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Ab 2026: Verbot von Dauerbeköderung zur Rattenbekämpfung in Deutschland

Ab dem 1. Juli 2026 tritt in Deutschland ein Verbot der Dauerbeköderung zur Rattenbekämpfung in Kraft. Die geplanten Änderungen basieren auf der EU-Biozidverordnung, die den Einsatz von Rodentiziden europaweit reguliert. Trotz der bevorstehenden Regeländerungen fehlen noch konkrete Pläne aus Berlin zur Umsetzung.

Neue gesetzliche Rahmenbedingungen

Die geplanten Änderungen betreffen insbesondere die Verwendung von Rodentiziden, die häufig blutgerinnungshemmende Wirkstoffe enthalten. Diese Stoffe wirken nicht nur auf Schadnager, sondern können auch andere Tiere wie Hunde, Katzen und Greifvögel gefährden, die vergiftete Ratten fressen. Ein weiteres Problem stellt die Resistenzbildung bei Nagern dar.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) überprüft derzeit die Zulassungen einzelner Wirkstoffe. Ab dem 1. Juli 2026 dürfen bestimmte Giftköder nur noch eingesetzt werden, wenn ein Befall nachgewiesen ist. Sachkundige Personen wie Schädlingsbekämpfer können dann unter bestimmten Bedingungen weiterhin Rattengifte verwenden.

Schärfere Auflagen für den Einsatz von Rodentiziden

Privatpersonen können Rodentizide der 1. Generation nur noch bis April 2026 kaufen und müssen vorhandene Bestände bis Oktober desselben Jahres aufbrauchen. Für Landwirte entfällt zudem eine bisher geltende Ausnahmeregelung: Der Erwerb und Einsatz von Rattengift erfordert ab Juli 2027 einen speziellen Sachkundenachweis.

Dieser Nachweis könnte durch einen mehrtägigen Lehrgang inklusive Prüfung erbracht werden, dessen Inhalte noch unklar sind. Diskutiert werden Themen wie risikominimierender Einsatz und Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

Kritische Stimmen und Forderungen

Während Tierschutzorganisationen die Maßnahmen begrüßen, warnen Experten vor möglichen Konsequenzen: Eine Zunahme von Rattenplagen könnte die Hygiene und Sicherheit in Betrieben gefährden. Verbände aus der Agrar- und Ernährungsindustrie fordern daher Ausnahmeregelungen von der Politik.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) hat auf Anfrage versichert, sich für praxisorientierte Lösungen einzusetzen, damit bestehende Ausbildungen als gleichwertig anerkannt werden könnten.

Herausforderungen für Landwirte

Betriebe stehen vor Herausforderungen: höhere Kosten, mehr Arbeitsaufwand und komplexere Dokumentationspflichten sind zu erwarten. Milchviehhalter Herman van Rossum äußert Bedenken über den personellen Aufwand bei der Beauftragung professioneller Schädlingsbekämpfer.

Nino van Rossum betont zudem, dass trotz aller Maßnahmen ein Hof nie zu 100 % rattenfrei sein könne. Die van Rossums haben bereits digitale Schlagfallen im Einsatz, um ihre Präventionsmaßnahmen zu verbessern.

Die Unsicherheiten rund um die neuen Anforderungen stellen viele Landwirte vor erhebliche Herausforderungen – sowohl finanziell als auch organisatorisch – während sie gleichzeitig sicherstellen müssen, dass ihre Betriebe den neuen Richtlinien entsprechen.