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Teurere Lebensmittel: Warnung vor «Zollbombe»

  • Beim -Referendum vom 23.6.2016 stimmten 51,9 % der Briten für einen Austritt aus der EU, 48,1 % stimmten für den Verbleib in der EU. Bis Ende 2020 gilt Grossbritannien weiter als zum EU-Binnenmarkt und der EU-Zollunion gehörend. – Foto-Rabe

, Spielzeug, Autos: Kaum ein Bereich, den der nicht betrifft. Ein Handelsvertrag mit der EU soll vorsorgen – doch der wird immer weniger wahrscheinlich. Das dürfte schmerzhafte Folgen haben.

Der Handelsverband spricht von einer «Zollbombe», Parlamentarier warnen vor einem «Sturz ins Bodenlose»: Mit Angst und Wut blickt die britische Wirtschaft auf einen möglichen No-Deal-.

48 Prozent mehr für Rindshackfleisch

Bis zu diesem Sonntag haben Grossbritannien und die EU Zeit, sich doch noch auf einen Handelspakt für die Zeit ab 2021 zu einigen. Doch angesichts der jüngsten skeptischen Äusserungen von Premierminister Boris Johnson rechnen Wirtschaftsvertreter mehr denn je damit, dass vom 1. Januar an höhere Zölle und andere Handelsbarrieren drohen – mit heftigen Folgen.

48 Prozent mehr für Rindshackfleisch, 16 Prozent auf Gurken, 10 Prozent auf Salat: Mit deutlich höheren Preisen muss etwa der handel rechnen. Durchschnittlich mehr als 20 Prozent höhere Zölle würden auf frische wie und Gemüse aus der EU Zölle fällig, warnte der Handelsverband BRC am Freitag.

80 Prozent der aus der EU

Dass wenige Wochen vor dem Ende der Übergangsphase am 31. Dezember, in der Grossbritannien noch Mitglied der Zollunion und des EU-Binnenmarktes ist, noch immer kein Vertrag existiere, sei «alarmierend», sagte BRC-Experte Andrew Opie.

Derzeit stammen rund 80 Prozent der britischen einfuhren aus der Europäischen Union. Einer Studie der Wohltätigkeitsorganisation Food Foundation zufolge muss eine britische Familie mit vier Prozent Mehrkosten für und Gemüse rechnen, falls die höheren Zölle direkt an die Konsumenten weitergegeben werden. Der Chef des Einzelhandelsriesen Tesco, John Allan, erwartet, dass der durchschnittliche einkauf um rund fünf Prozent teurer werden könnte.

Die Zölle auf Gemüse steigen um rund 20 Prozent.
zvg

Viele Unklarheiten

Beunruhigt sind Experten zudem, dass noch immer nicht klar ist, was Unternehmen künftig beachten müssen für den Handel mit der EU und welche Dokumente nötig sind. «Das ist verrückt», schimpfte die Handelsexpertin Sally Jones vom Beratungsunternehmen EY. Obwohl die Regierung seit Jahren Bescheid wisse, habe sie sich viel zu lange Zeit gelassen.

Entsetzt blicken Logistiker und Verkehrsbranche nach Dover. Vor einem der wichtigsten Häfen am Ärmelkanal stauen sich seit Tagen Lastwagen kilometerweit. Vielerorts verstopfen Container den Platz. Denn viele Unternehmen versuchen, vor Ablauf der -Übergangsphase am 31. Dezember ihre Lagerbestände aufzufüllen – doch es mehren sich Berichte, dass viele Schiffe keine Container aufnehmen, und stattdessen andere Häfen mit lukrativeren Aufträgen anliefen.

Der Spielzeugherstellerverband BTHA warnte bereits, dass Weihnachtsgeschenke für Tausende Kinder in Grossbritannien nicht rechtzeitig ankommen könnten. Der japanische Autobauer Honda stoppte wegen Lieferproblemen die Produktion in seinem Werk in Swindon.

Arbeitsplätze bedroht

Ein ohne Handelsvertrag, aber auch jüngst getroffene Massnahmen der Regierung gefährdeten zudem zahlreiche Jobs, warnen Wirtschaftsvertreter. Der japanische Hersteller Nissan drohte bereits, seine Fabrik in Sunderland mit rund 6000 Beschäftigten rechne sich nicht mehr, falls bei einem No Deal zehn Prozent Zoll auf seine Autoexporte in die EU aufgeschlagen würden.

Und am Freitag forderte der Chef des grössten britischen Flughafens London-Heathrow, John Holland-Kaye, die Regierung müsse die geplante Streichung steuerfreier Einkäufe von internationalen Besuchern zurücknehmen. Allein in Heathrow stünden deshalb 2000 Arbeitsplätze im Feuer.

Arbeitgeber und Gewerkschafen befürchten bei einem  ohne Handelsvertrag einen deutliche Abbau von Jobs.
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Regierung nicht beunruhigt

Gewerkschaften wiederum fürchten, dass Unternehmen wegen der -Unsicherheit Investitionen streichen und Jobs ins Ausland verlagern. «Die arbeitenden Menschen werden dieser Regierung niemals vergeben, wenn wir ohne ein aus der EU herausstürzen, nur weil Minister ihr Recht behalten wollen, Arbeitsrechte anzugreifen», sagte Kathleen Walker Shaw von der Gewerkschaft GMB.

Und die Regierung selbst? Kultur-, Sport und Medienminister Oliver Dowden betonte am Freitag, würden höchstens um 2 Prozent steigen – und auch die EU werde höhere Preise zu spüren bekommen. Aussenminister Dominic Raab hatte sich ebenfalls «nicht beunruhigt» gezeigt.

Um die Lastwagen-Staus zu entzerren, lockerte die Regierung die Arbeitszeiten für Lkw-Fahrer. Selbstvertrauen zeigte auch die Zentralbank. So könne es zwar zu Störungen bei Finanzdienstleistungen kommen, räumte sie ein. Doch Notenbankchef Andrew Bailey betonte: «Wir können sehr viele Massnahmen ergreifen, und wenn es möglich ist, werden wir sie ergreifen.»

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Quelle: schweizerbauer.ch