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Wolf: «Bafu nimmt Bergbevölkerung nicht ernst»

  • Vermutet wird, dass aktuell 80 bis 90 Wölfe in der Schweiz leben. – Marcel Langthim

Der Bund hat ein Abschussgesuch des Kantons Graubünden zur befristeten Regulierung von Wölfen abgelehnt. Für den Bündner Bauernverband ist dieser Entscheid inakzeptabel. Der Verband erwartet ein klares Zeichen gegenüber der Berglandwirtschaft und der Bergbevölkerung.

Im Kanton Graubünden gibt es 6 Wolfsrudel. Nach Schätzungen dürften derzeit über 40 Wölfe den Kanton leben. Die Raubtiere halten sich hauptsächlich in der Surselva und in Mittelbünden auf. Die Konflikte mit Nutztierhaltern nehmen laufend zu.

Angriffe neue «Dimension»

So hat das Beverin-Rudel Tiere angegriffen und getötet. Für das Amt für Jagd und des Kantons Graubünden gaben zwei Ereignisse den Ausschlag für das Abschussgesuch an das Bundesamt für Umwelt (Bafu): einerseits der Riss eines Kalbes auf der Alp Nera am Schamserberg, andererseits die Tötung eines Esels auf der Alp Durnan in Andeer. Diese Angriffe seien eine neue Dimension in der «konfliktbringenden Entwicklung des Wolfsrudels am Beverin», teilte das Amt mit.

Der Kanton weist im Bezug auf den negativen Entscheid darauf hin, dass die mit dem Bafu-Entscheid verbundene Einschränkung von Weidegeburten auf der Alp einer langjährigen Praxis im Berggebiet widerspreche.

Kein grosser Schaden

Das Bundesamt für Umwelt lehnte das Gesuch aber ab. Ein gerissener Esel ist laut Bafu noch kein grosser Schaden. Das Amt bezieht sich dabei auf eidgenössische Jagdgesetzgebung. Das gerissene Kalb wird vom Bundesamt als Weidegeburt beurteilt und deshalb zum Zeitpunkt des Wolfsangriffs als ungeschützt angesehen.

Beurteilung falsch

Der Bündner Bauernverband ist über den Entscheid des Bafu verärgert. Dieser sei nicht nachvollziehbar und inakzeptabel. «Die vom Bafu als einhergehende Einschränkung von Abkalbungen auf der Alp widerspricht der landwirtschaftlichen Praxis im Berggebiet vollends», schreibt der Verband in einer Mitteilung.

«Die Beurteilung des gerissenen Kalbes aufgrund seines Alters als ungeschützt anzusehen ist ebenso falsch wie die Beurteilung, ein gerissener Esel stelle keinen grossen Schaden dar», heisst es weiter. Die jetzige Rechtslage sei für diesen Entscheid noch nicht geklärt worden.

Regeln für Abschuss flexibilisieren

Der Verband kritisiert die Bundebehörden scharf. Diese würden die Realitäten und die Anliegen der Bergbevölkerung nicht ernst nehmen. Regulationsmöglichkeit würden ausgehebelt. Der Bündner Bauernverband erwartet von den Behörden nun ein rasches Vorgehen.

So sollen die offenen Fragen sofort geklärt werden. Das Versprechen, die dringlichen Massnahmen zur Regulierung der Wölfe auf Verordnungsebene einzuleiten, sei einzuhalten. Die Regelung zu Abschüssen von problematischen Wölfen soll umgehend flexibilisiert werden. «Die hohen Angriffszahlen auf Nutztiere in geschützten oder schwierigen Räumen kann nicht mehr akzeptiert werden», macht der Verband klar.

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Quelle: schweizerbauer.ch