Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus hat zu einem deutlichen Anstieg der Energie- und Düngemittelpreise geführt, was weltweit die Lebensmittelkosten in die Höhe treibt. Angesichts dieser Entwicklungen mahnen Experten, darunter Dr. Bettina Rudloff von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), zur vorausschauenden politischen Planung.
Globale Versorgungssysteme unter Druck
Laut der Agrarökonomin Rudloff zeigt die aktuelle Situation rund um die Straße von Hormus die Anfälligkeit globaler Versorgungssysteme auf. Schätzungen zufolge sind bis zu 30% der weltweiten Öl- und Gastransporte betroffen, was zu erheblichen Preissteigerungen bei Energie geführt hat.
Diese Preissteigerungen wirken sich direkt auf die Landwirtschaft aus. Höhere Energiekosten verteuern die Produktion von Düngemitteln sowie deren Transport und Logistik. Hinzu kommt, dass der Mangel an Düngemittelexporten aus der Golfregion die Preise weiter erhöht hat. Der Preis für Harnstoff stieg zuletzt um bis zu 40%, wie Rudloff feststellt.
Zielkonflikte in der EU
Vor allem Länder, die stark von Importen abhängig sind, wie Brasilien, Indien oder einige afrikanische Staaten, sind besonders betroffen. Aber auch die Europäische Union steht vor Herausforderungen, da sie bis zu 60% ihres Düngemittelbedarfs importiert. Rudloff erklärt, dass Brüssel mit Zielkonflikten zwischen Landwirtschaft, Industrie und Außenpolitik konfrontiert ist.
Die EU versucht seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, ihre Abhängigkeit von russischen Düngemittelimporten zu reduzieren. Gleichzeitig werden Maßnahmen diskutiert, um durch niedrigere Düngerpreise Entlastung für die Landwirtschaft zu schaffen – etwa durch reduzierte Zölle für Importe aus Drittstaaten oder Ausnahmen vom CO2-Grenzausgleich.
Kritik und strategische Ansätze
Diese Ansätze stoßen jedoch auf Kritik seitens europäischer Düngemittelhersteller. Sie warnen davor, dass zunehmende Importkonkurrenz die rückläufige Eigenproduktion weiter schwächen könnte und bestehende Abhängigkeiten verschärft würden.
Rudloff plädiert deshalb für einen strategischeren Ansatz: Der Seetransport sollte als zentrales Element des Welthandels systematisch in politische Überlegungen einbezogen werden. Beobachtungssysteme könnten entwickelt werden, um Risiken wie Konflikte oder klimabedingte Störungen frühzeitig zu erkennen.
Integration von Anrainerstaaten
Zudem sollten Länder entlang wichtiger Seewege sowie Transitländer in internationale Kooperationen eingebunden werden. Ein stärker integrierter Seehandel in handelspolitische Entscheidungen könnte durch gezielte Investitionen in Infrastruktur unterstützt werden, um langfristig widerstandsfähige globale Lieferketten sicherzustellen.
