Die Weidepflicht für Ökobetriebe steht erneut im Zentrum der Diskussionen, insbesondere angesichts der aktuellen Entwicklungen in der europäischen Agrarpolitik. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen hat auf der Grünen Woche in Berlin klargestellt, dass es keine Ausnahmen oder Erleichterungen bei der EU-Bio-Verordnung geben wird. Damit zerschlagen sich die Hoffnungen vieler betroffener Betriebe, die auf Flexibilität gehofft hatten.
Keine Änderungen durch Brüssel
Hansen, der noch im Sommer 2025 angedeutet hatte, dass es möglicherweise Öffnungen in der Verordnung geben könnte, verweist nun auf die Verantwortung der Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg. Dort sollten strukturelle Lösungen vor Ort entwickelt werden, beispielsweise durch Flächentausch. Konkrete Vorschläge von seiner Seite blieben jedoch aus.
Vorlaufzeit und Fairness
Der Agrarkommissar argumentiert, dass Biobetriebe ausreichend Vorlauf hatten, um sich auf die verschärften Regelungen vorzubereiten. Eine Ungleichbehandlung gegenüber Regionen, die die Weidepflicht bereits umgesetzt haben, müsse vermieden werden. Hansen lehnt Sonderregelungen für einzelne Gebiete ab und betont das Risiko rechtlicher Konflikte bei ungleichen Wettbewerbsbedingungen.
Kritik aus Bayern
Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber unterstützt Hansens Argumentation in Bezug auf die Fairness, kritisiert jedoch die Kommunikationsstrategie der EU-Kommission. Die Signale aus Brüssel hätten bei vielen Betrieben falsche Hoffnungen geweckt. Kaniber hebt hervor, dass Bayern bereits 316 Betriebe im Ökolandbau verloren habe und plädiert für Bestandsschutz oder Härtefallregelungen – Vorschläge, die von der EU bislang abgelehnt wurden.
Verbrauchererwartungen an Bio-Produkte
Sowohl Hansen als auch Kaniber stimmen darin überein, dass Verbraucher klare Erwartungen an Bio-Produkte haben. Laut Hansen sei der Mehrwert von Bio nicht nur der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger, sondern auch das Tierwohl müsse im Fokus stehen. Kaniber betont ebenfalls die Bedeutung dieses Aspekts und erinnert daran, dass es früher selbstverständlich war, Biomilchkühe auf Weiden zu sehen.
Die Debatte um die Weidepflicht mag zwar politisch bald beendet sein, doch ihre Auswirkungen werden den Ökolandbau weiterhin beschäftigen. Die Frage nach praktikablen Lösungen bleibt offen und fordert weiterhin Engagement von allen Beteiligten.
