Die kürzlich angekündigte Senkung der Zölle auf importierte Stickstoffdünger hat sich als wirkungslos erwiesen, da die Preise in Europa trotz dieser Maßnahme hoch bleiben. Landwirte müssen weiterhin mit den gleichen hohen Kosten für Düngemittel rechnen.
Schwache Nachfrage stabilisiert Preise
Obwohl die Nachfrage nach Düngemitteln schwach ist, was zumindest weitere Preiserhöhungen verhindert, bleibt der Markt angespannt. Händler und Hersteller, die versuchten, ihre Preise zu erhöhen, mussten ihre Angebote aufgrund der schwachen Nachfrage zurücknehmen. Trotz niedriger Lagerbestände bei Händlern und Herstellern scheint es schwierig, höhere Preise durchzusetzen.
Ein markanter Rückgang der Düngemittelimporte im Januar wird vor allem auf die Einführung der CO2-Importsteuer zurückgeführt. Marktbeobachter merken an, dass die Importe vor Januar außergewöhnlich hoch waren, was den Einbruch teilweise erklärt. Händler und Importeure hatten im Vorfeld der Steuererhebung beträchtliche Vorräte angelegt.
EU-Kommission setzt Zölle aus
Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die Zölle auf wichtige Stickstoffdünger und deren Vorprodukte für ein Jahr auszusetzen – mit Ausnahme von Importen aus Russland und Belarus. Diese Maßnahme könnte laut Kommission zu Einsparungen von 60 Millionen Euro an Einfuhrzöllen führen. Dennoch sind Importe aus Russland seit dem letzten Jahr erheblich zurückgegangen, da sie mit hohen Zöllen belegt sind.
Aktuelle Daten zeigen einen drastischen Rückgang der Stickstoffdüngerimporte im Januar: Sie sanken auf lediglich 179.877 Tonnen, was weniger als 16 % des Volumens im Vorjahreszeitraum entspricht.
Steigende Produktionskosten belasten Landwirte
Der Genossenschaftsverband Copa/Cogeca weist darauf hin, dass die Verknappung und Verteuerung von Stickstoffdüngern in Europa die Produktionskosten der Landwirte erheblich in die Höhe treibt. Der Anteil der Düngerkosten an den Gesamtkosten kann zwischen 15 % und 30 % liegen. Die Preise für N-Dünger sind seit Januar 2026 um etwa 25 % im Vergleich zu den Durchschnittspreisen von 2024 gestiegen.
Obwohl die Einfuhren im Dezember 2025 einen Anstieg verzeichneten, reicht dies nicht aus, um den Markt nachhaltig zu stabilisieren. Die Lagerbestände decken nur etwa 45 % bis 50 % des Bedarfs für die kommende Ernte ab.
Anpassungen in Anbaustrategien erforderlich
Die hohen Düngerpreise zwingen EU-Landwirte dazu, den Einsatz von Düngemitteln zu überdenken. Niedrige Getreidepreise werfen Fragen zur Wirtschaftlichkeit des Einsatzes von Stickstoffdüngern auf, insbesondere wenn diese keine Preisaufschläge bei Weizen erzielen. Landwirte prüfen daher andere Einkaufsstrategien und Möglichkeiten zur Kostenreduzierung.
Anhaltend hohe Exportpreise
Trotz Zollsenkungen bleiben die Exportpreise für Harnstoff hoch. Im mittleren Osten werden Harnstoffe derzeit für rund 485 USD je Tonne angeboten – ein Preisniveau ähnlich dem Anfang Januar aber deutlich höher als zuvor. An deutschen Importhäfen kostet Harnstoff aktuell etwa 570 Euro je Tonne – das höchste Niveau seit Februar 2023.
Ebenfalls gestiegen sind die Preise für Flüssigdünger wie Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (AHL) sowie Kornkali und Diammoniumphosphat (DAP), was die wirtschaftlichen Herausforderungen für Landwirte weiter verschärft.
