Russische Landwirte stehen vor erheblichen Herausforderungen, da die Regierung das mobile Internet in ländlichen Gebieten häufig abschaltet. Offiziell begründet Moskau diese Maßnahmen mit dem Schutz vor ukrainischen Drohnenangriffen. Doch es gibt starke Indizien dafür, dass diese Strategie auch der verstärkten Kontrolle und Zensur der eigenen Bevölkerung dient.
Wichtige Regionen betroffen
Besonders stark betroffen sind landwirtschaftlich bedeutende Regionen wie Brjansk, Kursk und Rostow am Don. Moderne Agrarbetriebe sind auf das Internet angewiesen, um präzise Daten für die Feldbewirtschaftung und Verwaltung zu nutzen. Der Verlust des mobilen Internets erschwert diese Aufgaben erheblich.
Kritik von Landwirtschaftsvertretern
Eine russische Bauernlobby, bekannt als „People Farmers“, hat sich laut der Nachrichtenagentur Reuters gegen die Internetabschaltungen ausgesprochen. Sie argumentieren, dass solche Maßnahmen die Arbeit während der Aussaat behindern. Die Gruppe richtete ein Schreiben an das russische Ministerium für digitale Entwicklung, in dem sie darauf hinwies, dass Landwirte ohne Internetzugang Schwierigkeiten haben, sich mit den staatlich geforderten Agrarsystemen zu verbinden.
Rechtliche Anforderungen für Landwirte
Diese Systeme sind notwendig für die Erfassung von Daten über Saatgutmenge sowie produzierte und verkaufte Getreidemengen. Diese Informationen sind nicht nur statistisch relevant, sondern auch rechtlich vorgeschrieben. Wird die Datenerfassung versäumt, drohen den Landwirten Strafzahlungen. Vertreter der Bauern fordern deshalb, dass agrarische Online-Dienste in eine Whitelist aufgenommen werden sollten, um auch während Abschaltungen zugänglich zu bleiben.
Motive hinter den Abschaltungen
Die russische Regierung sieht im freien Internet ein Sicherheitsrisiko. Drohnen- und Raketenangriffe in den Grenzregionen zur Ukraine wurden als Grund für die Abschaltungen angegeben. Doch Untersuchungen von The Insider und Na Svyazi zeigen, dass weniger als die Hälfte aller Abschaltungen seit Mai 2025 zeitlich mit tatsächlichen Drohnenangriffen korrelieren.
Das wirft Fragen über die tatsächlichen Motive auf: Neben der Drohnenabwehr könnte es auch darum gehen, die Informationsbeschaffung der Bevölkerung einzuschränken. Mehr als 20 Regionen wurden seit Januar 2024 dokumentiert abgeschaltet – darunter auch Tschukotka am Pazifik, eine Region weit entfernt von jeglicher Frontlinie.
