Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Australien stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Ein zentraler Streitpunkt bleibt jedoch der Zugang zu Agrarprodukten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist nach Canberra gereist, um die finalen Details zu klären.
Wichtige Handelsfragen ungelöst
Ein Sprecher der EU-Kommission bestätigte, dass die Gespräche sowohl Handels- als auch Sicherheitsfragen betreffen. Besonders umstritten sind die geplanten zollfreien Importmengen für australisches Rind- und Schaffleisch sowie Zucker. Gerüchten zufolge könnte der erleichterte Zugang für Zucker aus Australien sogar gänzlich entfallen.
Bereits im November 2023 scheiterte eine Einigung an eben diesen Themen. Der australische Handelsminister Don Farrell hatte damals auf eine Quote von 60.000 Tonnen Rindfleisch gedrängt, während die EU nur 30.000 Tonnen akzeptieren wollte. Im September 2025 wurden die Gespräche schließlich wieder aufgenommen.
Bedenken aus der Landwirtschaft
In der europäischen Agrarbranche gibt es erhebliche Vorbehalte gegenüber dem Abkommen. Agrarkommissar Hansen versicherte, dass die Rindfleischimporte auf maximal 35.000 Tonnen pro Jahr begrenzt würden, doch viele Details seien noch offen. Die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (Copa) und Genossenschaften (Cogeca) fordern eine ausgewogene Gestaltung des Abkommens.
Copa-Präsident Massimiliano Giansanti betont die Wichtigkeit einer strategischen Partnerschaft mit Australien, warnt jedoch davor, die Landwirtschaft als Verhandlungsmasse zu nutzen. Auch Lennart Nilsson von Cogeca fordert strikte Begrenzungen bei sensiblen Agrargütern und eine Angleichung der Produktionsstandards.
Agrarhandel sieht Chancen
Trotz dieser Bedenken unterstützt der Agrarhandel das Abkommen als Möglichkeit zur Stabilisierung und Diversifikation des Marktes. Martin Courbier vom „Agrarhandel e.V.“ argumentiert, dass moderate Importquoten die Balance erhalten und dennoch neue Möglichkeiten schaffen könnten.
- Zollfreie Kontingente für Futtergetreide sind auf 200.000 Tonnen jährlich festgelegt.
- Für Canola/Raps sind jährlich 1,8 Millionen Tonnen vorgesehen, mit einer schrittweisen Reduzierung der Zölle in den nächsten Jahren.
- Schutzklauseln erlauben bei Überimporten oder Preisverfall das Aussetzen von Zollvorteilen für bis zu zwei Jahre.
Ausgewogenheit im Handel
Australien wird ebenfalls Vorteile geboten: Sofortige zollfreie Kontingente für EU-Weizen und Gerste werden eingeführt, die in den kommenden zehn Jahren auf eine Million Tonnen anwachsen sollen. Die Raps-Zölle verschwinden dabei innerhalb von fünf Jahren komplett.
Dieses Freihandelsabkommen könnte somit ein Gleichgewicht schaffen, das sowohl Exporte als auch Importe in einer klassischen Win-win-Situation fördert.
