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«Fressgitter sind oft zu hoch montiert»

  • Bruno Felder, Kuhsignal-Trainer und Berater bei Mutterkuh Schweiz, rät, den Kälberschlupf dick einzustreuen. – zvg
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Je nach Rasse muss das Fressgitter in der Höhe angepasst werden.
Doris Grossenbacher

Keine abfallende kalte Luft im Kälberschlupf, keine Absätze im Stall und besser Tief- als Hochboxen. Berater Bruno Felder rät, beim Um- oder Neubau von Mutterkuhställen von den Erfahrungen der Berufskollegen zu profitieren.

Nun, da die Mutterkühe und Kälber nach der Weidesaison wieder eingestallt wurden, merken die Betriebsleiter, wo der Stall gut «funktioniert» und wo er optimiert werden könnte. Denn ein Mutterkuhstall muss nicht nur den Kühen, sondern auch den Rindern und Kälbern, oft auch dem Stier passen – nicht zu vergessen dem Tierhalter, der effizient arbeiten will.

Einer, der viel Erfahrung hat mit Mutterkuhställen, ist Bruno Felder aus Ebnet LU. Er ist Kuhsignal-Trainer und Mutterkuhhalter auf einem 11-ha-Betrieb in der Bergzone I mit 13 Grauviehkühen und 20 bis 22 Natura-Veal. Zudem ist er Berater bei Mutterkuh Schweiz und Kontrolleur bei Beef Control. Er hat die Erfahrung gemacht, dass nicht alles, was von Gesetzes wegen genügt, auch optimal ist. «Eine Hochbox mit einer Komfortmatte erfüllt die Vorschriften», nennt er ein Beispiel. «Nach einigen Jahren wird die Matte aber hart und entspricht nicht mehr den Anforderungen der Kühe. Die arbeitsintensivere Tiefbox mit einer Kalk-Stroh Matratze ist da vorzuziehen.» Diese müsse aber täglich bewirtschaftet, also von Kot befreit, ausgeebnet und nötigenfalls nachgestreut werden. «Wichtig ist auch, dass die Boxengrösse der Tiergrösse entspricht. Die Praxis zeigt, dass beispielsweise wandständige Boxen die Vorschriften zwar erfüllen, aber eher zu kurz sind. Hat die Kuh mehr Platz, legt sie sich lieber hin, da sie beim Aufstehen ihren artgerechten Kopfschwung machen kann. Das macht auch wirtschaftlich Sinn, denn eine Kuh, die länger liegt, lebt länger.»

Vor den Boxen ist ideal

Viele Anforderungen erfüllen muss auch der Kälberschlupf. Er soll für Kälber leicht, für Kühe aber nicht zugänglich sein und so gelegen, dass er auch aufgesucht wird. «Bei Neubauten wird der Liegebereich der Kälber meistens vor den Liegeboxen der Kühe platziert, was ideal ist», weiss Bruno Felder. «Bei Umbauten ist oft ein Kompromiss nötig.» Zentral ist für ihn, dass das Klima stimmt, also keine Zugluft, herabfallende oder kalte Luft herrscht und sich keine Schadgase sammeln. Deshalb sollte der Kälberschlupf nicht an der tiefsten Stelle des Stalles liegen. «Bei kalt abstrahlenden Betonmauern kann eine Holzverkleidung viel bewirken», so sein Rat. «Das wichtigste ist aber ein trockener und gut eingestreuter Liegebereich. Gerade in der kalten Jahreszeit bietet eine täglich frische Strohschicht den Kälbern ein gewisses Wärmepolster. Gesunde Kälber danken einem dies immer mit guten Tageszunahmen.»

Natürlich müsse das Stallklima nicht nur im Kälberschlupf stimmen, ergänzt er. «Grosse Temperatur- und Feuchtigkeitsunterschiede vom Innen- zum Aussenbereich sind unbedingt zu vermeiden. Licht und Luft in den Stall bringen kann man schon mit geringem Aufwand, indem man zum Beispiel  die Stallfenster entfernt oder beim Umbau offene Fronten Richtung Süden einplant. Gerade bei Kälbern sind Lungenerkrankungen vorprogrammiert, wenn die Unterschiede zwischen Stall und Aussenbereich zu gross sind.» Ebenso vermeiden solle man Auftritte vor dem Fressgitter und Absätze im Stall allgemein.   Auch empfiehlt es sich, an mindestens zwei Standorten Wasser anzubieten, damit rangniedrige Tiere nicht zu kurz kommen.»

Blanke Stellen warnen

Die Rasse wie auch die Produktionsrichtung – Natura-Veal, Remonten zur Ausmast oder Natura-Beef – würden natürlich die Ausgestaltung des Stalls beeinflussen. «Beispielsweise muss bei einer kleinen Rasse das Fressgitter zwingend tiefer montiert werden. Oft sieht man blanke Stellen am Metall im unteren Bereich des Fressgitters. Diese zeigen, dass das Gitter zu hoch montiert wurde.» Auch die Boxe müsse dem Tier angepasst werden: «Zu kleine Boxen verhindern ein korrektes und langes Liegen. Zu grosse Boxen sind im Gegenzug oft verunreinigt, was der Tierhygiene schadet und Mehrarbeit für den Betriebsleiter bedeutet. Und sollte sich ein Betriebsleiter für eine Produktion mit Zusatzkälbern entscheiden, ist es wichtig, dass auch der Kälberschlupf gross genug ist.»

Ehrliche Antworten

Wenn Mutterkuhhalter mit bestehenden Ställen das Gefühl haben, dass gewisse Bereiche oder Betriebsäufe im Stall nicht ideal sind, rät Bruno Felder ihnen, jemanden beizuziehen, der Erfahrung in Stallbauten und Tierwohl hat: «Oft reichen kleine Veränderungen, um äufe oder das Tierwohl zu verbessern. Die Erfahrung zeigt, dass auch Betriebsleiter, welche ihre Sache sehr gut machen, nach einigen Jahren eine gewisse Betriebsblindheit entwickeln. Es reicht manchmal, wenn sich zwei Betriebsleiter gegenseitig vor Ort austauschen und äufe und Einrichtung kritisch hinterfragen.»

Wer neu bauen will, solle unbedingt von der Erfahrung der Stallbaufirma, aber auch von jener anderer Mutterkuhhalter profitieren: «Vor einem Stallumbau oder Neubau lohnt es sich, bei mehreren Berufskollegen vorbeizuschauen. Sie können eins zu eins aus der Praxis erzählen. Wichtig dabei ist, dass man ehrliche Antworten bekommt und dass auch Punkte, die weniger gut funktionieren, offengelegt werden.» Und nicht zuletzt, so der Kuhsignal-Trainer: «Man muss den Stall auch aus der Sicht der Tiere betrachten.»

Nur 77 Sanktionen

Beef Control führt im Auftrag von Mutterkuh Schweiz Kontrollen durch. Leiterin Meike Wollenberg stellt den Mutterkuhhaltern ein gutes Zeugnis aus: «In der Kontrollkampagne 18/19 gab es nur 77 Sanktionen bei 2317 durchgeführten Kontrollen.» Insgesamt würden rund 4600 Betriebe unter dem Kontrollverfahren stehen. «Die Betriebskontrollen erfolgen grundsätzlich unangemeldet, in den ersten drei Jahren jährlich, anschliessend risikobasiert. Spätestens alle vier Jahre wird jeder Betrieb kontrolliert.» Bei den Sanktionen werden leichte, mittlere und schwere Verstösse unterschieden. Ein Beispiel für einen leichten Verstoss mit automatischer Nachkontrolle sind knappe und feuchte Einstreu oder verbogene Liegeboxenbügel. Als mittlerer Verstoss gilt etwa der Einsatz von Soja bei Mutterkühen und Kälbern im Natura-Beef, was mit einer sechsmonatigen Liefersperre sanktioniert wird. Ein schwerer Verstoss ist beispielsweise ein Täuschungs- oder Betrugsversuch, dies führt zum Ausschluss aus den Markenprogrammen.

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Quelle: schweizerbauer.ch