In der Europäischen Union sind die Gasspeicher auf einem besorgniserregend niedrigen Niveau, das seit der Energiekrise 2022 nicht mehr erreicht wurde. Besonders kritisch ist die Lage in Deutschland, wo die Füllstände unter 24 % liegen. Trotzdem erleben die europäischen Erdgaspreise eine Abwärtsbewegung und erreichen den niedrigsten Stand seit fünf Wochen.
Milde Temperaturen entlasten die Nachfrage
Der Rückgang der Erdgaspreise in Europa kann auf milde Wettervorhersagen und sinkende US-Gaspreise zurückgeführt werden. Die Erdgas-Futures in Europa fielen um 5 % auf unter 31 Euro pro Megawattstunde. Dank der überdurchschnittlichen Temperaturen, die von Wettermodellen für Teile Europas vorhergesagt werden, reduziert sich der kurzfristige Bedarf an Gas. Diese Entwicklung könnte den raschen Abbau der Gasspeicher etwas verlangsamen.
Trotz dieser kurzen Entspannung bleibt die Situation angespannt: Die Füllstände der Gasspeicher in der EU sind weiterhin unter 34 %, ein Tiefpunkt seit der Energiekrise. Analysten gehen davon aus, dass Europa hohe Importe benötigen wird, um bis November 2026 wieder Füllstände zwischen 80 und 90 % zu erreichen, wie es die EU-Vorgaben verlangen.
USA erhöhen LNG-Exporte nach Europa
In den USA haben sich die Gaspreise nach einem schweren Wintersturm ebenfalls beruhigt. Der Henry Hub-Preis für Erdgas ist aufgrund milderer Wetterbedingungen und einer Erholung der Produktion stark gefallen. Nach dem Sturm Fern war es zu Lieferengpässen gekommen, wodurch sich die amerikanischen Referenzpreise zeitweilig verdoppelten. Mit dem Abflauen des Sturms gingen auch die Entnahmen aus den Speichern zurück und die Futures fielen am Montag unter 3 US-Dollar pro Million British Thermal Units (MMBtu).
Diese Preisentwicklung in den USA beeinflusst auch die Verfügbarkeit von Flüssigerdgas (LNG) für den Export nach Europa positiv. Dennoch warnen Experten, dass Europa noch nicht über den Berg ist. Laut Gas Infrastructure Europe waren Mitte Februar nur etwa 34 % der EU-Gasspeicher gefüllt. Prognosen zufolge könnten diese Werte bis Ende März, dem Ende der Wintersaison, auf etwa 26 % sinken.
Zukunftsperspektive und Herausforderungen
Europas Abhängigkeit von hohen Gasimporten bleibt ein kritisches Thema, insbesondere angesichts der aktuellen niedrigen Speicherstände zum Winterende – dem niedrigsten Stand seit vier Jahren. Um zukünftige Engpässe zu vermeiden, müssen sowohl strategische Reserven besser verwaltet als auch alternative Energiequellen weiterentwickelt werden.
Dabei spielt auch die politische Dimension eine Rolle: Effiziente Maßnahmen zur Steigerung der Energiesicherheit und Diversifizierung der Energiequellen sind unerlässlich, um langfristige Stabilität zu gewährleisten.
