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Er bangt um die Hörner seiner Ziegen

  • Auf die 100000er-Kuh Wiero Julia ist Ferdinand Bergmann besonders stolz. – Christian Zufferey

Ferdinand Bergmann lebt von seinen Milchkühen. Besonders ans Herz gewachsen sind ihm jedoch seine Pfauenziegen. Doch wegen einer Gesetzesvorlage könnte es sein, dass die Geissen ihre Hörner verlieren werden. 

Als Ferdinand Bergmann von den Berner Ziegenzüchtern zum Experten gewählt wurde, waren viele überrascht. Sogar er selbst.

Pfauenziegen sind speziell

Er erinnert sich: «Ich habe den Expertenkurs vor allem besucht, um dabei etwas für mich zu lernen. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass ich als Pfauenziegen-Züchter gewählt werden würde, zumal der Kanton Bern bereits einen Randrassen-Experten hat.» Daneben amtet er im Kanton Bern auch als Schaurichter für Braunvieh.

An den Pfauenziegen gefällt ihm nebst ihrem Charakter die spezielle Zeichnung, was sie zu der am schwierigsten zu züchtenden Rasse macht. «Vor allem, wenn man ausser auf Farbflecken am richtigen Ort auch noch auf Milchleistung, Euter und Fundament achten will», wie Bergmann betont, der seit einem Jahr auch als Präsident der Berner Pfauenziegen-Züchter amtiert. Wiederum eine Herausforderung, weil er einer Zuchtgenossenschaft vorsteht, deren Mitglieder über den ganzen Kanton verstreut leben.

Bergzone 4

Er gehört selbst zu denen, die viele Kilometer zurücklegen müssen, um ihre Tiere zum Schauplatz nach Konolfingen BE zu bringen, wo sie einmal jährlich beurteilt werden. Bergmann lebt abgelegen im kleinen Bergdorf ändschen, das politisch zur Gemeinde Saanen BE gehört und im Winter nur über den Jaunpass und über den Kanton Freiburg erreichbar ist.

In ändschen lebt er zusammen mit seiner Familie seit 23 Jahren. Damals ist er vom oberen Simmental aus hergezogen, um einen eigenen Betrieb zu pachten – genau genommen aus dem Färmeltal bei St.Stephan, aus «einem ähnlich abgelegenen Seitental des Simmentals», wie Bergmann sich ausdrückt. Heute gehören 17 Hektaren ihm, und er bewirtschaftet rund 30 Hektaren schaftliche Nutzfläche in der Bergzone 4, wobei er sehr viele steile Flächen nutzt, wo man häufig nur von Hand arbeiten kann.

100’000 Kilo ohne Silage

Eingestallt sind 13 Milchziegen. Wenngleich ihm diese Tiere besonders ans Herz gewachsen sind, lebt er überwiegend von seinen Milchkühen. Gegenwärtig hält er 25 Milchkühe, zwei Drittel davon sind Braunvieh. Besonders stolz ist er auf seine braune Kuh Wiero Julia, die im Oktober 2004 geboren wurde. «Obschon sie jeden Sommer auf der Alp war und kein Silo-Futter bekommt, hat sie vor einem Jahr die 100000-Kilo-Marke überschritten», freut er sich.

Im letzten Oktober brachte sie ein weiteres Kuhkalb zur Welt. Die Alp oberhalb Lenk, wo er seine Kühe sömmert, wird von seinem ältesten Sohn bewirtschaftet, der sich zum hat ausbilden lassen, ebenso wie seine ältere Tochter und sein jüngerer Sohn, der sich aber noch in der Lehre befindet. Die jüngste Tochter ist noch schulpflichtig, und muss zum Schulbesuch täglich über den Jaunpass nach Boltigen fahren.

Alle Tiere tragen Hörner

Eine unverzichtbare Hilfe ist ihm seine Frau, sie arbeitet auf dem Betrieb mit. Alle seine Tiere tragen Hörner. Er ist davon überzeugt, dass Kühen, vor allem aber Pfauenziegen, etwas Wesentliches fehlt, wenn man ihnen die Hörner abnimmt. Womit er aber mit der Anbindehaltung in Konflikt kommt, die für ihn aber eigentlich die jahrhundertelang üblichste Haltungsform ist, die man kennt.

«Pfauenziegen, die als sehr dominant bekannt sind, können nur enthornt in einem Laufstall gehalten werden», erklärt er. «Ein allfälliges Enthornungsverbot und Laufstall-Pflicht lassen sich nicht miteinander vereinbaren», ist er überzeugt, weshalb er sich frühzeitig dagegen zur Wehr setzen will. 

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Quelle: schweizerbauer.ch