Anzeige
 

Zuckerbranche fürchtet Kürzung

  • Der Einzelkulturbeitrag soll noch unter die Marke von 2018 sinken, meint die Mehrheit der WAK-N. – Heinz Röthlisberger

Ein Entscheid sorgt in der Zuckerbranche für Kopfschütteln: Die Wirtschaftskommission des Nationalrates will den Einzelkulturbeitrag nach Produktionsweise splitten. Für konventionelle Rüben würde dies einen Rückgang von 600 Franken pro Hektare bedeuten. Bio-Bauern erhielten 100 Franken mehr als bisher.

Die Zuckerbranche in der Schweiz leidet seit Jahren unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Pflanzenkrankheiten brachten vergangenes Jahr weitere Probleme mit sich. Und jetzt schlägt die Mehrheit der Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK-N) vor, den Einzelkulturbeitrag für Zuckerrüben nach Produktionsweise zu splitten.

Massiver Flächenverlust befürchtet

Konventionelle Rübenbauern sollen künftig noch 1500 Franken pro Hektare Zuckerrüben erhalten. Das sind 600 Franken weniger als bisher und damit ein herber Schlag für eine Branche, für welche die Anbaubereitschaft der Bauern bereits eine Herausforderung ist.

Der Schweizerische Verband der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) fürchtet bei einer Kürzung des EKB noch unter das Niveau von 2018 – damals lag er bei 1800 Franken – einen nicht absehbaren, massiven Flächenverlust und Fabrikschliessungen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass das Bundesamt für (BLW) im vergangenen Jahr keine Notfallzulassung für ein systemisches Saagut-Beizmittel erteilt hat – mit aktuell noch nicht absehbaren Folgen für das kommende Anbaujahr.

Der Verband fordert den Nationalrat dazu auf, den Minderheitsantrag zu unterstützen. Die Kommissionsminderheit will den aktuellen Betrag von 2100 Franken pro Hektare und Jahr beibehalten und für Bio- sowie IP-Zuckerrüben einen Zuschlag von 200 Franken einführen.

Der Einzelkulturbeitrag

Die Einzelkulturbeiträge (EKB) sind eine Marktstützungsmassnahme des Bundes. Sie sollen den Anbau von bestimmten Kulturen fördern und eine sinnvolle Bereicherung der Fruchtfolge unterstützen. Eine Unterscheidung je nach Produktionsweise gibt es bisher bei keiner unterstützten Kultur. Der EKB für Zuckerrüben ist auf Anfang 2019 befristet bis 2021 von 1800 auf 2100 Franken pro Hektare erhöht worden. Dies als Teil eines Hilfspaketes für die Zuckerwirtschaft.

Schweizer Zucker warnt vor Fabrikschliessung

Wird der Mehrheitsvorschlag umgesetzt, dürfte dies zur grossflächigen Aufgabe der Zuckerproduktion in der Schweiz führen, meint auch die Schweizer Zucker AG. Diese betreibt in Aarberg BE und Frauenfeld TG die beiden einzigen Schweizer Zuckerfabriken. Weniger Geld für den Rübenanbau bedeutet weniger Pflanzer und damit weniger Rüben für die Fabriken. Diese kämpfen wegen sinkender Flächen bereits mit der Auslastung.

Die Reduktion auf eine Fabrik ist aber keine Option, da so gemäss einer unabhängigen Studie keine rentable Produktion mehr möglich wäre. Die SZU warnt deshalb, dass bei einer Schliessung 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 30 Lernende entlassen werden müssten. Sie weist zudem daraufhin, dass dadurch künftig sämtlicher Zucker in die Schweiz importiert werden müsste. Zucker, der weniger nachhaltig als Schweizer Zucker sei.

Nur noch eine Zuckerfabrik? Das ist für die Branche aus wirtschaftlichen Gründen keine Option
Jonas Ingold

SBV: «Gesamte Zuckerindustrie in Frage gestellt»

Auch der Schweizer Bauernverband (SBV) zeigt sich vom Entscheid sehr enttäuscht. «Die Zuckerrübenflächen sinken sowieso schon stark. Sprich die reichen bereits aktuell nicht, um die tiefen Produzentenpreise sowie das gestiegene Produktionsrisiko aufgrund weggefallener Pflanzenschutzmittel auszugleichen», erklärt Mediensprecherin Sandra Helfenstein.

Damit werde zudem die gesamte Zuckerindustrie mit den beiden Fabriken in Frage gestellt und wenn die Verarbeitungskapazität mal weg sei, komme sie nicht wieder. «Der Mehrheitsantrag schwächt die ÖLN-Produktion ohne die IP-Suisse und die Bio-Produktion in ausreichendem Masse zu fördern», sagt Helfenstein.

Prämie für IPS-Rüben erhöht

Der Mehrheitsantrag der WAK-N will gleichzeitig mit der Kürzung des EKB für konventionelle Rüben die IP- und Bio-Produktion mit Zuschlägen unterstützen. Für ohne Fungizide und Insektizide angebaute Zuckerrüben – das entspricht einem Teil der IP-Suisse-Richtlinien – soll es 500 Franken mehr pro Hektar geben, der EKB läge damit bei 2000 Franken. 2021 wird der Anbau von IP-Zuckerrüben deutlich von 1200 auf 3000 Hektaren gesteigert.

Das sind beinahe 20 Prozent der gesamten Anbaufläche. Um der erhöhten Nachfrage nachzukommen und das Risiko von möglichen Ertragsausfällen besser abzugelten sowie die Attraktivität für den Labelanbau zu stärken, wurde die IP-Suisse-Prämie um 50% auf 60 Franken pro Tonne A-Zucker erhöht.

Die Einzelkulturbeiträge (EKB) sind eine Marktstützungsmassnahme des Bundes. Sie sollen den Anbau von bestimmten Kulturen fördern und eine sinnvolle Bereicherung der Fruchtfolge unterstützen.
lid

100 Franken «nicht matchentscheidend»

Ebenfalls gestiegen ist der Bio-Anbau von Zuckerrüben, wenn auch auf deutlich tieferem Niveau. Die Anbaufläche liegt aktuell bei rund 170 Hektaren. Bio-Rüben sollen gemäss Mehrheitsvorschlag mit einem Zuschlag von 700 Franken gefördert werden. Deren EKB läge damit um 100 Franken über dem aktuell geltenden bei 2200 Franken. Reicht das, um den anspruchsvollen Bio-Anbau zu fördern?

100 Franken mehr EKB seien nicht matchentscheidend, sagt Bio-Suisse-Mediensprecher David Herrmann. Er verweist aber auf die Kommissionsmotion «Förderung des ökologischen Anbaus von Zuckerrüben», die zusätzlich verlangt, den ökologischen Anbau von Zuckerrüben mit geeigneten Massnahmen innerhalb des Direktzahlungssystems zu fördern. Der Vorschlag des Bundesrats, auf dem Verordnungsweg die Prämie auf 2100 Franken zu halten und im Sinn der Kommissionsmotion den ökologischen Anbau mit zu fördern, scheine ein gangbarer Weg zu sein, so Herrmann.

Markt ist entscheidend

Wichtiger sei jedoch der Markt. Bio Suisse ist mit IP-Suisse daran, dass die Anteile von Label-Zuckerrüben in enger Zusammenarbeit mit der Branche und den Abnehmern deutlich erhöht werden können.

«Zentral sind der Abnahmepreis, die Liefer- und Abnahmegarantien und allfällige Nachhaltigkeits-Prämien des Marktes. Und wichtig ist auch die Entwicklung der Bio-Produktionstechnik, insbesondere die Senkung des Arbeitsbedarfs», erklärt Herrmann.

ganzen Artikel lesen ▸

Quelle: schweizerbauer.ch