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Growth Alliance: Zukunft der Landwirtschaft diskutiert

Über 200 Vordenker der Agrarbranche versammelten sich letzte Woche beim Growth Alliance Networking Summit der Rentenbank, um über die Zukunft der Landwirtschaft zu diskutieren. top agrar war vor Ort und berichtet von den wichtigsten Themen und Debatten.

Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Landwirtschaftlichen Rentenbank, eröffnete den Summit mit einem Appell, sich nicht an Vergangenem festzuhalten. „Wir dürfen nicht so an dem kleben, was gestern war“, betonte sie. In Frankfurt kamen Landwirte, Start-ups, Politiker, Wissenschaftler und Unternehmen zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen im Agrar-, AgTech- und AgriFood-Bereich auszutauschen. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Landwirtschaftlichen Rentenbank und dem Innovationszentrum TechQuartier organisiert.

Maja Mogwitz, Landwirtin und Podcasterin („Jung&Landwirtin“), moderierte die Veranstaltung. Im Mittelpunkt standen Themen wie pflanzliche Proteine, und die praktische Umsetzung von Innovationen.

Dr. Christian Trgo von der Bauer Gruppe eröffnete die Reihe der Vorträge. Er sprach über den Wandel in der Molkereiindustrie hin zu pflanzenbasierten Produkten. Über 10 % des Umsatzes der Bauer Gruppe, die im letzten Jahr 820 Mio. Euro erwirtschaftete, stammen inzwischen aus Pflanzendrinks. Trgo ist überzeugt, dass der Anteil pflanzlicher Produkte weiter steigen wird, während Milchprodukte an Bedeutung verlieren.

Eine große Herausforderung sieht Trgo in der Beschaffung und Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe. Während Kuhmilch von lokalen Landwirten stammt, kommen pflanzliche Produkte meist als vorverarbeitete Isolate, Pasten oder Konzentrate von Rohstoffhändlern. Die erforderlichen Verarbeitungsschritte sind für Molkereien neu und die notwendige Technik oft noch nicht vorhanden. Zudem handelt es sich häufig um Importware.

Geschmack und Preis sind für die Konsumenten entscheidend, erklärt Trgo. „Die preisliche Benchmark sind die Milchprodukte.“ Ein Beispiel hierfür ist Lidl, dessen veganer Produktabsatz nach Einführung der Preisparität um 30 % stieg. Einzig Hafermilch kann aktuell preislich mit Kuhmilch mithalten.

Ein weiteres Problem stellt der geringere Proteingehalt von Hafer, Mandeln und anderen pflanzlichen Rohstoffen dar. Milchprodukte sind eine wichtige Proteinquelle, doch die wichtigsten Pflanzendrinks können hier nicht mithalten. Trgo sieht in Leguminosen wie Soja, Ackerbohne und Erbse die Zukunft der pflanzlichen Eiweißlieferanten.

In der anschließenden Paneldiskussion wurde das Thema pflanzliches Protein weiter vertieft. Landwirt Leonard van Uelft berichtete von seinen Erfahrungen im Kichererbsenanbau und wies auf die Unsicherheit der Landwirte hin. „Wir brauchen verlässlichere Signale zu der gewünschten Qualität und den richtigen Sorten.“ Kristal Golan von der BayWa betonte, dass die Züchtung von Leguminosen erst seit wenigen Jahren wieder an Fahrt aufnimmt, was den Prozess verlangsamt.

Van Uelft ergänzte, dass Eiweiß eine geringe pro bieten und der Markt entscheidend ist. Linda Homann von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) kündigte daraufhin an, die Förderung pflanzlicher Proteine weiter auszubauen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Summits war die Förderung der Biodiversität in der Landwirtschaft. Das Start-up Artenglück stellte ein Konzept vor, bei dem Landwirte durch Unternehmen finanziell unterstützt werden, um Blühfelder anzulegen, Feldvögel zu schützen oder Wälder aufzuforsten. Gründerin Lara Boye sprach von „Naturschutz als Serviceleistung“. Landwirte erhalten Saatgut und eine Flächenpacht, während das Monitoring von Artenglück übernommen wird. Bereits 60 Landwirte und 100 Projekte auf einer Fläche von rund 100 Fußballfeldern sind Teil dieses Modells.

Auch in der konventionellen Landwirtschaft gibt es Bemühungen zur Erhaltung der , wie das F.R.A.N.Z Projekt zeigt. Jürgen Maurer, Betriebsleiter aus Hohenlohe, berichtete über die Naturschutzmaßnahmen, die auf seinem Betrieb getestet werden. Das von der Rentenbank finanzierte Projekt läuft seit acht Jahren und soll über zehn Jahre hinaus die besten Methoden für die Integration von Naturschutz in konventionelle Betriebe entwickeln.

Hintergrund: Die Growth Alliance ist eine Initiative der Landwirtschaftlichen Rentenbank und des TechQuartiers im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Sie unterstützt Gründer von der Ideenfindung bis zur Skalierung bei der Entwicklung nachhaltiger Lösungen für die Land- und Ernährungswirtschaft.