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Versäumnisse im Umgang mit Umweltrisiken

  • Sprühflug mit Helikopter im Wallis. – Robert Alder

Ein vom Walliser Finanzinspektorat beauftragter externer Experte weist auf Mängel im Umgang mit Umweltrisiken in der Region Visp im Zusammenhang mit der dritten Rhonekorrektion hin. In seinem Bericht ging er Vorwürfen nach, die der ehemalige Leiter der Dienststelle für Umwelt erhoben hatte.

Als Aufsichtsbehörde hat das kantonale Finanzinspektorat (FI) seit Sommer 2019 verschiedene Elemente im Zusammenhang mit der dritten Rhonekorrektion untersucht, die ihm von Joël Rossier, dem ehemaligen Chef der Walliser Dienststelle für Umwelt, zur Kenntnis gebracht worden waren. Dieser hatte insbesondere Versäumnisse und Verstösse gegen die Umweltgesetzgebung durch die Dienststelle für den Hochwasserschutz der Rhone im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung des Grundwassers unterhalb der Deponie Gamsenried angeprangert.

Um diese Punkte zu klären, wurde ein externer Experte beigezogen. Dieser stellt fest, «dass der vollständigen Interaktion zwischen der Rhone und dem Grundwasser in diesem Gebiet zu wenig Beachtung geschenkt wurde und der Wissensstand auf Projektebene lückenhaft war, insbesondere was die Schadstoffbelastung des Grundwassers anging».

«Sehr sensibles Umfeld»

Der Experte unterstreicht weiter, dass aufgrund der erheblichen Eingriffe durch das Projekt der dritten Rhonekorrektion (R3) und des «sehr sensiblen» Umfelds ein «erhebliches Risikopotenzial» bestanden habe. Es sei daher «verständlich», dass die Dienststelle für Umwelt «sehr weitgehende» Bedingungen gestellt und zusätzliche Daten von der Dienststelle Hochwasserschutz Rhone gefordert habe.

«Die später aufgedeckten Benzidin-Verunreinigungen legitimieren diese Forderungen im Nachhinein noch mehr», kommt der Experte zum Schluss.

Gesetzliche Anforderungen nicht erfüllt

2016 führte ein starker Grundwasseranstieg dazu, dass in der Region Lalden im Bezirk Visp in aller Eile Pumpbrunnen gebaut wurden. Dies geschah ohne Baubewilligung, Entnahme von Grundwasser und Ableitung in die Rhone. Diese «erfüllten die gesetzlichen Anforderungen nicht», so der Experte.

Dem Bericht zufolge ist die Frage der Rechtmässigkeit «noch weniger klar ab dem Zeitpunkt, an dem man feststellt», dass das eingeleitete Wasser im Juni 2016 erstmals «erhebliche Verschmutzungen aufweist»: «Man wusste also zu diesem Zeitpunkt, dass das verschmutzte Wasser entgegen den in der Genehmigung der Dienststelle für Umwelt festgelegten Bedingungen in die Rhone eingeleitet worden war».

Laut dem Experten nahm das Projekt R3 somit potenziell umweltschädliche Einflüsse in Kauf. Dies führte beispielsweise dazu, dass Abwasser, das unter anderem mit Benzidin belastet war, in die Rhone eingeleitet wurde.

Der Experte schliesst seine Analyse mit der Feststellung, dass die Akten generell gezeigt hätten, dass es zumindest bis 2019 trotz der organisatorischen Nähe innerhalb des gleichen Departements keine konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Dienststelle Hochwasserschutz Rhone und der Dienststelle für Umwelt gegeben habe.

Brunnen mit Filtern ausgestattet

Der Walliser Staatsrat hat den Bericht zur Kenntnis genommen und erinnert in einer am Donnerstag verschickten Mitteilung daran, dass mittlerweile «mehrere strukturelle Anpassungen innerhalb des Departements für Mobilität, Raumentwicklung und Umwelt vorgenommen wurden». Ausserdem wurden «alle benzidinhaltigen Brunnen mit Filtern ausgestattet, die bei Bedarf auch auf anderen R3-Baustellen eingesetzt werden können».

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Quelle: schweizerbauer.ch