Die deutsche Sauenhaltung steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Laut der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) sind Investitionen von rund vier Milliarden Euro notwendig, um die Ställe an neue gesetzliche Anforderungen anzupassen. Diese finanziellen Herausforderungen bringen viele Betriebe an ihre Grenzen und führen zu einer Neubewertung ihrer Zukunftsaussichten.
Spannungsfeld zwischen Umbau und Ausstieg
Eine aktuelle Umfrage unter 244 großen Sauenhaltungsbetrieben, die zusammen knapp 100.000 Sauen betreuen, zeigt ein gemischtes Bild. Während eine signifikante Anzahl der Betriebe weiterhin auf das Bundesprogramm Umbau Tierhaltung (BUT) setzt, wächst auch die Gruppe jener, die das Handtuch werfen möchte. So planen etwa 41 Prozent der Befragten den Umbau ihres Deckzentrums bis 2029, während 44 Prozent noch unentschlossen sind. Ein weiteres 15 Prozent der Betriebe hat bereits beschlossen, aus der Sauenhaltung auszusteigen.
Abferkelställe als größte Herausforderung
Besonders kritisch ist die Situation bei den Abferkelställen. Nur etwa ein Fünftel der Betriebe hat hier mit dem Umbau begonnen. Für rund 30 Prozent bleibt die Zukunft unklar, und beinahe die Hälfte könnte aussteigen, wenn es um diesen Teil der Investitionen geht. Eine große Zahl von Betrieben hat bisher keine konkreten Pläne entwickelt, was den Fortbestand der Sauenhaltung weiter infrage stellt.
Bedeutung und Probleme der Förderung
Trotz dieser Herausforderungen bleibt das Bundesprogramm Umbau Tierhaltung für viele Landwirte zentral. Etwa 31 Prozent planen ihre Investitionen ohne Fördermittel, während 24 Prozent versuchen, diese noch fristgerecht zu beantragen. Allerdings sehen viele keine realistische Chance mehr, dies binnen der Frist zu schaffen — nur rund sechs Prozent haben bereits eine Förderung erhalten oder beantragt.
Finanzielle Belastungen für die Branche
Die Kosten für den notwendigen Umbau sind immens: Der ISN zufolge belaufen sich die Ausgaben auf durchschnittlich 696 Euro je Sauenplatz im Deckzentrum und 3.157 Euro im Abferkelbereich. Insgesamt ergibt sich daraus ein Investitionsbedarf von über vier Milliarden Euro für die gesamte deutsche Sauenhaltung.
Druck auf Politik und Branche
Laut Torsten Staack, Geschäftsführer der ISN, wird ohne ausreichende Förderprogramme und Bestandsschutz für bestehende Ställe eine dramatische Ausstiegswelle in der Ferkelerzeugung befürchtet. Er fordert Bund und Länder auf, gemeinsam rasche Lösungen zu entwickeln, um den Fortbestand vieler Betriebe zu sichern.
