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«Am Schluss muss alles stimmen»

  • Die langjährige Waagmeisterin Margrith Nef am letzten Kälbermarkt vor der Weihnachtspause in der Wattwiler Markthalle. – Adi Lippuner
  • Waagmeisterin Margrith Nef an ihrem Arbeitsplatz in der Wattwiler Markthalle. – Adi Lippuner

Zuerst in Lichtensteig und seit 2005 in Wattwil: Die Waagmeisterin hat ihre Aufgabe mit Freude ausgeführt. Nun beendet die 73-jährige Bäuerin Margrith Nef ihre Dienste für die und für die Viehhändler.

Die Erinnerung an die Kälberhalle in Lichtensteig, an die beengenden Platzverhältnisse, aber auch an die hohen Auffuhrzahlen von bis zu 250 Kälbern sind bei Margrith Nef auch heute noch präsent. Mit dem Wechsel in die moderne Markthalle nach Wattwil gab es neue Herausforderungen, und nun beendet die 73-Jährige ihr langjähriges Engagement im Dienste der Landwirte und Viehhändler sozusagen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Vereidigte Amtsperson

Die Bezeichnung Waagmeisterin beinhaltet verantwortungsvolle Aufgaben, wie von der in Lichtensteig-Wasserfluh wohnhaften Bäuerin zu erfahren ist. «Ich bin als vereidigte Amtsperson im Einsatz und habe dafür zu sorgen, dass am Schluss auch alles stimmt.» Konkret bedeutet dies, dass vom genauen Wägen der Tiere und der Kontrolle der Begleitpapiere bis zur Abrechnung einfach alles korrekt ist.

Begonnen hat die langjährige Arbeit von Margrith Nef im Jahr 1992. Ihr Ehemann Konrad Nef war damals bereits als Waagmeister tätig. «Gesucht wurde eine Aushilfe, doch es wurde niemand gefunden.» So sei sie eingesprungen und übernahm den Waagdienst, wenn ihr Ehemann wegen dringender Arbeiten auf dem Hof nicht abkömmlich war. «Damals hatten wir eine mechanische Waage, bei der es wichtig war, dass die Kälber ganz ruhig standen. Die Genauigkeit lag bei 500-Gramm-Schritten und als Waagschein hatten wir kleine, bedruckte Kartonteilchen.»

Mit dem Wechsel am 15. August 2005 in die neue Markthalle nach Wattwil kam zuerst auch noch eine mechanische Waage zum Einsatz. Vor einigen Jahren erfolgte die Umstellung und Margrith Nef, die nie mit einem Computer gearbeitet hatte, musste sich mit den Neuerungen vertraut machen.

«Ohne die Unterstützung des damaligen Hallenchefs, Hansruedi Meyer, hätte ich vermutlich aufgehört. Er hat mir mit grosser Geduld alle nötigen Schritte gezeigt, und ich konnte mir jeden einzelnen Punkt notieren.» Sie sei auch heute noch dankbar, dass er dies ausserhalb des Marktgeschehens, ganz in Ruhe getan  habe. Während der Anfangsjahre in Lichtensteig waren drei Personen bei der Annahme der Tiere vor Ort. «Lange Zeit stand ein Tierarzt, respektive eine Tierärztin an meiner Seite.» Die Aufteilung auf mehrere Schultern habe auch eine Kaffeepause ermöglicht, was bei bis zu 250 Tieren, die an einem einzigen Vormittag angeliefert wurden, auch nötig war», erinnert sich die Waagmeisterin.

«Einfrau»

Heute bewältigt Margrith Nef die Arbeit im «Einfrau». «Wenn alles rund läuft und die Waage einwandfrei funktioniert, ist das kein Problem.» Ab und zu brauche sie allerdings Hilfe und wende sich an den Hallenchef. Ab und zu haben auch die Lieferanten, seien dies Bauern oder Viehhändler ein Anliegen, wenn ein Begleitdokument fehle. «Aber wir haben bis heute immer eine Lösung gefunden, und, was mich freut, der Umgangston ist freundlich, auch wenn einzelne ab und zu etwas ungeduldig werden.»

Mit dem Rückzug von ihrer langjährigen Aufgabe als Waagmeisterin eröffnen sich für Margrith Nef neue Perspektiven. Die dreifache Mutter und sechsfache Grossmutter wird sich einerseits gerne um die Familie kümmern, freut sich aber auch auf Freiraum, den sie sich nach eigenen Vorstellungen gestalten wird.

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Quelle: erbauer.ch