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Vulkanausbruch: Sorge um Berggorillas im Schutzgebiet

  • Weltweit gibt es der Naturschutzunion IUCN zufolge nur etwas mehr als 1000 Berggorillas. – zvg

Nach dem ersten Schrecken über den jüngsten Ausbruch des Vulkans Nyiragongo setzte bei Andrew Seguya das grosse Aufatmen ein. «Unsere Gorillas sind sicher, aber sie haben die Erdstösse ähnlich wie die Menschen auch gespürt», sagte der Generalsekretär des grenzüberschreitenden Virunga-Schutzgebietes der Deutschen Presse-Agentur.

Dabei ereignete sich die Eruption weit weg im Osten des Nationalparks, der im Dreiländereck von Uganda, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo liegt. Ähnliche Erleichterung gab es auch beim Dian Fossey Gorilla Fund: «Glücklicherweise sind die Gorillas und ihr wichtiges Habitat sicher.»

Die Lavaströme flossen vor allem durch Teile des Schutzgebiets, hatte der Leiter des vulkanologischen Observatoriums der Grenzstadt Goma, Celestin Mahinda, erklärt. Es liegt in einer krisengeplagten Region und gilt als Afrikas artenreichster und ältester Nationalpark. Das Gebiet von der Grösse Schleswig-Holsteins mit seiner Kombination aus Regenwäldern, Savannen und Vulkanen gehört zum Unesco-Weltnaturerbe und ist zudem Heimat der vom Aussterben bedrohten Berggorillas.

Nur noch 1’000 Tiere

In dem weltweit einmaligen Biotop sind nun auch wieder Touristen aus aller Welt unterwegs und bewundern die beeindruckende Flora und Fauna. Auch das Trekking zum Gipfel des aktiven Vulkans gilt dabei als besonderer Höhepunkt. Vier Touristen, die nach dem Ausbruch des Nyiragongo auf dessen Bergspitze zunächst festsassen, wurden von einem Team des Nationalen Instituts für Naturschutz sicher ins Tal begleitet. Sie hatten Glück, dass sich die glühende Lava vor allem an den Bergflanken seinen Weg an die Oberfläche bahnte.

Vor allem Uganda lässt nach einer Lockerung der coronabedingten Einreisebeschränkungen wieder Touristen ins Land. Die Berggorillas sind dabei eine Trumpfkarte. Weltweit gibt es der Naturschutzunion IUCN zufolge nur etwas mehr als 1000 Berggorillas. Sie leben in nur zwei Gebieten Ostafrikas: im Virunga-Massiv und der Region Bwindi-Sarambwe.

Viele Gefahren für die Gorillas

Beim Gorilla-Tourismus bewegt sich Uganda auf einem schmalen Grat: Einerseits braucht Naturschutz Einnahmen durch den Tourismus, andererseits ähnelt das Gorilla-Erbgut dem der Menschen. Um eine Corona-Infizierung der seltenen Tiere zu verhindern, wurden die Ranger des Nationalparks daher angewiesen, gründlichst auf Hygiene-Massnahmen zu achten. Der Mindestabstand zu den Menschenaffen liegt nun bei zehn Metern, Schutzmasken sind Pflicht, Impfungen sind empfohlen. Zudem wird regelmässig der Kot der Tiere von einem Institut in der Hauptstadt Kampala auf mögliche Infektionen untersucht.

«Das geschieht zum Schutz der Gorillas durch Infektionen, die angesichts der aktuellen Pandemie von Menschen übertragen werden», sagt Gladys Kalema von der Tierschutz-Organisation Conservation Through (CTPH). Dabei drohen den Tieren in der politisch instabilen Region nicht nur Vulkan-Eruptionen und Infektionen, sondern auch Rebellen.

Gruppen spalten sich

In der Nähe des Parks sind Menschenrechtlern zufolge innerhalb von drei Jahren mindestens 170 Menschen entführt worden. Die Opfer – viele davon Frauen – seien geschlagen, gefoltert, vergewaltigt und zu Geldzahlungen erpresst worden, berichtete im Vorjahr die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Immer wieder werden auch Ranger und Gorillas getötet.

Zudem hat die Erholung des Menschenaffen-Bestands ein neues Problem aufgeworfen, hiess es im einer im Vorjahr veröffentlichten Studie. Wissenschaftler hatten darin Daten zur Entwicklung einer Berggorilla-Population im Virunga-Massiv aus fünf Jahrzehnten analysiert.

Danach spalteten sich die ursprünglichen Gruppen mehrfach, wenn jüngere Silberrücken – also erwachsene männliche Gorillas – begannen, die älteren Anführer herauszufordern. Aus drei Gruppen im Jahr 2006 seien elf kleinere im selben Gebiet geworden. In andere Gegenden ausweichen könnten neu entstehende Gruppen aber nicht.

Und nun auch noch der Vulkan: Er rumorte auch Tage nach seiner Eruption noch bedrohlich weiter und versetzte Mensch und Tier in Schrecken.

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Quelle: schweizerbauer.ch