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Der starke Mann aus dem Wald

  • Der 21-Jährige Oliver Reinhard betreibt seit 2017 Stihl Timbersports. – zvg
  • Dieses Jahr will er von den Junioren zu den Profis aufsteigen und sich in die Liga der Besten hocharbeiten. – zvg

Oliver Reinhard aus Waltalingen ZH will bei Timbersports gross rauskommen. Er will aber auch im Wald arbeiten und den Hof übernehmen, deshalb studiert er Forstwissenschaften und experimentiert mit Nischenkulturen.

«Wir tragen Kettensocken wie einst die Ritter ihre Hemden. Rutscht man mit der Säge ab, werden die Zehen nicht abgeschnitten. Man quetscht oder bricht sie nur.» Oliver Reinhard aus Waltalingen ZH sitzt in der Küche des elterlichen Bauernhauses.

Zusammenspiel aus Kraft und Präzision

Hinter ihm erstreckt sich eine Wiese mit stattlichen Obstbäumen. Ihm sei aber noch nie etwas dergleichen passiert, sagt er. Der 21-Jährige betreibt seit 2017 Stihl Timbersports, unterstützt vom namensgebenden Kettenhersteller. Und er kümmert sich nicht so sehr um die Gefahren, davon erzählt er nur auf Nachfrage. Viel lieber redet er über das Schöne an diesem Sport.

Als Bauernsohn war er schon früh im eigenen Wald unterwegs. Das gefiel ihm so, dass er Forstwart lernte und eben auch in der Freizeit etwas mit Holz machen will. Er ist von diesem Material fasziniert. «Zudem reizt mich das Zusammenspiel aus Kraft und Präzision, die man bei diesem Sport braucht», so der junge Mann.

 2017 holte Oliver Reinhard an den Schweizer Meisterschaften die Silbermedaille.
Julia Spahr

Stark, präzis und schnell

Bei Timbersports gibt es sechs Disziplinen (siehe Kasten), bei denen man sich entweder mit Sägen oder Äxten an Holzstämmen zu schaffen macht. Dabei sollte man nicht nur stark und präzis, sondern auch schnell sein. Reinhard ist die Kombination aus all dem neulich gelungen. Er hat sich als Bester für die Rookie-(Junioren)-Europameisterschaft qualifiziert. Sie findet Ende Juli statt. Schon 2019 war er in München erfolgreich. Am Four Nations Cup. Er wurde Erster unter den Rookies.

2017 holte er an den Schweizer Meisterschaften ausserdem die Silbermedaille. Dieses Jahr will er von den Junioren zu den Profis aufsteigen und sich in die Liga der Besten hocharbeiten. Er trainiert momentan zwei Mal in der Woche. Allein. Er filmt sich und analysiert dann die Videos. Wenn es die Coronaeinschränkungen zulassen, trainiert er auch in seinem Verein, bei den Axemen Ostschweiz. «Dort sind wir übrigens immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern», sagt er und lächelt.

Oliver Reinhard ist fasziniert vom Zusammenhalt der Timber-Gemeinschaft.
zvg

Will Hof übernehmen

Allgemein sei die Szene in der Schweiz nicht so gross, und es verleihe den Wettkämpfen Spannung, wenn sich mehr Leute messen, sagt er. Anders sei es in Neuseeland und Australien, da sei der Sport verbreitet. Reinhard war bereits mehrmals dort und war fasziniert vom Zusammenhalt der Timber-Gemeinschaft. Wie eine Familie sei das. «Ich meldete mich bei einem Wettkampf an. Ich lernte Leute kennen, die mir sofort einen Schlafplatz anboten und mir Arbeit auf Farmen vermittelten», erzählt er.

Bauern kann er nämlich auch. Er ist auf einem Betrieb mit 14 Hektaren aufgewachsen. Bis vor zehn Jahren hatten seine Eltern zudem Milchkühe. Nach anfänglichem Zögern will er später den Betrieb übernehmen. Vielleicht wird er in Teilzeit bauern und im Nebenerwerb als Forstwart arbeiten, das Geschäft dafür hat er bereits aufgezogen. Im Sommer will er zudem ein Studium in Forstwissenschaften an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften beginnen.

Ingwer-Experiment

Trotzdem will er auch als Bauer etwas ausprobieren: «Ich versuche, eine gute Nischenkultur zu finden», sagt er. Gerade hat er 200 selbst gezogene Ingwerpflanzen ausgepflanzt. «Wir werden sehen, ob die im Freiland gedeihen.» Er habe jetzt drei Jahre Zeit, während des Studiums in einem geschützten Rahmen zu experimentieren.

«Dann schauen wir weiter. Sicher ist, dass er weiterhin Timbersports betreibt. Sein Ziel ist es, die Schweiz in der Profiliga bei einer Weltmeisterschaft zu vertreten – und gut abzuschneiden. Nicht nur Holz.

6 Disziplinen

  • Hot Saw: Mit getunten, extrem leistungsstarken Motorsägen müssen von einem waagerecht verankerten Holzblock (Ø 46 cm) innerhalb eines Bereichs von 15 cm drei sogenannte Cookies (Holzscheiben) gesägt werden. 
  • Springboard: Bei dieser Disziplin werden zwei Trittbretter (Springboards) in einen senkrecht verankerten Holzstamm (Log) platziert. Ziel ist es, einen auf der Spitze montierten Holzblock (Ø 27 cm) zu durchschlagen.
  • Single Buck: Mit einer 2-Meter-Handsäge wird eine Holzscheibe von einem horizontal befestigten Block abgesägt. 
  • Underhand Chop: Simuliert wird das Zerteilen eines bereits gefällten Baums. Auf einem horizontal verankerten Block stehend, versuchen die Athleten, durch Axtschläge den im Durchmesser 32 cm dicken Stamm zu durchschlagen. 
  • Stihl Stock Saw: Bei dieser Disziplin arbeiten alle Teilnehmer mit der MS 660, einer handelsüblichen Stihl-Motorsäge. Von dem waagerecht befestigten Holzstamm (Ø 40 cm) werden mit einem Abwärts- und einem Aufwärtsschnitt zwei Cookies abgesägt. Beide Scheiben müssen innerhalb eines markierten Bereichs von 10 cm jeweils komplett an einem Stück geschnitten werden. 
  • Standing Block Chop: Diese Disziplin simuliert das Fällen eines Baums. Ein senkrecht verankerter Holzblock (Ø 30 cm) muss so schnell wie möglich von der Seite mit einer Axt durchschlagen werden. 

Quelle: stihl-timbersports.ch

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Quelle: schweizerbauer.ch