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Baywa r.e. in der Krise: Aufsichtsräte treten nach Streit zurück

Der Aufsichtsrat der Baywa r.e., der Energietochter des Baywa-Konzerns, sieht sich aktuell mit erheblichen Turbulenzen konfrontiert. Drei Mitglieder des Gremiums, die die Interessen des schweizerischen Minderheitsgesellschafters Energy Infrastructure Partners (EIP) vertraten, haben ihre Ämter niedergelegt. Insiderberichten zufolge ist die Ursache für diese Rücktritte eine Meinungsverschiedenheit über die Wahrnehmung der Kontrollfunktion. Eine offizielle Stellungnahme der Baywa r.e. zu diesen Vorfällen bleibt bisher aus.

Wachsende Herausforderungen in der Sanierung

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei Baywa r.e. erfordern mittlerweile eine Anpassung der Sanierungspläne. Angesichts eines schwachen Marktumfelds, insbesondere in den USA im Bereich der erneuerbaren Energien, scheint das ursprüngliche Ziel, den 51-Prozent-Anteil von Baywa AG für 1,7 Milliarden Euro zu veräußern, außer Reichweite zu sein. Die restlichen 49 Prozent sind im Besitz des Investors EIP aus der Schweiz, was die angespannte Lage weiter verkomplizieren könnte.

Neue Machtverhältnisse im Aufsichtsrat

Mit dem Rücktritt dreier Aufsichtsratsmitglieder ist das Gremium nun auf fünf Personen reduziert. Vier dieser Mitglieder sind direkt mit der Baywa AG verbunden, darunter Michael Baur, der den Vorsitz führt und gleichzeitig Mitglied des Vorstands des Mutterkonzerns ist. Neben ihm sind Finanzvorstand Prof. Matthias Rapp sowie David Merz und Jakob Bötsch im Aufsichtsrat tätig. Der einzige Vertreter von EIP ist derzeit Eduardo Sauer.

Zukunftsperspektiven und finanzielle Risiken

Für die Baywa AG ist die erfolgreiche Restrukturierung ihrer Tochtergesellschaft von entscheidender Bedeutung für das gesamte Sanierungskonzept. Da die bisherigen Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte sich der geplante Zeitrahmen bis 2028 verlängern und erst 2030 abgeschlossen werden. Zur Erreichung eines signifikant höheren bereinigten EBITDA von über 150 Millionen Euro im Jahr 2030 wird eine strategische Neuausrichtung angestrebt.

Trotz dieser Bestrebungen bleibt die Situation angespannt. Der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) hat seine Mitgliedsbanken bereits gewarnt: Verzögerungen könnten zu einer vollständigen Abschreibung von Schuldscheindarlehen in dreistelliger Millionenhöhe führen. Im Jahresabschluss 2024 mussten bayerische Volks- und Raiffeisenbanken bereits 60 Prozent eines Schuldscheindarlehens in Höhe von 220 Millionen Euro abschreiben. Der bayerische Genossenschaftssektor, mit einem Anteil von 36,5 Prozent, hat in den letzten zwei Jahren rund 550 Millionen Euro zur Unterstützung bereitgestellt.