Die Zahl der Schafhalter ist seitdem drastisch gesunken: 2016 gab es noch 18.000 Schafhalter mit 1,28 Millionen Mutterschafen – 33 Prozent weniger als im Jahr 2005.

Die Wolfsrisse verschärfen diese Situation. Zwar erhalten Tierhalter Entschädigungen, wenn Wölfe ihre Tiere reißen – je nach Bundesland zwischen 800 und 6.000 Euro pro Tier. Doch diese Zahlungen decken oft nicht den tatsächlichen Schaden. Der emotionale und psychische Stress, den Schäfer erleben, wenn sie morgens ihre zerfetzten Tiere finden, lässt sich ohnehin nicht beziffern.

Hinzu kommt der Mehraufwand für Herdenschutzmaßnahmen. Die meisten Bundesländer fördern zwar die Anschaffung von Zäunen und Herdenschutzhunden, doch die laufenden Kosten – Futter, Tierarzt, Arbeitszeit – werden nur selten erstattet. Für viele Betriebe, die ohnehin am Existenzminimum wirtschaften, ist dieser Zusatzaufwand kaum zu stemmen.

Sachsen: Ein Blick in die Praxis

In Sachsen, einem der Bundesländer mit der längsten Wolfserfahrung, zeigen sich die Probleme besonders deutlich. Im ersten Quartal 2025 wurden nach Angaben der Fachstelle Wolf insgesamt 112 Nutztiere getötet – im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es nur 40. Eine der schwerwiegendsten Attacken ereignete sich Anfang Januar in Stolpen, wo in einem Damwild-Gehege 21 Tiere getötet wurden.

Dabei war nach mehreren Jahren mit steigenden Zahlen im Jahr 2024 erstmals ein Rückgang der Wolfsrisse in Sachsen zu verzeichnen. Der erneute Anstieg 2025 zeigt, wie volatil die Situation ist – und wie schwer es ist, langfristige Trends abzuleiten.

Die sächsische Landesregierung hat den Wolf bereits in das Landesjagdrecht aufgenommen, allerdings mit ganzjähriger Schonzeit. Eine Bürgerinitiative hat dem Landtagspräsidenten eine Petition mit über 18.000 Unterschriften überreicht, in der die Aufhebung der Schonung und eine Begrenzung der Wolfspopulation gefordert wird.

Die europäische Perspektive

Deutschland ist mit dem Wolfskonflikt nicht allein. Europaweit werden nach Angaben des Landvolks Niedersachsen jährlich rund 65.500 Nutztiere von geschätzt 20.300 Wölfen getötet. Die Situation in den verschiedenen Ländern ist dabei sehr unterschiedlich.

In Ländern wie Spanien, Italien oder Rumänien, wo der Wolf nie vollständig ausgerottet war, hat sich über Jahrhunderte eine Tradition des Herdenschutzes erhalten. Hier ist der Einsatz von Herdenschutzhunden selbstverständlich, die Methoden wurden nie vergessen. In Deutschland hingegen musste dieses Wissen nach der Rückkehr des Wolfes erst wieder aufgebaut werden.

Die Schweiz hat ein gut funktionierendes System entwickelt: Mobile Herdenschutzhunde werden von Fachleuten ausgebildet und an Schafhalter verliehen. Das Land betreibt ein aktives Wolfsmanagement und hat im Winter 2024/2025 Dutzende Wölfe erlegt. Die Eidgenossen managen ihre Bestände konsequent – ein Modell, das manche Weidetierhalter in Deutschland als Vorbild sehen.

Was jetzt kommt

Der Zeitplan der Bundesregierung sieht vor, dass die Novellierung des Bundesjagdgesetzes im Frühjahr 2026 im Bundestag verabschiedet wird. Dann müssen die Länder eigene Managementpläne aufstellen. Bis erste Wölfe auf dieser Grundlage legal entnommen werden können, wird es noch dauern.

Brandenburg will bereits vorpreschen: Im November 2025 beschloss der Umweltausschuss des Landtags, den Wolf als jagdbares Wild ins Landesjagdgesetz aufzunehmen. Problemwölfe sollen künftig ohne langes bürokratisches Verfahren abgeschossen werden können, sobald ein Riss gemeldet wird – ohne DNA-Prüfung.

Die Naturschutzverbände haben bereits angekündigt, gegen weitreichende Abschussgenehmigungen juristisch vorzugehen. Die Erfahrung mit dem Fall Gloria zeigt: Jeder einzelne Abschuss könnte vor Gericht landen und gestoppt werden. Der Konflikt wird sich auch mit dem neuen Gesetz nicht einfach in Luft auflösen.

Fazit: Keine einfachen Lösungen

Der Wolf ist in Deutschland angekommen – und er wird bleiben. Das ist die Realität, auf die sich alle Beteiligten einstellen müssen. Die Frage ist nicht mehr, ob es Wölfe in der deutschen Kulturlandschaft geben wird, sondern wie das Zusammenleben gestaltet werden kann.

Die Aufnahme des Wolfes ins Bundesjagdgesetz ist ein politisches Signal an die Weidetierhalter. Ob sie zu einer spürbaren Entspannung führt, wird sich zeigen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sprechen eher dafür, dass konsequenter Herdenschutz wirksamer ist als Abschüsse. Doch Herdenschutz muss auch praktikabel und finanzierbar sein.

Was fehlt, ist eine ehrliche Debatte über die Zukunft der Weidetierhaltung insgesamt. Die wirtschaftlichen Probleme der Schäfer sind älter als die Rückkehr des Wolfes. Wer will, dass Schafe weiterhin Deiche pflegen, Heiden offenhalten und Kulturlandschaften erhalten, muss bereit sein, diese Leistung angemessen zu honorieren – unabhängig vom Wolf.

Für Schäfer wie Kai Mithöfer, der im Hahnenmoor über 60 Schafe verloren hat, sind das keine theoretischen Fragen. Für ihn zählt, ob er morgen noch sicher sein kann, dass seine Herde lebt, wenn er nach ihr schaut. Diese Sicherheit zu schaffen, ist die eigentliche Aufgabe – und sie wird weder durch Jagd allein noch durch Herdenschutz allein gelöst werden können.


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