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Clean-up-Zertifikate: Neuer Ansatz zur Reduzierung von CO₂-Emissionen

Ein innovatives Konzept zur Bekämpfung des Klimawandels, das sogenannte Clean-up-Zertifikate, könnte die Emissionen der Europäischen Union erheblich reduzieren. Laut einer neuen Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) könnte Europas Beitrag zur globalen Erwärmung durch den Einsatz dieser Zertifikate nahezu halbiert werden.

Funktionsweise der Clean-up-Zertifikate

Das Prinzip der Clean-up-Zertifikate erinnert an bekannte Rücknahmesysteme wie Pfandflaschen. Unternehmen erhalten die Erlaubnis zur CO₂-Emission unter der Bedingung, dass sie das ausgestoßene CO₂ später wieder aus der Atmosphäre entfernen. Diese Verpflichtung zur Rückholung ist ein zentraler Bestandteil des Modells, das im Journal of Environmental Economics and Management veröffentlicht wurde.

Kai Lessmann vom PIK, Hauptautor der Studie, betont die Ähnlichkeit zu bestehenden Systemen: Unternehmen sind bereits heute in anderen Bereichen verpflichtet, nicht nur die Qualität ihrer Produkte zu gewährleisten, sondern auch deren Entsorgung sicherzustellen. Dieses Konzept der erweiterten Produzentenverantwortung hat laut Lessmann großes Potenzial für den Klimaschutz.

Ökonomische Vorteile und technologische Fortschritte

Die Studie hebt hervor, dass Unternehmen von Clean-up-Zertifikaten profitieren könnten, da diese finanzielle Belastungen in die Zukunft verlagern. Die Kosten für Rückholmaßnahmen können durch technologische Fortschritte gesenkt werden. Beispielsweise könnten effizientere Filtersysteme zur CO₂-Abscheidung zukünftig weniger Energie benötigen.

Regulierungsspielraum und wirtschaftliche Balance

Für Regulierungsbehörden bietet sich hier ein Spielraum: Sie können den Umfang der Rückholverpflichtung in Relation zu den emittierten Mengen anpassen. Dies schafft eine Balance zwischen wirtschaftlicher Entlastung und dem Ziel einer sauberen Atmosphäre.

Reduzierung der EU-Emissionen

Laut den Modellrechnungen könnte die EU ihre Netto-CO₂-Emissionen bis 2030 auf 7,2 Gigatonnen senken – ein signifikanter Rückgang verglichen mit einem potenziellen Ausstoß von 14 Gigatonnen ohne Clean-up-Zertifikate. Das politische Ziel besteht darin, durch clevere Emissionshandelsstrategien maximale gesellschaftliche Wohlfahrt zu erreichen.

Potenzielle Erweiterungen nach 2050

Die Untersuchung legt nahe, dass die Wirkung von Clean-up-Zertifikaten noch verstärkt werden könnte, wenn politische Entscheidungsträger bereit wären, zusätzliche finanzielle Mittel bereitzustellen. Eine solche Investition könnte die Belastung aus CO₂-Handel und Klimaschäden um bis zu 8 % verringern und einen jährlichen Nutzen von rund 28 Milliarden Euro erzielen.

Zukunftsaussichten für die EU-Klimapolitik

Ottmar Edenhofer, Direktor des PIK und Mitautor der Studie, unterstreicht die Bedeutung dieser Zertifikate als flexible Lösung auf dem Weg zur Klimaneutralität. Er empfiehlt deren ernsthafte Erwägung durch die Europäische Union als Mittel zur Finanzierung netto-negativer Emissionen nach 2050.

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