In den vergangenen zehn Jahren hat fast die Hälfte der schweinehaltenden Betriebe in Baden-Württemberg den Betrieb eingestellt. Diese alarmierende Entwicklung veranlasst den Landesbauernverband (LBV), vor den anstehenden Landtagswahlen klare politische Maßnahmen zur Unterstützung der Nutztierhalter zu fordern.
Deutlicher Rückgang der Tierbestände
Die Daten zeichnen ein düsteres Bild für die Tierhaltung im Südwesten Deutschlands. Der Rinderbestand ist von 1.001.792 Tieren im Jahr 2015 auf 878.935 Tiere im Jahr 2025 gesunken, was einem Rückgang von etwa 12 Prozent entspricht. Auch die Zahl der rinderhaltenden Betriebe nahm um etwa 19 Prozent ab, von 17.294 auf 13.987 Betriebe im gleichen Zeitraum.
Besonders drastisch ist die Situation in der Schweinehaltung: Die Zahl der Betriebe fiel von 2.570 im Jahr 2015 auf nur noch 1.470 im Jahr 2025, was einem Minus von rund 43 Prozent entspricht. Parallel dazu ging auch der Schweinebestand um etwa 32 Prozent zurück, von knapp 1,85 Millionen auf etwa 1,25 Millionen Tiere.
Notwendigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen
Angesichts dieser Entwicklungen betont der LBV die Dringlichkeit stabiler politischer Rahmenbedingungen für die Zukunft der Nutztierhaltung in Baden-Württemberg. Unklare Planungsmöglichkeiten, komplizierte Genehmigungsverfahren und ein erheblicher Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen europäischen Ländern tragen erheblich zur aktuellen Krise bei.
Forderungen an die Politik
Der Verband fordert ein Moratorium für neue Auflagen in der Tierhaltung sowie EU-weit einheitliche Standards zur Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit. Darüber hinaus wird ein rechtssicherer Bestandsschutz bei Neu- und Umbauten gefordert, ebenso wie ein Abbau von Bürokratie und Doppelstrukturen sowie praxistaugliche Bau- und Genehmigungsrechte.
Milchviehhalter sehen Handlungsbedarf
Laut Roswitha Geyer-Fäßler, Milchviehhalterin und Vizepräsidentin des LBV, sind Änderungen im Bau- und Genehmigungsrecht unerlässlich, um Investitionen in Tierwohl zu erleichtern. Sie weist darauf hin, dass die zunehmende Bürokratie den Alltag der Landwirte stark belastet und Ressourcen verschwendet.
Anspannung in der Schweinehaltung
Auch Hans-Benno Wichert, ebenfalls Vizepräsident des LBV und Schweinehalter, spricht von einer kritischen Lage in seinem Sektor. Politische Einflüsse wie nationale Sonderregelungen und externe Faktoren wie Tierseuchen erhöhen den Druck auf die Betriebe erheblich. Wichert hebt hervor, dass ohne funktionierende Infrastruktur eine wirtschaftliche Perspektive kaum möglich ist.
Zukunftssicherung durch politische Maßnahmen
Die Landwirtschaft benötigt jetzt klare Signale seitens der Politik, um eine nachhaltige Zukunft zu gewährleisten. Der LBV fordert daher Auflagenstopps und verlängerte Übergangsfristen sowie ein klares Bekenntnis zur regionalen Tierhaltung als strategische Komponente einer nachhaltigen Landwirtschaft in Baden-Württemberg.
Laut Angaben der LEL Schwäbisch Gmünd liegt der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch im Jahr 2024 bei lediglich 54%, mit Rindfleisch bei 66%, während er bei Geflügelfleisch nur 29% erreicht.
Appell an die künftige Landesregierung
Der Landesbauernverband fordert die zukünftige Landesregierung eindringlich auf, strategische Unterstützungen zu bieten, um regionale Lebensmittelproduktion und hohe Tierwohlstandards zu sichern. Nur so können lebendige ländliche Räume erhalten bleiben und die Nutztierhaltung in Baden-Württemberg wieder florieren.
