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Kamerun: Wie Milchbauern Krise «überleben»

  • Ein kamerunischer Erzeuger melkt seine Kuh der Rasse Holstein-Friesian von Hand. – Jennifer Provost

Was hilft Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Kamerun, im Geschäft zu bleiben, wenn die Märkte gestört sind? Ein Forschungsteam der Universität Göttingen (D) hat Faktoren untersucht, die dazu beigetragen haben, dass Milchbauern ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten, obwohl ein Jahr zuvor der lokale eingebrochen war.

Die Forschenden führten Feldstudien in städtischen, stadtnahen und ländlichen Gebieten von Bamenda durch. In dieser Hauptstadt der Region «Nordwest» von Kamerun wurden Milchbäuerinnen und -bauern aus 320 Haushalten interviewt.

Ausbildung stärken

Aus den Ergebnissen der Interviews lässt sich ableiten, dass die fachliche Ausbildung der Produzierenden gestärkt werden sollte, und sich dazu vor allem genossenschaftliche Verbünde eignen würden, die allerdings wirtschaftlich und politisch gestärkt werden müssten.

Zum anderen sollten die Milchviehbetriebe ihre landwirtschaftlichen Aktivitäten verbreitern um mehrere wirtschaftliche Standbeine zu entwickeln. Mit diesen Massnahmen sollten insbesondere auch jüngere Milchbäuerinnen und -bauern im entfernteren städtischen Umland unterstützt werden.

Bauern auf sich alleine gestellt

Eines der Produktionssysteme in Bamenda ist das Ergebnis eines 30-jährigen internationalen Milchentwicklungsprojekts, das Hochleistungskühe (Holstein) mit europäischen Wurzeln an Landwirte spendete. «Das Gebiet von Bamenda bietet hervorragende geoklimatische Bedingungen für die Milchproduktion», erklärt Jennifer Provost, Erstautorin und Doktorandin an der Universität Göttingen. «Die lokale Nachfrage nach Frischmilch ist jedoch gering. Als die einzige Milchverarbeitungsanlage geschlossen wurde, konnte der lokale Markt den Milchüberschuss nicht aufnehmen», fährt sie fort

Hinzu komme, dass das internationale Projekt etwa ein halbes Jahr vor der Schliessung der Anlage endete. «Infolgedessen waren die Milchbauern mit diesen exotischen Kühen, deren Haltung viel Arbeit, Zeit, und Geld erfordert, auf sich allein gestellt», so die Forscherin. Die Kühe lieferten weiterhin grosse Mengen an Milch, aber die Bauern konnten diese nirgendwo verkaufen.

Milch von lokalen Erzeugern, die in wiederverwendbaren Wasser- und Limonadenflaschen auf dem Viehmarkt von Bamenda verkauft wird.
Jennifer Provost

Importe schwächen Bauern

Das Forschungsteam wirft auch die Frage auf, welche Rolle die Milchpulverimporte bei der Schliessung des Verarbeitungsbetriebs gespielt haben. Eva Schlecht, Leiterin der Abteilung für Tierhaltung in den Tropen und Subtropen an der Universität Göttingen, sagt: «Einerseits fördern internationale Organisationen Entwicklungsprogramme für Viehzucht und Milchwirtschaft und preisen deren wirtschaftlichen und ernährungsphysiologischen Nutzen für die Bevölkerung.»

Andererseits würden  internationale Konzerne billige Pulver- und UHT-Milch auf die afrikanischen Milchmärkte exportieren , wodurch die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der lokal produzierten Milchprodukte sinkt. « Letztlich geht dieses Ping-Pong-Spiel zu Lasten der kleinbäuerlichen Bauern», hält Schlecht fest.

Ausbildung kann Verwerfungen abmildern

Bernhard Brümmer, Inhaber des Lehrstuhls für Agrarmarktanalyse an der Universität Göttingen, fasst zusammen: «Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass Marktverwerfungen gut gemeinte Entwicklungshilfe schnell in eine schwierige Situation bringen können. Aber – und das ist die wichtige Botschaft – mit einer adäquaten Ausbildung in funktionierenden Genossenschaften und in Kombination mit einer auf mehreren Standbeinen fussenden Erwerbsstrategie der Betriebe lassen sich diese negativen Auswirkungen abmildern.»

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Quelle: schweizerbauer.ch