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Herbstweide: Vorsicht atypische Weidemyopathie

  • Die des Bergahorns sind für Pferde giftig. – Emilian Robert Vicol

Mit dem Herbst kommt das Risiko der atypischen Weidemyopathie zurück. Diese auch atypische Myoglobinurie der Weidepferde oder atypische Weidekrankheit genannte Erkrankung betrifft besonders die Muskeln und ist häufig tödlich. Sie wird von Giftstoffen des in der sehr verbreiteten Bergahorns verursacht.

Die im Zusammenhang mit dem Weidegang unserer Equiden stehende Krankheit tritt auf, wenn das betroffene Tier oder Keimlinge des Bergahorns gefressen hat, denn diese enthalten Giftstoffe, welche die Muskelfunktion beeinträchtigen können.

Der Eschenahorn ist ebenfalls giftig, allerdings kommt er in der deutlich seltener vor als der Bergahorn. Mehrere Symptome führen zur Diagnose dieser Vergiftung, wie Muskelstarre und ein sehr dunkler Farbton des Urins.

Giftstoffe des Bergahorns verantwortlich

Das HGA befindet sich hauptsächlich in den des Bergahorns, auch Schraubenflieger genannt. Pferde können die im Herbst auf der Weide fressen, wenn diese ins Gras fallen. Dieselbe Vergiftung wird im Frühjahr verursacht, wenn die keimen und Jungpflanzen spriessen.

Falls im Herbst oder im Frühjahr Keimlinge gefressen werden, gelangen Giftstoffe in die Leber des Pferdes, stören dort den Fettstoffwechsel und verhindern die für die Energieproduktion erforderliche Oxidation von Fettsäuren. Aus diesem Grund folgt die Zerstörung der Muskeln und das Myoglobin wird über den Urin ausgeschieden.

Es gibt kein Heilmittel gegen dieses Gift und die Sterblichkeitsrate der atypischen Weidemyopathie liegt für Pferde mit klinischen Symptomen bei 74 %. Gemäss einer Studie der Universität Lüttich, liegt die für den Ausbruch der atypischen Weidemyopathie erforderliche Dosis bei 80 gefressenen Schraubenfliegern oder 120 Keimlingen pro Pferd und Tag. Diese Werte variieren allerdings stark je nach Baum und schwanken zudem über das Jahr hinweg. Dennoch ist das Risiko im Herbst besonders hoch, wenn die des Bergahorns auf die Weiden fallen.

Kein Symptom ist zu 100% für die Diagnose der Krankheit typisch

Mehrere klinische Symptome müssen zusammenkommen, um die Erkrankung diagnostizieren zu können, aber keines davon tritt ausschliesslich im Rahmen der atypischen Weidemyopathie auf. Die unter einer durch HGA verursachten Vergiftung leidenden Pferde zeigen häufig Anzeichen für körperliche Schwäche und Muskelsteifheit, können zudem zittern oder eine von der Norm abweichende Atmung aufweisen. Aufgrund des Muskelzerfalls kann sich das Pferd zudem hinlegen und sich extrem müde zeigen.

Weiterhin wird der Urin sehr dunkel, da er das durch die Verschlechterung des Muskelgewebes freigesetzte Myoglobin enthält. Die Schleimhäute um die Augen und am Kiefer können eine dunkelrote Färbung annehmen.

Trotz dieser Symptome wird ein an atypischer Weidemyopathie erkranktes Pferd weiterhin fressen, da sein Zuckerstoffwechsel nicht gestört und die Energieversorgung mit Kohlenhydraten nach wie vor möglich ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass es dem Pferd gut geht. Werden diese Anzeichen beobachtet, so sollte umgehend ein Tierarzt konsultiert werden, denn der Tod erfolgt binnen 72 Stunden bzw. in den meisten Fällen binnen 24 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome.

Bergahorn und der Eschenahorn für Equiden giftig

In der kommen verschiedene Ahornarten vor, die nicht alle den für die atypische Weidemyopathie beim Pferd verantwortlichen Giftstoff enthalten. Der im Jura, Mittelland und den Voralpen häufige Bergahorn (Acer pseudoplatanus) unterscheidet sich vom Feldahorn (Acer campestre) und vom Spitzahorn (Acer platanoides) durch seine grösseren und stark gezähnten Blätter.

Die beiden Propellerflügel der Schraubenflieger sind beim Bergahorn sehr viel enger beieinander als bei den anderen Ahornarten (siehe Bilder). Im Gegensatz zum Bergahorn ist der ebenfalls giftige Eschenahorn keine einheimische Art, dennoch befinden sich einige Exemplare auf er Boden.

Dieser Baum zeichnet sich durch seine der Esche ähnlichen Blätter aus. Andere exotische Ahornarten sind ebenfalls giftig, finden sich jedoch fast ausschliesslich als Zierbäume in privaten Gärten.

Gutes Weidemanagement ist die beste Präventionsmassnahme

Die meisten Fälle von atypischer Weidemyopathie treten auf, wenn die Weide zu stark abgegrast wurde und das Grasangebot nicht mehr ausreicht. Wie auch bei anderen Giftpflanzen sollte man sicherstellen, dass die Pferde immer ausreichend Futter in Form von Gras oder Heu zur Verfügung haben, um das Risiko zu reduzieren, dass oder Keimlinge gefressen werden.

Aus Gründen der Vorsicht wird geraten, die Weidezeit auf Risikoweiden im Frühjahr und im Herbst auf weniger als sechs Stunden pro Tag zu begrenzen und die Pferde im Wechsel auf gesunde Weiden zu stellen. Weitere Vorsichtsmassnahmen wären das Bereitstellen eines Salzsteins und das regelmässige Säubern der Tränken, um zu verhindern, dass sich das HGA im Wasser ausbreitet. Bevor ein Baum gefällt wird, muss vorgängig das zuständige Forstamt kontaktiert werden. 

Fälle melden

 Die Überwachungsgruppe atypische Weidemyopathie (AMAG, Belgien) und das Netzwerk für die epidemiologische Überwachung von Pferdekrankheiten (RESPE, Frankreich) tragen Daten zu Fällen der atypischen Weidemyopathie in Europa zusammen, um die Forschung und die Kenntnisse rund um diese Krankheit zu verbessern.

Pferdebesitzer und Tierärzte sind aufgerufen, Fälle von atypischer Weidemyopathie auf dieser Website zu melden. 

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Quelle: erbauer.ch