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Aldi senkt Butterpreise – Bauern sauer

  • Aldi bezeichnet die beiden Discount-Handelsketten Aldi Nord und Aldi Süd. Es handelt sich um zwei separate Unternehmensgruppen. Aldi zählt zu den zehn grössten Detailhandelsgruppen weltweit. Neben Hauptwettbewerber Lidl gelten die beiden Aldi-Gesellschaften zusammengenommen mit ihren 11’235 Filialen Ende 2019 als grösster Discounter der Welt. – Aldi

Die Bauern sind über die tiefen Preise für Milch verärgert. Deshalb haben sie im Dezember mehrmals beim Detailhandel protestiert. Nun versetzt Aldi den Bauern den nächsten Tiefschlag. Der Discounter hat tiefere Butterpreise durchgesetzt. Die Landwirte fühlen sich verschaukelt.

Bereits in der Altjahreswoche haben Bauern in Deutschland gegen eine mögliche Preissenkung bei der Butter protestiert. Sie haben sich formiert und Verteilzentralen blockiert. Vor einer Filiale des Discounters wurde gar Mist ausgekippt. Die Landwirte befürchteten noch tiefere Preise für die Milch.

Bauern lösten nach Versprechen Blockaden auf

Denn laut Branchenkennern wollte Aldi Nord den Preis für Butter um bis zu 60 Cent/kg senken. Üblich sei zum Jahresende eine Senkung von 10 bis 20 Cent, sagte Anthony Lee von der Bauernbewegung «Land schafft Verbindung» (LsV) Niedersachsen zu «agrarheute».

Da Aldi kurz vor dem Jahreswechsel den Bauern für den 11. Januar Gespräche versprach, wurden die meisten Blockaden aufgehoben. Der Discounter hat zugesagt, ihre konventionelle und Bio-Frischmilch künftig nur noch von deutschen Bauern zu beziehen. Zugleich will sich die Detailhändlerin für langfristige Verträge einsetzen, um deutschen Landwirten eine bessere Planungssicherheit zu geben.

Bauern haben Ende Dezember Verteilzentralen des Discounters blockiert.
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56 Cent weniger

Doch Aldi gab zu bedenken, dass das Unternehmen die vielen strukturellen Herausforderungen der deutschen nicht alleine lösen könne. Deshalb müssten alle Beteiligten der Wertschöpfungskette mit einbezogen werde.

Doch wurde diese Woche bekannt, dass zwei Molkereien Butter billiger an Aldi liefern. Nach Angaben des Verbandes der Milcherzeuger Bayern (VMB) hat der Detailhandel den Einkaufspreis für Deutsche Markenbutter um 56 Cent/kg (60,5 Rp.) gedrückt. Die Laufzeit der neuen Kontrakte für Butter der Handelsmarken beträgt zwei Monate.

An der Süddeutschen Butter- und Käsebörse in Kempten wurde am 5. Januar eine Preisspanne von 3,24 bis 3,34 Euro/kg (3,51 Fr. bis 3,62 Fr.) für geformte Markenbutter im 250-Gramm-Block notiert. Das waren exakt 56 Cent weniger als bei der vorangegangenen Notierung vor den Weihnachtsfeiertagen mit einer Spanne von 3,80 bis 4 Euro/kg, schreibt agrarheute.

Molkereien haben die Butter günstiger an Aldi verkauft.
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«Das ist eine Provokation»

Wie der NDR berichtet, sollen zwei Grossmolkereien aus Sachsen und Schleswig-Holstein die tieferen Butterpreise offeriert haben. Die Molkereien sagen hinter vorgehaltener Hand, dass ihnen die Hände gebunden seien. Wer bei den Discountern nicht mitziehe, verliere von einem Tag auf den anderen seine Verträge. Um an Lieferverträge zu kommen, sie noch günstiger an die Lebensmittelindustrie verkaufen.

Die Bauern fühlen sich verschaukelt. «Das ist eine Provokation», sagte Anthony Lee von «Land schafft Verbindung» zu NDR 1 Niedersachsen. Aldi habe sein Versprechen gebrochen und nur sein Weihnachts- und Silvestergeschäft retten wollen. Lee weist darauf hin, dass auf dem Weltmarkt der Butterpreis sogar leicht steige. Aldi habe sein Versprechen gebrochen.

 Politik auf Seite der Bauern

Auch die Politik steht auf der Seite der Bauern. «Wir waren uns einig, dass eine derartige Absenkung nicht erfolgen soll. Und jetzt müssen wir erleben, dass der Butterpreis doch ganz im Keller gelandet ist. So geht man mit den Landwirten nicht um», sagt der niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies () zum NDR.

Es brauche neue Spielregeln. Hauptproblem ist aus seiner Sicht die Marktmacht der grossen Lebensmittelkonzerne Aldi, Lidl, Rewe und Edeka. Die Produzenten müssten auf Augenhöhe mit den Detailhändlern verhandeln können.

Aldi dementiert

Aldi dementiert eine Senkung von über 50 Cent. Das Unternehmen zahle marktüblich und nicht die von den Landwirten zitierten 56 Cent weniger pro Kilo Butter, sagte ein Sprecher gegenüber NDR 1. Die genaue Höhe des Abschlags wollte er aus Wettbewerbsgründen nicht kommunizieren.

Der Sprecher wies darauf hin, dass nach den Festtagen alle Discounter insgesamt weniger zahlten. Die Preise orientierten sich dabei an den Angeboten der Molkereien.

Weniger Milch als im Vorjahr

Gemäss agrarheute ist das Angebot aber nicht höher als üblich zu dieser Jahreszeit. Die Anlieferungsmenge ist um 1,1 Prozent kleiner als im vorigen Jahr zum gleichen Termin. «Von einem Überangebot kann angesichts der guten Absatzentwicklung im Detailhandel also kaum die Rede sein», resümiert agrarheute. Und weiter: «Weder bei Butter noch bei Milchpulver oder Käse hat es im europäischen Grosshandel oder am Weltmarkt grössere Preisabschläge gegeben.»

Die Milchproduktion in Deutschland ist tiefer als im Vorjahr.
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Bauern behalten sich weitere Aktionen vor

Die Bauern jedenfalls sind so richtig verärgert. Dass Aldi marktüblich zahle, sei glatt gelogen, sagte Lee zum NDR. Der Preis liege mindestens 50 Prozent darunter. Man werde sich das nicht bieten lassen.

Ob und welche Massnahmen die Bauern ergreifen werden, wollen sie spontan entscheiden. Doch es tendiert in Richtung Blockade. «Das nächste Mal sollten die Bauern gleich zwei Wochen lang die Lager blockieren und nicht nur zwei Tage», sagte der Lee vielsagend.

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Quelle: schweizerbauer.ch