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Vogelgrippe in Niedersachsen: Über 1,6 Mio. Tiere betroffen

Die jüngste Ausbreitung der Vogelgrippe in Niedersachsen hat zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten geführt. Seit Mitte Oktober 2025 wurden über 1,6 Millionen Tiere getötet, was die bisher schwerste Epidemie im Bundesland darstellt. Die Tierseuchenkasse hat bis Ende März mehr als 37 Millionen Euro an betroffene Betriebe ausgezahlt, doch weitere Entschädigungen sind noch ausstehend. Insgesamt meldete Niedersachsen 102 Ausbrüche, was frühere Wellen deutlich übertrifft.

Historischer Vergleich zeigt zunehmende Bedrohung

Daten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) verdeutlichen die eskalierende Lage: Im Jahr 2008 führten 29 Ausbrüche zum Tod von etwa 355.000 Tieren. Im Jahr 2017 stieg diese Zahl auf über 520.000 bei 36 Ausbrüchen. Die große Welle 2021 verzeichnete sogar rund 1,6 Millionen getötete Tiere bei 80 Ausbrüchen, und im darauf folgenden Jahr waren es knapp 1,3 Millionen Tiere bei 46 Ausbrüchen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich die Lage weiter verschärft.

Endemische Präsenz des Virus

Laut FLI-Experten ist das Virus mittlerweile ganzjährig unter Wildvögeln verbreitet und damit faktisch endemisch geworden. Wasservögel dienen als Reservoir für das Virus, während Zugvögel es kontinuierlich verbreiten und den Infektionsdruck hoch halten. Der saisonale Charakter der Geflügelpest verliert somit zunehmend an Bedeutung.

Betriebsstrukturen als Risikofaktor

Besonders betroffen sind größere Bestände in Stallhaltungen mit etwa 1,5 Millionen Tieren, während Freilandhaltungen weniger stark betroffen sind. Standortfaktoren wie Geflügeldichte und Betriebsstruktur spielen eine entscheidende Rolle bei der Anfälligkeit für Ausbrüche. Niedersachsen, ein Zentrum der deutschen Geflügelhaltung, ist aufgrund dieser Bedingungen besonders gefährdet.

Biosicherheitsmaßnahmen stoßen auf Herausforderungen

Trotz strenger Biosicherheitsmaßnahmen kommt es weiterhin zu Einträgen des Virus in die Betriebe. In Niedersachsen gelten strengere Vorschriften mit Risikoanalysen und dokumentierten Schutzkonzepten, doch diese Maßnahmen erweisen sich oft als unzureichend, da nicht alle Eintragswege kontrollierbar sind.

Impfdebatte gewinnt an Fahrt

Angesichts der aktuellen Situation wird die Diskussion um Impfungen intensiver geführt. Während Exportfragen und Kosten noch ungeklärt sind, haben Länder wie Frankreich bereits erste Impfprogramme umgesetzt. In Deutschland wird derzeit vor allem der organisatorische und finanzielle Aufwand geprüft.

Wirtschaftliche Belastungen bleiben hoch

Zwar decken die Entschädigungen zentrale Kosten wie den Verlust von Tieren sowie deren Tötung, Entsorgung und Desinfektion ab, jedoch nicht wirtschaftliche Folgeschäden wie Produktionsausfälle oder Leerstandszeiten. Viele Betriebe stehen daher vor finanziellen Herausforderungen, die über die ausgezahlten Summen hinausgehen.

Zukunft der Geflügelhaltung im Fokus

Miriam Staudte, Niedersachsens Landwirtschaftsministerin, betont die hohe Geflügeldichte als Risikofaktor und fordert langfristige Lösungen für die Zukunft der Geflügelhaltung. Angesichts der dauerhaft zirkulierenden Geflügelpest unter Wildvögeln steht die Frage im Raum, wie man eine krisenfestere und zugleich tierwohlgerechtere Geflügelhaltung erreichen kann.