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«Biodiversität – eine Mode! – Nein!» 

  • Im Nationalratssaal entwickelte sich diese Woche eine sehr interessante Debatte zur Biodiversität. 

In der Debatte zur Biodiversitätsinitiative im Nationalrat fielen zahlreiche bemerkenswerte Voten. Lesen Sie hier eine Auswahl davon nach. 

Der Nationalrat debattierte am Montag, am Dienstag und am Mittwoch die Biodiversitätsinitiative. Am Mittwoch hat er einem indirekten Gegenvorschlag zugestimmt. Abgelehnt wurde dieser Gegenvorschlag von der SVP und teilweise auch von Mitgliedern der Mitte und der . Die Ratslinke, die Grünliberalen sowie Teile von Mitte und stellten sich dahinter. Das 17%-Flächenziel des Bundesrats ist nicht mehr in der Vorlage, es sollen aber neue nationale Biodiversitätsgebiete geschaffen werden. 

Die besten Zitate aus der Debatte

Bei der Debatte zur Volksinitiative gingen über 50 Mitglieder des Parlaments ans Rednerpult. Es entwickelte sich eine ausserordentlich spannende Debatte mit sehr vielen verschiedenen ekten. Der «Schweizer Bauer» hat die Debatte verfolgt und auf der Basis des Ratsprotokolls die interessanten Teile der Voten herausgesucht. Die Reihenfolge der Voten entspricht fast durchgehend der Reihenfolge im Rat. Der Fokus bei der Auswahl der Zitate lag auf der .

Aebi: «Futter von Ökoflächen kaum brauchbar» 

Andreas Aebi (SVP, BE) ist in Alchenstorf BE. 
zvg

Andreas Aebi (SVP, BE) stellte eine Frage an Ursula Schneider Schüttel (SP, FR): «Sind Sie mit mir einig, dass die der Hauptakteur sein wird, wenn hier wieder etwas neu beschlossen wird? Wir sind zurzeit an Abendberatungen zu Absenkpfaden mit plus 3 Prozent mehr ökologischen Ausgleichsflächen. Und jetzt lädt man möglicherweise der wieder etwas auf. (…)»

Andere Frage von Aebi an Schneider Schüttel: «Sie haben recht, die Biodiversitätsflächen werden vergrössert, und die kann sie immer noch nutzen. Fakt ist aber, dass der Futterertrag ständig zurückgeht, dass das Futter von Biodiversitätsflächen sehr minderwertig ist und sogar giftige Substanzen von Pflanzen drin sind. Am Schluss ist dieses Biodiversitätsfutter kaum mehr brauchbar.»

Aus dem Votum von Andreas Aebi: «Ich komme zum Fazit. Die jungen Bauern sind am Verzweifeln. 3,5 Prozent mehr wurde einfach so beschlossen, plus ein Absenkpfad. Jetzt versuchen wir hier wieder noch weitere Prozente darauf zu schrauben. Wie wollen wir da Ställe planen? Die Baukosten sind 20 Prozent höher als vor zwei Jahren. Wie wollen wir da Güllenlöcher planen, wenn plötzlich 10, 15 Prozent der lichen Nutzfläche fehlen?

Schneider Schüttel (SP, FR): «Geht nicht gegen die »

Ursula Schneider Schüttel (SP, FR) ist Präsidentin von Pro Natura. 
Parlamentsdienste

Ursula Schneider Schüttel (SP, FR): «Ich bin sehr besorgt darüber, wie wenig in den vergangenen Jahren zum Schutz der Biodiversität erreicht wurde. (…) Die Initiative richtet sich gar nicht gegen die , im Gegenteil. Ich habe es in ein paar Zeilen angetönt: Die Biodiversität nützt ja auch der . (…)  Die Schweiz ist das Land mit dem höchsten Anteil an bedrohten Arten. (…) Ich habe den Vorwurf gehört, die Biodiversitäts-Initiative sei gegen die . Das stimmt nicht! Das Ziel ist ein ähnliches: die Überbauung ausserhalb der Bauzone reduzieren, damit die Natur – und die – ihren Platz behält.»

Graber: « einmal mehr geschädigt»

Michael Graber (SVP, VS) ist Rechtsanwalt und Notar. 
key (parlament.ch)

Michael Graber (SVP, VS): «Wir haben es hier mit einer weiteren Initiative aus der links-grünen Ecke zu tun, auf welche die Schweiz nicht gewartet hat. Die Bevölkerung hat zurzeit andere Probleme als eine Biodiversitätskrise, die es so nicht gibt. (…) Das ist kein indirekter Gegenentwurf, sondern bereits eine pfefferscharfe Umsetzung einer Initiative, die noch gar nicht angenommen wurde. (…) Die geschädigten Branchen werden einmal mehr insbesondere die und die Energieproduktion sein. Die wird wertvolle Fruchtfolgeflächen opfern müssen; dies aufgrund des Flächenziels von 17 Prozent Kerngebieten, das der indirekte Gegenvorschlag nun vorsieht.» 

Girod: «Es steht schlecht um die Biodiversität in der Schweiz» 

Bastien Girod (Grüne, ZH) ist Umweltnaturwissenschaftler und im Beirat des Wirtschaftsverbandes Swisscleantech. 
key (parlament.ch)

Bastien Girod (Grüne, ZH): «Es steht schlecht um die Biodiversität in der Schweiz; die Natur ist in der Krise. Ein paar Fakten zum Zustand der Biodiversität in der Schweiz: In der Schweiz kommen etwa 56 000 verschiedene Arten vor. Einige davon kommen nur in der Schweiz vor. Nach heutiger Beurteilung werden 35 Prozent dieser Arten, also ein Drittel, als gefährdet eingestuft. (…) Der Fokus der Kommission ist wirklich nicht auf den Fruchtfolgeflächen. Es steht im Antrag der Mehrheit auch explizit, dass insbesondere die Bereiche der Ernährung und der Energieversorgung berücksichtigt werden sollen.»

Haab: «Neophytenprobleme vor allem auf den Biodiversitätsflächen»

 Martin Haab (SVP, ZH) ist in Mettmenstetten ZH. 
Manuel Fischer

Martin Haab (SVP, ZH) stellte eine Frage an Bastien Girod (Grüne, ZH): «Sie haben die Neophytenproblematik im Zusammenhang mit den Biodiversitätsflächen erwähnt. Gehen Sie mit mir einig, dass wir Neophytenprobleme vor allem auf den Biodiversitätsflächen haben?» 

Aus einem späteren Votum von Haab:  «In wenigen Worten gesagt, verlangt die Biodiversitäts-Initiative zwei Dinge: mehr Flächen und mehr Geld. Wie Sie wissen, sind Flächen in unserem Land Mangelware, vor allem die ackerfähigen Fruchtfolgeflächen, auf denen – gemäss unserem Verfassungsauftrag, wie er in den Artikeln 102, 104 und 104a der Bundesverfassung festgehalten ist – Nahrungsmittel produziert werden. Da die Ausdehnung der Biodiversitätsflächen vor allem auf sland stattfinden soll, muss dies im Wissen um die aktuelle globale Lage in der Nahrungsmittelversorgung geradezu als fahrlässig bezeichnet werden.»

Munz: «Schlechte Zustand der Biodiversität trifft vor allem die »

Martina Munz (SP, SH) ist Ing. Agr. ETH. In den 1980er Jahren arbeitete sie bei der Futtermittelfirma UFA. 
Aissa Tripodi

Martina Munz (SP, SH): Früher musste man nach einer Autofahrt oft die Windschutzscheibe putzen, weil sie mit toten Insekten übersät war. Das Putzen können wir uns heute sparen. In nur einer Generation ist die Insektenmasse um drei Viertel geschrumpft und beträgt nur noch 25 Prozent. (…) Der schlechte Zustand der Biodiversität trifft uns alle, aber vor allem die . Die braucht die Biodiversität für ihre Ertragssicherheit. Die Biodiversität sichert die Bodenfruchtbarkeit und damit auch die Ernährungssicherheit. 

Flach: «Man siehts im Garten und beim Spazieren» 

Beat Flach ist Jurist und Mitglied des Stiftungsrates bei der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. 
zvg

Beat Flach (GLP, AG): «Die Biodiversität bei den Kleinstlebewesen hat sich derart stark verringert, dass man es mittlerweile sieht. Wenn man in seinem Garten sitzt oder im Sommer abends spazieren geht, dann fällt einem auf, dass es das Geschwirr um die Laternen herum, wie man es als Kind erlebt hatte, so nicht mehr gibt.»

Page: «Biodiversität – ich weiss, wovon ich spreche»

Pierre Andre Page (SVP, FR) ist Meister
zvg

Pierre-André Page (SVP, FR): «Sehen Sie mich vor Ihnen stehen und ankündigen, dass ich die Biodiversität bekämpfe? Das wäre ein Selbstmord, die Verneinung aller Überzeugungen, das wäre auf alles verzichten, was ich in meinem ganzen Berufsleben gemacht habe, seit meiner Lehre: in der, mit der und von der Natur zu leben, sie zu kultivieren, zu beschützen, zu respektieren. Biodiversität – ich weiss, wovon ich spreche. Ich sehe auch, wo sie krankt, und ich habe Hilfsmittel. Die Initiative und die Gegenvorschläge schlagen aber eine ganz andere Medizin als meine vor. (…) Es ist inakzeptabel, dass die 190’000 Hektaren Biodiversitätsförderfläche in der nicht anerkannt werden.»

Rösti: « braucht Diversität, aber…» 

8.Dez.2011; Portrait Nationalrat Roesti Albert, SVP-BE. (Monika Flueckiger/freshfocus) Albert Rösti
freshfocus

Albert Rösti (SVP, BE): «Ich bin einverstanden: Die braucht Diversität, sie braucht die Bestäubung. Da haben wir überhaupt keine Differenz. Aber wenn die nicht mehr ihre Tätigkeit ausüben kann, nicht mehr Produkte produzieren kann, weil einfach so viel Fläche geschützt ist, dann behindern Sie die und schützen sie nicht. Gleichzeitig hindern Sie den Nebenerwerb der , weil bei Ihrer – entschuldigen Sie – Schutzeuphorie kein Tourismus mehr Platz hat.» 

Wismer-Felder: «Ziel von 17 Prozent heisst Kanton Luzern ist noch nötig» 

Priska Wismer-Felder (Mitte, LU) ist Bäuerin in Rickenbach LU. 
ALESSANDRO DELLA VALLE

Priska Wismer-Felder (Mitte, LU): «Biodiversität ist ein sehr wichtiges und zentrales Thema. Niemand in diesem Saal wird dies in Abrede stellen, davon bin ich wirklich überzeugt – schon gar nicht jemand, der sich beruflich tagtäglich mit Biodiversität beschäftigt und davon abhängig ist, wie z. B. in der tätige Personen. Der Schutz der Biodiversität ist auch für unsere Fraktion ein dringendes Anliegen. (…) Nur definiert der Gegenvorschlag – wir haben es schon öfters gehört – ein Ziel von mindestens 17 Prozent der Landesfläche, das als Kerngebiet ausgeschieden werden muss. Das stösst in unserer Fraktion auf Widerstand, hier hätten wir einen Richtwert vorgezogen. Der Bundesrat geht von einer bereits heute ausgeschiedenen Fläche von 13,4 Prozent aus. Das bedeutet, dass zusätzlich eine Fläche von 1500 Quadratkilometern der Kernzone zugerechnet und im Richtplan festgesetzt werden müssen; eine Fläche, Sie haben es gehört, so gross wie mein Heimatkanton Luzern.»

Bulliard-Marbach (Mitte, FR): « müsste zuviel geben» 

Christine Bulliard-Marbach (Mitte, FR) leitet einen sbetrieb in Ueberstorf FR. 
zvg

Christine Bulliard-Marbach (Mitte, FR): «Die Frage der geschützten Flächen stand im Zentrum der Diskussionen in unserer Fraktion. Heute machen sie 13,4 Prozent der Landesfläche aus. Der Gegenvorschlag sieht vor, sie auf 17 Prozent auszudehnen. Das entspricht 1500 Quadratkilometern, was dem Kanton Luzern entspricht. Die Mehrheit der Mitte-Fraktion ist klar der Ansicht, dass es eine so bedeutende Ausdehnung für unsere einen zu grossen Tribut fordert. Die Folgen für unsere Ernährungsautonomie wären klar wahrnehmbar.»

De Courten: «Modewort Biodiversität»

Thomas de Courten (SVP, BS) ist Unternehmer und Präsident von Intergenerika, dem Verband der Generikamedikamentenhersteller . 
zvg

Thomas de Courten (SVP, BS): «Die Biodiversität, sie ist bekanntlich eines dieser Modeworte, die wir zwar immer wieder hören, bei denen wir aber kaum je erfassen, worum es wirklich geht. (…) So debattieren wir hier die Biodiversitäts-Initiative. (…) Eine kluge Interessenabwägung zwischen Schutz und Nutzung schliesst die Initiative aber faktisch aus, und darum ist sie falsch. Nach der Fair-Food-, der Hornkuh-, der Landschaftsschutz- und der Massentierhaltungs-Initiative – über Letztere stimmen wir ja demnächst ab – nehmen Natur- und Landschaftsaktivisten damit ein weiteres Mal die , die Tourismusregionen und, ganz allgemein, den Wirtschaftsstandort Schweiz unter Beschuss.»

Müller: «Vermehrte Lebensmittelimporte haben mit Egoismus zu tun»

Leo Müller (CVP, LU) ist gelernter , Ing. Agr. FH, Rechtsanwalt, Notar und Mitglied der Fenaco-Verwaltung. 
zvg

Leo Müller (CVP, LU): «Bereits heute sind rund 19 Prozent der lichen Nutzfläche Biodiversitätsförderflächen. Die e sind ausserdem bereit, diese Flächen weiterhin auszudehnen, indem sie Blühstreifen anlegen, Wiesen extensivieren oder Hecken und Hochstammbäume anpflanzen. Das genügt den Initiantinnen und Initianten jedoch nicht. Ich sehe das anders. Diese freiwilligen Massnahmen sollen weiterhin umgesetzt und nicht unter den Zwang der Bundesverfassung gestellt werden. Der indirekte Gegenvorschlag verlangt sogar, dass im Gesetz festgeschrieben wird, dass 17 Prozent als Kerngebiete ausgeschieden werden – nicht der lichen Nutzfläche, sondern der Landesfläche. Das wären rund 150’000 Hektaren. Sie hören richtig: Das wäre mehr als die Fläche des Kantons Luzern. Das geht nicht! (…) Wir meinen, es sei richtig, die fehlenden Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt zu beschaffen, und wir können uns dies auch leisten. Diese Nahrungsmittel fehlen aber irgendwo. Auch aus diesem Grund dürfen wir nicht so egoistisch sein.»

Fluri: «Biodiversitätsproblematik ist unbestritten» 

Kurt Fluri (, SO) ist  Fürsprecher, Notar und Präsident der Stiftung Landschaftsschutz. Er war lange Stadtpräsident von Solothurn. 
zvg

Zuerst gebe ich meine Interessenbindungen bekannt. Ich bin Präsident der Stiftung Landschaftsschutz, die ja zu den Trägerorganisationen gehört, und bin selbst auch im Initiativkomitee. (…) Aber in Anbetracht der an sich unbestrittenen Biodiversitäts- oder Artenschwundproblematik ist es eigentlich merkwürdig und irgendwie surreal, Vorwürfe wie denjenigen von Herrn de Courten – es sei ein Modebegriff – oder des Egoismus, geäussert von Herrn Leo Müller, entgegennehmen zu müssen.

Fivaz: «Die Biodiversität ist keine Mode»

Fabien Fivaz (Grüne, NE) ist Präsident der Allianz für eine gentechfreie Schweizer
zvg

Fabin Fivaz (Grüne, NE): Die Biodiversität ist keine Mode, wie es ein Kollege eben sagte. Die Biodiversität ist in der Krise, und zwar in der Schweiz ebenso wie auf dem ganzen Planeten. Bislang sind in der Schweiz rund 50’000 Arten erfasst worden. Im Durchschnitt der Angaben, die etwas varieren, sind 35 Prozent von ihnen vom Aussterben bedroht.

 

Huber: «Haben Sie überhaupt eine Ahnung vom Futter von Ökoflächen?»

Alois Huber (SVP, AG) führt als Meister einen Bio-Pachtbetrieb in Wildegg AG. 
GIOIA LOREDANA

Alois Huber (SVP, AG) stellte eine Frage an Ursula Schneider Schüttel (SP, FR): «Die Produktion mit dem Futter von Biodiversitätsflächen sei günstiger als mit Kraftfutter. Haben Sie überhaupt eine Ahnung, was wir mit diesem Futter produzieren können? (Antwort von Ursula Schneider Schüttel: Ich habe das nicht selber erfunden; das hat mir ein Biobauer erzählt und erklärt, als ich nachgefragt habe, was man damit machen kann. Ich weiss nicht, welche Rasse Sie haben. Bei ihm hat das auf alle Fälle funktioniert.)

Späteres Votum: «Jetzt hat man im indirekten Gegenvorschlag festgelegt, dass es 17 Prozent Biodiversitätsfläche brauche. Ja, hallo, wir haben 19 Prozent! Was machen wir jetzt? Wir rechnen die Sömmerungsflächen nicht an, wir rechnen die Wiesen der Qualitätsstufe 1 nicht an, nur damit das Gewissen von einigen Leuten reingewaschen ist. Nehmen Sie doch selbst den Spiegel in die Hand und schauen Sie, was Sie für die Ökologie, für die Biodiversität machen können.» 

Strupler: «Verbauen stoppen, indem Zuwanderung begrenzt wird»

Msnuel Strupler (SVP, TG) ist und Gartenbauunternehmer in Weinfelden. 
zvg

Manuel Strupler (SVP, TG) fragte Kollegin Ursula Schneider Schüttel (SP, FR): Sie haben am Anfang Ihres Votums gesagt, wie viel Quadratmeter täglich verbaut werden. Geben Sie mir recht, dass das Verbauen nur zu stoppen wäre, wenn die Zuwanderung begrenzt würde? Wenn wir also etwas für die Biodiversität machen möchten, wäre es am sinnvollsten, die Zuwanderung zu stoppen, damit eben nicht jeden Tag x Quadratmeter verbaut und dadurch Biodiversitätsflächen verschwinden würden.

Von Siebenthal: «Der ganze Wald müsste als Ökofläche gezählt werden» 

Erich von Siebenthal (SVP, BE) ist in Gstaad BE. 
ALESSANDRO DELLA VALLE

Erich von Siebenthal (SVP, BE): «Ich bin (…) Präsident der Bernischen Waldbesitzer. Ich nehme hier Stellung aus Sicht des Waldes. (…) Unsere Wälder machen rund einen Drittel der Landfläche aus und sind bereits heute wertvolle Gebiete für die Biodiversität. Sie sollten selbstverständlich zur ökologischen Infrastruktur der Schweiz zählen, auch dank dem strengen Waldgesetz, welches eine nachhaltige Waldbewirtschaftung garantiert. Gemäss Gegenvorschlag sollen beim Wald aber nur Waldreservate, Biotope und der Nationalpark zu den Biodiversitätsflächen zählen. Das ist unsinnig.»

Ritter: «Ohne würde Biodiversität verarmen»

Markus Ritter (Mitte, SG) ist in Altstätten SG und Präsident des Schweizer Bauernverbandes. 
zvg

Markus Ritter (Mitte, SG): «Ohne die wäre die Schweiz ein endloser Wald, nur unterbrochen durch die Baugebiete sowie Stein, Fels und Gewässer. Damit würde die Biodiversität enorm abnehmen und verarmen. Die Schweizer hat sich in den letzten vierzig Jahre enorm für die Stärkung der Biodiversität engagiert. Wir bewirtschaften heute 19 Prozent des Kulturlandes oder 190 000 Hektaren als Biodiversitätsförderfläche. Pflicht wären 7 Prozent. Davon entsprechen 43 Prozent Qualität II, das heisst, sie haben speziell artenreiche Flora; das ist auch so kontrolliert und abgenommen. 78 Prozent dieser Flächen sind vernetzt. 465 000 Hektaren werden zusätzlich als Sömmerungsflächen bewirtschaftet. Davon ist ein grosser Teil sehr artenreich und nur durch die extensive Weidewirtschaft gedüngt.»

Mahaim: «Ich bitte Sie, es ist ernst» 

Raphael Mahaim (Grüne, VD) ist Rechtsanwalt und Lehrbeauftragter. 
zvg

Raphael Mahaim (Grüne, VD): «Ich habe aufmerksam zugehört, als Kollege Page von einer „Diktatur der Biodiversität“ sprach. Ich versuche mir seit einer Dreiviertelstunde vorzustellen, wie eine Diktatur der Biodiversität aussehen könnte. Mir kommen Bilder in den Sinn: Man könnte sich zum Beispiel eine Herde Steinböcke vorstellen, die das Parlament überwältigen und ihm die Entscheidungsfähigkeit nehmen würde. Man könnte sich Bienenschwärme vorstellen, die den Bundesrat seiner Handlungsmöglichkeiten berauben. Oder man könnte sich eine einfache Volksinitiative vorstellen, die von 100’000 Bürgern unterstützt wird, hypothetisch vom Volk angenommen wird und die Biodiversität in der Schweiz stärken würde. Ist das eine Diktatur der Biodiversität? Lassen Sie uns ernst sein, liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns ernst sein, denn das Thema ist ernst, es ist sogar ernst.»

Gysi: «Derzeit zerstört mehr, als sie Biodiversität aufbaut»

Barbara Gysi (SP, SG) hat einen Master in Public Administration. 
zvg

Barbara Gysi (SP, SG): «Der Verlust der Artenvielfalt ist neben der Klimakrise und der Verschmutzung der Umwelt die dritte grosse Bedrohung für das Leben auf diesem Planeten. Es geht bei der Biodiversität um weit mehr als um Pflanzen, Schmetterlinge und Käfer. Es geht darum, dass die Natur weiter die Leistungen erbringen kann, die für unser aller Überleben absolut zentral sind. (…) Das betrifft gerade auch die . Es ist in ihrem ureigenen Interesse, die Ressourcen zu pflegen. Sie ist auf gute Böden und sauberes Wasser angewiesen. Aktuell trägt sie mehr dazu bei, diese Grundlagen zu zerstören. Die intensive Nutzung ist nicht nachhaltig. Der Einsatz von Dünger und Pestiziden trägt weiter zur Zerstörung der Biodiversität bei. Die Nährstoffe werden über die Luft über weite Strecken in Wälder, in Hoch- und Flachmoore und Trockenwiesen verbreitet, wo sie die Ökosysteme negativ beeinflussen und die Artenvielfalt gefährden.»

Stefan Müller-Altermatt (Mitte, SO) ist Biologe und Präsident der regionalen Naturpärke. 
key (parlament.ch)

Stefan Müller-Altermatt (Mitte, SO): «Eingangs gebe ich meine Interessenbindung bekannt: Ich bin Präsident des Netzwerkes Schweizer Pärke. 2018 lancierten die Umweltverbände eine Kampagne mit dem Titel „Agrarlobby stoppen“. Diese Kampagne bezeichne ich heute als die Ursünde der Schweizer Landschaftspolitik der letzten Jahre. Sie hat zur heutigen Polarisierung geführt, über die wir jetzt sprechen und die ich die ganze Zeit über in diesem Saal vernehme. Damals standen die Agrar-Initiativen auf dem Programm, und die hat sich dagegen gewehrt. Die Folge davon war, dass wir auf dem Land eine Stimmung hatten, die so nicht gesund ist – und wir haben sie bis heute. Wir haben eine totale Polarisierung, wir haben eine Ausnützung dieser Polarisierung mittels politischer Kampagnen, die einen Stadt-Land-Graben hervorrufen. Ausserdem haben wir eine völlig indifferente Haltung dem Land gegenüber. Ich sage das als einer, der auf dem Land wohnt und dort Verantwortung dafür übernimmt, die verschiedenen Interessen der Landbevölkerung in Einklang zu bringen.»

Pasquier-Eichenberger (Grüne, GE): «Situation hat sich massiv verschlechert»

Isabelle Pasquier-Eichenberger (Grüne, GE) ist Expertin bei der Westschweizer Konsumentenvereinigung. 
Béatrice Devènes

Isabelle Pasquier-Eichenberger (Grüne, GE): «Als Kind machte ich mir Sorgen über das Verschwinden der Elefanten, der Menschenaffen und der Türkenbundlilie. Die Ursachen schienen klar erkannt und man konnte etwas dagegen tun. Man konnte Vereinigungen unterstützen und den Handel mit bedrohten Arten verbieten. Innerhalb einer Generation – meiner Generation – hat sich die Situation dramatisch verschlechtert. Unsere Kinder sind Zeugen eines massiven Rückgangs der Artenvielfalt und der Biomasse. In der Schweiz ist mindestens mehr als die Hälfte aller Arten potenziell bedroht.»

Gafner: «Das Ziel der Initiative ist eine Ballenberg-Schweiz» 

Andreas Gafner (EDU, BE) ist in Oberwil im Simmental BE. 
Parlamentsdienste

Andreas Gafner (EDU, BE): «Obwohl ich als Bergbauer die grundsätzlichen Ziele – die ich oben erwähnt habe – seit Jahren unterstütze und umsetze, lehne ich diese Initiative wie auch den Gegenvorschlag des Bundesrates ab. Ich gestatte mir, Ihnen zu erklären, weshalb aus meiner Sicht sowohl die Initiative wie auch der Gegenvorschlag wegen grundsätzlicher Mängel der Zielerreichung nicht dienlich sind: Sowohl die Initiative wie auch der Gegenvorschlag fokussieren einseitig auf Naturschutz-, Heimatschutz- und Denkmalschutzmassnahmen und haben quasi den Weg zum Ziel einer Ballenberg-Schweiz vor Augen. Dies tut man aus der Position einer satten, wohlstandsverwöhnten Gesellschaft eines Vollkasko-Staates. Was in der Initiative und im Gegenvorschlag weitgehend fehlt, ist eine gesamtheitliche Sichtweise des Problems, welche alle betroffenen Bereiche unserer Gesellschaft einbezieht.» 

Egger: «Ein weiteres Kapitel einer verträumten Umweltpolitik»

Nationalrat Mike Egger (SVP, SG) arbeitet bei der Migros-Tochter Micarna. 
zvg

Mike Egger (SVP, SG): «Die heute zu beratende Initiative ist ein weiteres Kapitel einer verträumten Umwelt- und Energiepolitik. Eines vorweg: Ich lehne sowohl die Biodiversitäts-Initiative als auch den indirekten Gegenvorschlag mit aller Entschlossenheit ab. Diese Initiative ist eine weitere Nebelpetarde für die Sinne und macht der Bevölkerung falsche Versprechungen. Ausgerechnet in den herausfordernden Zeiten, in denen wir uns aktuell befinden, in welchen die steigende Inflation, die steigenden Krankenkassenprämien, die steigenden Energiekosten oder die drohende Strommangellage der Bevölkerung zu schaffen machen, werden solche Forderungen gestellt, welche die Versorgungssicherheit der Schweiz gefährden.»

Friedli: « leistet viel mehr, als sie müsste»

Esther Friedli (SVP, SG) ist Politologin und Bäuerin und Wirtin im Toggenburg. 
zvg

Esther Friedli (SVP, SG): «Wir debattieren heute eine weitere Volksinitiative von links-grüner Seite, die in der Schweiz die Produktion von gesunden Nahrungsmitteln einschränken und herunterfahren will. Zudem will sie die Weiterentwicklung der Schweiz, namentlich im ländlichen Raum, massiv einschränken. Sie möchte eine Schweiz à la Klein-Ballenberg, ist also eine „Ballenberg-Initiative“. Die grosse Betroffene dieser Initiative wäre wieder einmal die . Doch die kann heute bereits 19 Prozent Biodiversitätsförderflächen vorweisen. Sie leistet viel mehr, als sie müsste. Bauernfamilien tun dies, weil es ihnen wichtig ist, zum Land, zum Boden, aber auch zu den Tieren Sorge zu tragen. Denn sie wissen: Nur wenn sie Sorge tragen, und dazu gehören auch die Förderung und der Erhalt der Biodiversität, gibt es auch genügend Erträge.» 

Locher Benguerel: «Biodiversität erhöht Widerstandskraft»

Sandra Locher Benguerel (SP, GR) ist Primarlehrerin in der Stadt Chur. 
zvg

Sandra Locher Benguerel (SP, GR): «Die Schweiz ist in Sachen Naturschutz schon lange kein Vorbild mehr. So weist unser Land im Vergleich mit anderen OECD-Ländern die höchste Zahl bedrohter Arten auf. Dies ist umso beschämender, als unser Land gerne mit intakten Natur- und Landschaftsbildern für sich wirbt. Dabei gilt: Je höher die Biodiversität, desto besser die Qualität und Stabilität der Ökosysteme. Denn die Vielfalt erhöht deren Widerstandskraft und macht sie gegen äussere Einflüsse wie beispielsweise den Klimawandel oder invasive Arten stabil. Stabile Ökosysteme bilden die Voraussetzung dafür, dass die Produktion aus forstlichen, lichen und auch fischereilichen Nutzungen gut gelingen kann. Gerade als Vertreterin eines Tourismuskantons kann ich sagen, dass eine intakte Natur das Grundkapital für den Tourismus bildet.» 

Suter: «Bitte nicht gegen Biodiversität ausspielen»

Gabriela Suter (SP, AG) ist Historikerin und Präsidentin des Vereins eco.ch. 
zvg

Gabriela Suter (SP, AG): «Immer wieder wurde jetzt in der Debatte auf die möglichen Konflikte mit der hingewiesen. Ich bitte Sie, spielen Sie nicht die gegen die Biodiversität aus. Die beiden brauchen einander. Es ist erwiesen, dass vielfältige Ökosysteme wichtige Leistungen besser erbringen als einförmige. Wildbienen bestäuben Nutzpflanzen, Bodenorganismen sorgen für gesunde Böden, Wälder säubern Luft und Wasser, beeinflussen das Klima positiv und schützen vor Hochwasser. Wer bestäubt denn in Zukunft unsere Kulturpflanzen, wenn das Insektensterben weiter wie bisher voranschreitet? Der schlechte Zustand der Biodiversität trifft uns alle, aber vor allem auch die . Die meisten artenreichen Flächen liegen im Übrigen nicht auf Fruchtfolgeflächen, sondern in Feuchtgebieten oder sind in nährstoffarmen Gebieten wie etwa in Hanglagen zu finden. Sie gehen also nicht für die verloren.»

Nicolet: «Leistungen der zuwenig anerkannt»

Jacques Nicolet (SVP, VD) ist in Lignerolle VD. 
zvg

Jacques Nicolet (SVP, VD): «Biodiversität ist ein Thema, über das jeder gerne sprechen würde, so sehr möchte jeder ein Stück Lösung zu einem Thema beitragen, das uns allen am Herzen liegt. Sie sollten wissen, dass wir e uns täglich bemühen, unser Land mit größtem Respekt für die biologische Vielfalt zu bebauen und zu pflegen. Während von der gefordert wird, rund 7 Prozent der Fläche dieses Landes der Biodiversität zu widmen, wird festgestellt, dass generell über 20 Prozent der Fläche unseres Landes der Biodiversität gewidmet sind, davon rund 165000 Hektar direkt von den Bauernfamilien, was immerhin rund 200 Quadratmeter Biodiversitätsfläche pro Einwohner dieses Landes bedeutet, die von den Bauernfamilien gewidmet und gepflegt werden. Doch leider sind die Leistungen, die die für die Biodiversität erbringt, in der Bevölkerung viel zu wenig bekannt oder anerkannt.»

Dettling: «Bauern pflegen Ökoflächen, nicht das Sekretariat der Grünen»

Marcel Dettling (SVP, SZ) ist in Oberiberg SZ. 
zvg

Marcel Dettling (SVP, SZ): «Wo stehen wir heute? Wir haben grösste Probleme mit der Versorgungssicherheit im Bereich Energie – wir haben zu wenig Energie. Nun kommt mit dieser Initiative noch der Angriff auf die Versorgungssicherheit im Bereich der Nahrungsmittel. Wir wissen es: Bereits heute hat im Ernstfall in diesem Land nur jeder zweite genügend zu essen. Wir mussten uns in den letzten Voten viel anhören, vor allem von linker Seite. Es hiess, die würde die Umwelt zerstören. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die ist seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten Teil der Lösung. Warum haben wir all die schönen Moorlandschaften in der Schweiz? Weil die e und ihre Vorfahren diese seit jeher gepflegt haben. Die Bauern pflegen die Landschaft, da hat auch der Tourismus etwas davon, und die Biodiversität lebt davon. Wir machen mehr, als wir müssten. Die Bauern müssten 7 Prozent Biodiversitätsförderflächen ausweisen. Wir machen heute bereits das Dreifache, und Sie sind auf Ihrer Seite selbstverständlich immer noch nicht zufrieden. Die Bauern pflegen die Biodiversitäts-Ökoflächen, das macht nicht das Sekretariat der Grünen. Es sind die Bauern und ihre Familien, die diese Flächen pflegen.» 

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Quelle: schweizerbauer.ch