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Milchverarbeiter: Energiemangel macht Sorgen

  • Emmi würde ein mangel stark treffen. – Adrian Haldimann

Die Lebensmittelindustrie steht unter Druck: Nebst steigenden Rohstoffpreisen und einer drohenden neuen Pandemiewelle im Winter droht eine - und knappheit im Winter. Die Unternehmen wappnen sich für verschiedene Szenarien.

«Am stärksten gefährdet sind Unternehmen, in denen die Produkte kühl gelagert werden müssen und die Kühlkette strikt eingehalten werden muss», erklärt Lorenz Hirt, Geschäftsführer der Föderation der erischen -Industrien (Fial), gegenüber AWP.

Auswirkungen erheblich

Darüber hinaus gibt es Produktionsstätten, in denen selbst ein nur wenige Sekunden dauernder ausfall dazu führt, dass der der Anlage komplett eingestellt werden muss, um sie zu reinigen und die notwendigen Kontrollen durchzuführen.

«Solche Prozesse können einen halben Tag oder sogar noch länger dauern, wenn es sich um eine komplette Fabrik handelt», erklärt der Experte. Selbst im Falle eines kurzen Energieausfalls wären die Auswirkungen laut Hirt für die betroffenen Unternehmen erheblich.

Emmi: Schnelle Umstellung schwierig

Eine solche Firma, die stark auf intakte Kühlketten und Erhitzungsprozesse angewiesen ist, ist der Innerer verarbeiter Emmi. Emmi benötigt für die Herstellung fast aller Produkte, wie eine Sprecherin erklärt. Ein Ausfall des es hätte aber aber auch Auswirkungen, die über den eigenen hinausgehen – etwa auf die Bauern. Denn Emmi könnte dadurch weniger annehmen und verarbeiten.

Der Gesamtenergieverbrauch von Emmi liegt laut der Sprecherin bei rund 840’700 Megawattstunden. Davon wird etwa die Hälfte mit bestritten. Falls dieses nicht ausreichen würde, müsste der Brennstoff in den Heizkesseln nach Möglichkeit durch Heizöl oder Flüssig ersetzt werden, die Anlage verlangsamt oder sogar ganz stillgelegt werden.

Doch solche kurzfristigen Umstellungen sind laut der Sprecherin wegen der fehlenden technischen Infrastruktur «zumeist nicht realisierbar». Denn die weniger nachhaltigen Öl- und Kohledampfkessel wurden in den letzten Jahren sukzessive durch ersetzt.

Hochdorf: Bei wirds kompliziert

Auch beim Hersteller von Babynahrung Hochdorf ist man stark auf die Verfügbarkeit von angewiesen: «Unsere Verfahren zur Herstellung von Pulvernahrung aus oder alternativen beinhalten Temperaturen von über 200 Grad, die aus Gründen der Produktqualität und -sicherheit nicht reduziert werden können», sagt eine Sprecherin des Unternehmens.

Im Falle einer Energierationierung habe die Firma zwar Möglichkeiten, übergangsweise das durch Alternativen zu erstetzen. «Bei wird es jedoch komplizierter, da wir ihn entlang unserer gesamten Produktionskette benötigen», erklärte die Sprecherin. Je nach Szenario hätte das Unternehmen dann Kapazitätsengpässe oder Produktionsunterbrechungen und könnte so weniger Baby und pulver produzieren.

Nestlé: Für Ausfall gewappnet

In ganz anderen Dimensionen bewegt sich der Branchenprimus Nestlé, der im Jahr 2020 gemäss einem Sprecher weltweit rund 11,5 Millionen Megawattstunden verbraucht hat. Dieses werde primär zur Erzeugung von Dampf und Wärme und zu einem gewissen Anteil auch für die erzeugung genutzt.

Doch im Falle eines Ausfalls sei man gewappnet, erklärt der Sprecher. «Es bestehen Notfallpläne, um Lieferengpässe zu überwinden. Das gilt auch für Deutschland, wo wir 11 Werke haben.»

Vorrang für Lebensmittelsektor gefordert

Nebst der Entwicklung von Notfallplänen und Szenarien setzt Emmi auch auf die politische Arbeit. Man habe eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet, zu deren Zielen es gehöre zu klären, ob wichtige Akteure der Lebensmittelbranche im Falle eines Engpasses in Europa einen vorrangigen Zugang zu erhalten könnten, sagte der Sprecher.

Der Verband Fial plädiert dafür, dass der Lebensmittelsektor bei der Energieversorgung Vorrang haben sollte. Wenn es darum geht zu entscheiden, ob man Unterschiede machen sollte, jenachdem welche Produkte mehr oder weniger essenziell sind, hält sich Verbandschef Hirt jedoch zurück.

«Wichtig ist, dass die Regale der Detailhändler gut gefüllt sind», so Hirt. So verhindert man den negativen psychologischen Effekt auf das Einkaufsverhalten – also das Hamstern von Waren, das zu Knappheit führen kann, wo es gar nicht nötig wäre. Das hat die Bevölkerung etwa am Beispiel von WC-Papier während der Coronapandemie erlebt.

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Quelle: erbauer.ch