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«Das sind erpresserische Zustände»

  • „Steigen die Preise für Konsumenten, schöpft der Handel diese Marge ab und gibt sie nicht an die Bauern weiter. Zahlen die Konsumenten weniger, trägt das nicht der Handel, sondern der Bauer bekommt entsprechend weniger“, kritisiert die Ministerin. – Kurt Pfister

Schwere Vorwürfe gegen die grossen Handelsketten erhebt die österreichische sministerin Elisabeth Köstinger in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins «profil».

und Lieferanten hätten gegen die Einkäufer der Handelskonzerne keine Chance. „Das sind zum Teil erpresserische Zustände. Wer sich wehrt, wird ausgelistet. Das ist kein fairer Wettbewerb, das sind unfaire Praktiken“, so Köstinger.

Es gebe ein Missverhältnis zwischen Erzeuger- und Konsumentenpreisen. „Steigen die Preise für Konsumenten, schöpft der Handel diese Marge ab und gibt sie nicht an die Bauern weiter. Zahlen die Konsumenten weniger, trägt das nicht der Handel, sondern der Bauer bekommt entsprechend weniger“, kritisiert die Ministerin.

„Der Preiskampf findet jeden einzelnen Tag im Regal statt. Der Handel lockt die Kunden mit billigen Eiern oder billiger Milch. Was die Ketten da verlieren, holen sie sich durch Aufschläge bei anderen Produkten wieder herein“, stellt Köstinger im „profil“ fest. Bei Schleuderpreisen im Handel könnten die Bauern nichts mehr verdienen.

Das Magazin weist in dem Beitrag darauf hin, dass der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) nirgendwo in Europa (mit Ausnahme von Finnland) derart konzentriert sei wie in Österreich. Immerhin beherrschten allein die drei großen Konzerne Rewe, Spar und Hofer 90% des Marktes. Und in kaum einem anderen europäischen Land sei die Dichte an Supermärkten so hoch wie in der Alpenrepublik, so „profil“.

Handel weist Kritik zurück

Naturgemäss anders sehen Handelsvertreter die Situation. Während ein Sprecher von Rewe betont, man habe eigentlich „ein gutes Einvernehmen mit Frau Köstinger“ und es gebe klarerweise „unterschiedliche Interessen und Betrachtungsweisen entlang der Wertschöpfungskette“, reagiert die Spar-Gruppe deutlich schärfer: Die Kritik der Ministerin habe „nichts mit der tatsächlichen Sachlage zu tun“, heißt es gegenüber „profil“.

Die hohe Konzentration im Lebensmittelhandel bringe den Landwirten „keine Nachteile“, wird behauptet, aber der scharfe Wettbewerb beschere den Konsumenten Vorteile in Form günstiger Preise. Einen Zusammenhang zwischen niedrigen Verbraucherpreisen und tiefen Erzeugerpreisen für Landwirte kann man bei Spar offenbar nicht erkennen.

Im Ton verbindlicher zeigt sich Christian Prauchner, Bundesobmann des Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Die Corona-Krise habe gezeigt, „wie gut die Zusammenarbeit zwischen und Lebensmittelhandel in Österreich funktioniert“, sagt er.

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will weist erwartungsgemäß Kritik an der Branche zurück, spricht sich aber gleichzeitig für die Schaffung einer Mediationsstelle aus: Probleme sollten durch eine Ombudsstelle gezielt dort behandelt werden, wo sie stattfinden, erklärt er.

„Bereits kommenden Donnerstag treten alle Letztentscheider der Lebensmittelhändler beim ‚Tag des Handels‘ in Gmunden zusammen. Alle Partner entlang der Wertschöpfungskette wurden eingeladen und haben auch ihr Kommen zugesagt“, so Will. Im Rahmen der überparteilichen Plattform „Lebensmittel. Wertschätzen“ wolle man die Herausforderungen und Wünsche der Beteiligten unter Wahrung der kartellrechtlichen Vorgaben besprechen.

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Quelle: schweizerbauer.ch