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«Nur drei Rappen sind inakzeptabel»

  • Blühstreifen fördern die natürliche Schädlingsregulierung in anlagen – FiBL

Der bau soll nachhaltiger werden – der verband arbeitet an einer Branchenlösung. Das geht der Migros zu langsam.

Die Migros lanciert ein neues Nachhaltigkeitsprogramm für den konventionellen Kernanbau. Einerseits soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich reduziert werden, und bestimmte Spritzmittel sollten ganz verboten werden.

Andererseits soll die Biodiversität in den anlagen aktiv erhöht werden. Das schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung von letzter Woche.

Migros prescht vor

Die Migros verlangt neu Massnahmen wie Nistkästen, Blütenreihen in den Fahrgassen oder Steinhaufen. Und schliesslich soll die Bodenqualität mit Breitstreifen oder mit dem Einbringen von Kompost verbessert werden. Das neue Programm funktioniere analog einem Baukastensystem: Die Produzenten könnten die für ihren am besten geeigneten Massnahmen selbst wählen, schreibt die Migros.

In jedem Fall müsse in den jeweiligen Kategorien aber eine Mindestpunktzahl erreicht werden. An Produzenten, welche die Anforderungen erfüllten, zahle die Migros einen zusätzlichen Beitrag von 3 Rappen pro Kilo Äpfel und Birnen.

verband irritiert

An der Delegiertenversammlung des er verbandes (SOV) im April sagte Direkor Jimmy Mariéthoz, dass der verband an einer nationalen Branchenlösung für eine nachhaltigere er produktion arbeite (siehe Kasten). Eine nationale Lösung werde auch deshalb angestrebt, da es rund um die Nachhaltigkeit etliche verschiedene Konzepte, Labels, Projekte, Richtlinien und Weisungen gebe.

Wie beurteilt der verband das neue Nachhaltigkeitsprogramm der Migros? Der «er Bauer» hat nachgefragt. «Der SOV ist irritiert über die Kommunikation des Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) zu seinem eigenen Nachhaltigkeitsprogramm. Der MGB ist in der Arbeitsgruppe vertreten und hat die Möglichkeit, seine Forderungen in diesem Gremium einzubringen», hält eine Sprecherin fest.

Mehraufwand bezahlen

Individuelle Lösungen mit einzelnen Handelsvertretern lehnt der SOV indes ab. «Unterschiedliche Anforderungen einzelner Anbieter führen zu grossem Aufwand und erheblichen Mehrkosten seitens der Produktion. Die Fokussierung des MGB einzig auf Kern ist zudem nicht zielgerichtet», lautet die Antwort einer Mediensprecherin.

Weiter bringe eine nachhaltigere Produktion Mehraufwände mit sich, und diese sollten angemessen entschädigt werden. Allein schon der Herbizidverzicht im Kern führt laut dem SOV zu Mehrkosten von 7 Mio. Fr. pro Jahr, die Low-Input-Strategie zu jährlichen Mehrkosten von 11 Mio. Fr. Vor diesem Hintergrund seien die von der Migros kommunizierten drei Rappen für die Produktion nicht akzeptierbar, heisst es.

Nationale Lösung

Im Februar trafen sich Vertreter von Handel und Produktion an einem runden Tisch mit dem Ziel, eine nationale Branchenlösung für einen nachhaltigeren - und Beerenanbau in der zu erarbeiten. Die Branchenlösung solle für alle Marktteilnehmer gelten und verhindern, dass die Abnehmer eine Vielzahl von unterschiedlichen Anforderungen an die Produktion stellten, so der SOV. Es wurde eine paritätisch zusammengesetzte Arbeitsgruppe «Nachhaltigkeit Früchte» gegründet, die ihre Tätigkeit bereits aufgenommen hat. bki

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Quelle: erbauer.ch