Die Preise für Weizen und andere Getreidearten sind kürzlich gesunken, was auf verbesserte Wetterbedingungen im Mittleren Westen der USA und enttäuschende Exportzahlen zurückzuführen ist. Die ergiebigen Regenfälle haben die Sorgen der Händler gemildert, die durch eine zuvor trockene Phase in Staaten wie Kansas und Oklahoma ausgelöst wurden. Diese Entwicklungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Konflikt im Nahen Osten die Märkte weiterhin beeinflusst.
Wetterbedingungen und Exporte beeinflussen Preise
Am Dienstag begannen die Weizenpreise auf beiden Seiten des Atlantiks mit Verlusten. Der Rückgang ist teilweise auf die verbesserten Wetterprognosen in den USA zurückzuführen. Diese Bedingungen führten zu einem leichten Nachlassen der Anspannung bei den Händlern. Zusätzlich veröffentlichte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) Berichte über schwache Exportaktivitäten in den US-Häfen, was ebenfalls Druck auf die Preise ausübte.
Der Einfluss des Nahostkonflikts zeigt sich darin, dass die Weizen- und Maispreise seit dem 28. Februar den Schwankungen der Ölpreise folgen, obwohl in geringerem Maße. In der vergangenen Woche stiegen die Weizenpreise zunächst an, nur um dann im Zuge eines fallenden Ölpreises wieder zu sinken.
Reaktionen auf politische Entwicklungen
Die Rapspreise reagierten ebenfalls auf politische Äußerungen von Donald Trump. Er deutete an, dass er europäischen und asiatischen Ländern mehr Verantwortung für die Sicherung der Straße von Hormus übertragen könnte. Dies würde bedeuten, dass eine mögliche Schließung dieser wichtigen Handelsroute nur minimale Auswirkungen auf die Energiepreise in den USA hätte.
An der Euronext fielen am Dienstag die Weizenpreise für Mai-Lieferungen um 1,0 €/t auf 201,50 €/t. Auch andere Kontrakte verzeichneten Rückgänge: Der September-Kontrakt sank um 1,50 €/t und der Maispreis für Juni um 0,75 €/t. Der Raps-Futures für August fiel deutlich um 2,50 €/t.
Getreidepreise im Vergleich zum Ukrainekrieg
Laut Damien Vercambre von Inter-Courtage sind die jüngsten Preissteigerungen bei Getreide nicht mit denen nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 zu vergleichen. Ein solcher Preisanstieg sei unwahrscheinlich, da es sich nicht um eine Krise zwischen getreideproduzierenden Ländern handele. Dennoch bleibt unter den Händlern Vorsicht geboten.
Steigende Düngemittelpreise aufgrund einer fast vollständigen Blockade der Straße von Hormus könnten jedoch Auswirkungen haben. Ein Drittel aller weltweiten Düngemittellieferungen wird durch diese Route transportiert. Die aktuellen Preissteigerungen könnten Landwirte dazu bewegen, ihre Anbaustrategien anzupassen und weniger stickstoffabhängige Kulturen wie Sojabohnen oder Raps zu bevorzugen.
Marktturbulenzen durch geopolitische Spannungen
Mit dem Ende der Feiertage hat an der Euronext wieder der Getreidehandel begonnen. Trotz einer Wiederaufnahme des Handels an den amerikanischen Börsen am Montag bleiben die Märkte unruhig. Politische Ankündigungen aus den USA haben zwar an Einfluss verloren, bestimmen aber immer noch das Geschehen.
Länder weltweit versuchen derzeit mit den Unsicherheiten umzugehen und ihre Handelsströme neu auszurichten. In Indien wurden neue Ausschreibungen zur Sicherstellung der Harnstoffversorgung gestartet. Unterdessen bleibt der Düngemittelmarkt angespannt, was Landwirte weltweit dazu zwingen könnte, ihre Fruchtfolgen neu zu überdenken.
Laut Berichten aus Frankreich sind dort die Wachstumsbedingungen für Getreide gut bis ausgezeichnet bewertet worden: 84 % des Weizens schneiden dabei besser ab als der Durchschnitt früherer Jahre.
