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«Ich wollte einfach die acht Zylinder»

  • Der Schlüter Super 2000 TVL und seine Macher: Landmaschinenmechaniker Adrian Schaffer und Adrian Schär, Daniel Zulauf und Besitzer Walter Zulauf. Auf dem Bild fehlt der pensionierte Carrosserie-Spengler Ivo Dakovic. – Daniel Hasler

Seit den 90er-Jahren werden keine neuen Schlüter- mehr gebaut. Die alten Kolosse, die mit ihrer Leistung immer alle überragten, sind heute beliebte Sammlerstücke. Eines davon wurde nun in der Schweiz wiederbelebt.

Beginnen wir die Geschichte ganz vorne. Wir schreiben das Jahr 1977 und finden uns in Freising bei München in Deutschland wieder. Im Monat April läuft einer der bekannten Gross von Anton Schlüter vom Band: ein Super 2000 TVL.

Deutschland und dann Polen

Er hat die bekannten Merkmale seiner Brüder: grosse Kipp-Kabine mit Schiebetüren, grossvolumiger Motor und sonst alle Komponenten, die ein grosser Ackerschlepper zu dieser Zeit braucht. Der Traktor tritt seinen Dienst bei einem Kunden in Deutschland an und landet später in Polen, wo Jahre mit intensiver Arbeitslast folgen.

Völlig abgewirtschaftet geht er irgendwann zurück nach Deutschland – dort findet ihn der heutige Besitzer im Frühjahr 2017 und organisiert den Transport in die Schweiz.

Unzählige Arbeitsstunden

«Eine schöne Jugend, harte Arbeitsjahre und jetzt ein ruhiges Alter hat der Schlüter», meint der neue Besitzer Walter Zulauf. Der Ingenieur hat sich in Deutschland vom Schlüter-Virus anstecken lassen und besitzt bereits einen Super 1500 TVL. Die Stundenzahl des Super 2000 TVL ist nicht bekannt, dürfte aber mehreren Zehntausend liegen und entsprechend war sein Zustand.

Das ruft den Landmaschinenmechaniker Adrian Schaffer auf den Plan. Das Oldtimer-Restaurieren liegt bei Familie Schaffer in den Genen und so nimmt er sich zusammen mit seinem Arbeitgeber, der Herrmann und Zulliger AG in Leimiswil BE, der Sache an.

Herausgeputzt an der Hausaustellung der Firma Herrmann und Zulliger in Leimiswil BE, die den Schlüter restauriert hat.
Lukas Herrmann

Zuerst der Motor

Zuerst ging es an den wichtigsten Bauteil: den Motor. Denn die zentralen Teile wie Block, Kurbel- und Nockenwelle gibt es nicht mehr auf dem Ersatzteil-Markt. Doch auch der Motorschaden konnte Schaffer nicht davon abhalten, den Achtender wenige Monate später zum Laufen zu bringen – notabene nur mit Arbeitseinsätzen zwischen dem normalen Tagesgeschäft.

Viel Erfahrung nötig

«Wir haben jede Schraube ausgebaut und kontrolliert und wenn nötig ersetzt», erklärt Walter Zulauf. «Doch wir hatten nie einen grossen Durchhänger», erzählt er weiter. Es habe viel zu tun gegeben, ca. 2000 Arbeitsstunden, doch das Team konnte mit dem richtigen Anruf alle Teile beschaffen und mit viel Handarbeit auch Teile wieder in Façon bringen. Und das rief Ivo Dakovic auf den Plan.

Der pensionierte Carrosserie-Spengler investierte sehr viel Zeit und seine jahrelange Erfahrung in das Richten der Kabine und die Form aller Blechteile – Mit Erfolg: «Die Kabine kam zu uns in die Werkstatt und die Bolzen der Kippvorrichtung passten haargenau», erzählt Schaffer.

Den Finish mit der Fahrzeugelektrik machte der Sohn des Besitzers Daniel Zulauf. «Jedes Kabel ist neu», erklärt er. Es habe schon Zeit gekostet, den ganzen Kabelbaum neu zu erstellen, aber funktioniere nun eben auch wie neu.

Der zentrale Punkt der Restauration: Der Acht-Zylinder-Reihenmotor.
Adrian Schaffer

Bereits der nächste Bär

Dann kam nach vier Jahren Arbeit der Tag X: der Prüftermin. Wenige Zahlen mussten nachgeliefert werden, doch der Schlüter Super 2000 TVL überzeugte das kritische Auge im Prüfzentrum und ist nun auf den Schweizer Strassen unterwegs.

Der Besitzer Walter Zulauf und die beteiligten Macher strahlen jedenfalls immer, wenn das Gespräch auf den Schlüter zusteuert. Und Zulauf hat in der Tiefgarage der Werkstatt bereits ein neues Projekt: Auch mit einem Bär auf der Haube. Aber kein Schlüter.

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Quelle: schweizerbauer.ch