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Hohe Flächenproduktivität, fehlende Wirtschaftlichkeit

  • Lokal und nachhaltig: Mit Permakultur wird vor Ort eine grosse Vielfalt produziert, dass allzu lange Transportwege von vielen lich produzierten Lebensmittel überflüssig werden. – Renate Hodel

Permakultur könnte die nachhaltige und ökologische Zukunft der sein. Könnte. Funktionieren kann es nur, wenn die gesamte Ernährungswertschöpfungskette bereit ist, den Umbruch und die Kosten zu tragen.

Fast 8 Milliarden Menschen leben mittlerweile auf der Erde; und die Weltbevölkerung steigt weiter. Das stellt die als Ernährerin vor grosse Herausforderungen – insbesondere da sie diese Aufgabe so nachhaltig und ökologisch wie möglich erfüllen sollte. Nicht nur weil ein stetig wachsender Teil der Gesellschaft dies gerade verlangt, sondern auch, um Ressourcen – sprich die Umwelt – zu schonen, damit auch in Zukunft noch möglich ist.

Vernetzte Ökosysteme

Einen möglichen Ansatz bietet die sogenannte Permakultur. Eine im Sinne der Permakultur schafft und arbeitet mit vernetzten Ökosystemen und setzt auf kleinräumige und standortangepasste Anbausysteme – ist quasi geplantes Chaos. Einjährige neben mehrjährigen Pflanzen, Gemüse in und neben , daneben Obstbäume und Beerensträucher sowie Hecken und Tümpel und auch Nutztiere lassen sich problemlos in ein Permakultursystem integrieren.

Verschiedene Kulturen und Nutztiere wechseln sich ab, wachsen und gedeihen durchmischt nebeneinander, ergänzen und unterstützen sich: So kann Kapuzinerkresse Schädlinge wie Blattläuse von den Obstbäumen fernhalten, Ringelblumen und Meerrettich können die Krankheitsresistenz von Obstbäumen verbessern und Freilandschweine bereiten den Boden für nährstoffhungrige Pflanzen.

«Chaostheorie»

Permakultur nutzt die natürlichen und lokalen Ressourcen und formt sie zu lich produktiven, selbsterhaltenden Ökosystemen. Mit der Vernetzung der einzelnen «chaotischen» Bereiche wird in der Folge die Biodiversität und Kreislaufwirtschaft gefördert sowie die Umwelt und die Ressourcen geschont.

Und: Permakultur habe das Potential die Welt nachhaltig zu ernähren, ist Hans Ramseier überzeugt. «Die Flächenproduktivität von Permakultur ist sehr hoch – kaum ein anderes Anbausystem kommt an die Zahl produzierter Kalorien pro Hektare heran», erklärt der Dozent für Pflanzenschutz und ökologischen Ausgleich an der Hochschule für -, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen. «Entsprechend kann Permakultur ein wichtiger Ansatz zur Problemlösung sein – indem wir ein globales Problem lokal lösen», meint Hans Ramseier weiter.

Prädestinierte Schweiz

Ausserdem sei die Schweiz für Permakultur geradezu prädestiniert: Die Kleinräumigkeit, die gemischten Familienbetriebe, das Klima, die stabilen politischen Rahmenbedingungen, Ausbildungsmöglichkeiten sowie kaufkräftige Konsumentinnen und Konsumenten bildeten eigentlich einen nährstoffreichen Boden für Permakultur.

Unter anderem im Rahmen des HAFL-Permakulturprojekts hat Markus Bucher 150 bis 200 Bäume und Sträucher gepflanzt.
Renate Hodel

Trotzdem ist die Schweiz ein «Entwicklungsland» was Permakultur angeht. Und dies obwohl unter anderem die HAFL wie auch diverse Schweizer innen und e das Potential von Permakultur längst erkannt haben und es an Interesse nicht fehlt.

Fehlende Kostenwahrheit

An Erfahrungswerten allerdings schon: Wie lässt man ganz viele kleine Gärtchen zu einem grossen Garten anwachsen, der sich auch wirtschaftlich bewirtschaften lässt? Noch setzt Permakultur einen hohen Bedarf an Handarbeit voraus und die damit verbundenen Lohnkosten machen es der Schweizer fast unmöglich, Permakultur wirtschaftlich und sozial nachhaltig zu betreiben.

«Solange wir keine Kostenwahrheit haben, wird sich Permakultur nie flächendeckend verbreiten», sagt Hans Ramseier. «Heute geben Schweizerinnen und Schweizer 6,3 Prozent ihres Lohnes für Nahrungsmittel und Getränke aus – vor rund zwei Generationen waren es noch 35 Prozent», gibt er weiter zu bedenken. Natürlich gebe es Menschen in der Schweiz, die sich nicht mehr leisten könnten, aber eben auch genug Menschen, die ohne Weiteres 9 oder 10 Prozent ihres Lohnes für Lebensmittel aufwenden könnten.

Angewandte Forschung

«Der Konsument muss wieder bereit sein, einen fairen Preis zu bezahlen, sonst schaffen wir den Umbruch nicht», ergänzt Hans Ramseier. Der Fachbereich Agronomie der HAFL ist aktuell daran, an Lösungen für eine zukunftsorientierte Entwicklung der Permakultur in der zu tüfteln: In einem entsprechenden Permakultur-Pilotbetriebsnetz betreiben elf sbetriebe Experimentierflächen und sammeln für sich und die Forschung Erfahrungen.

Das auf diesen Permakulturflächen produzierte Gemüse, Obst, und die weiteren Erzeugnisse werden mit den geltenden Biopreisen vermarktet. Nur decken diese Einnahmen die Produktionskosten eben bei Weitem nicht. Unter den jetzigen Voraussetzungen fänden Permakultur-Erzeugnisse denn auch nur im Premiumsegment des Markts und der Direktvermarktung sowie in der Spitzengastronomie mit guten Preisen Absatz, sagt Hans Ramseier.

Enten lösen Probleme

Daneben sollen im Rahmen des Projekts aber auch Erfahrungswerte und Forschungsergebnisse im Bereich Umsetzung und Anbau generiert werden: Was funktioniert, was funktioniert nicht. So hat Markus Bucher auf seiner Permakulturfläche beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass die vernetzenden Grasstreifen zwischen den Kulturen zu viele Schnecken anziehen, die dann sein Gemüse in Mitleidenschaft ziehen.

Oder dass das Mähen der vielen einzelnen Streifen versetzt mit Ast- und Steinhaufen grossen Aufwand bedeutet. Deshalb überlegt er sich in Zukunft Enten und Schafe in sein Permakultursystem zu integrieren: «Enten könnten das Schneckenproblem lösen und Schafe das Mähen übernehmen», erklärte er auf einer Betriebsbesichtigung.

Neben seiner Versuchsfläche von 3,5 Hektaren würde Markus Bucher die Permakulturstrukturen ausserdem gerne in die herkömmlichen Flächen einbauen – beispielsweise indem er neben einer Spindelanlage oder Hochstammanlage mit Äpfeln ganz normal Gemüse anbaut.
Renate Hodel

Mechanisierung für mehr Effizienz

Auch mit der Mechanisierung des Permakulturanbausystems beschäftigt sich der Biobauer. Wenn man Handarbeit durch Robotik ersetzen könnte, liesse sich die Effizienz steigern und der Aufwand und die Kosten optimieren. Wenn Gemüse, Kräuter, Beeren, Blumen und allerdings kreuz und quer wachsen, stellt die Mechanisierung eine grosse Herausforderung dar. Im Rahmen des Projekts Honesta hat sich Markus Bucher deshalb mit der Firma Semesis zusammengetan, um gemeinsam eine Maschine im Hightechbereich zu entwickeln, die einen intelligenten, effizienten und wirtschaftlichen Anbau auch für Mischkulturen erlaubt.

«Mit dem Projekt Honesta streben wir an, die Bewirtschaftung eines ganzen Betriebs auf Permakulturbasis möglich zu machen – das Ziel ist es, dass sich der Anbau für den auch wirtschaftlich rechnet», erklärt Markus Bucher. Mit einer Hightech-Smart-Farming-Maschine soll eine mechanisierte und effiziente also auch in der kleinstrukturierten Permakultur möglich werden.

Zukunftsmusik

Mit den elf Pilotbetrieben sammelt die HAFL also nun «Permakulturwissen» und bereitet dieses auf. Daneben sollen auf einer Kompetenzplattform Interessierte aus allen Bereichen entlang der Ernährungswirtschaftskette abgeholt und mit einem entsprechenden Beratungsprojekt weitere sbetriebe ins Permakulturnetz aufgenommen werden.

«Bis in vier Jahren soll es in der Schweiz mindestens 50 Betriebe geben, die ihre Flächen teilweise oder ganz nach Permakulturstrukturen bewirtschaften», erklärt Hans Ramseier. Und dieses Ziel ist offenbar nicht zu hoch gesteckt: Das Interesse der innen und e sei sehr gross – sie hätten fast wöchentlich Anfragen von Betrieben, die mitmachen wollten. Diese müssten sich vorerst allerdings mit unterstützender Beratung begnügen, da das finanziell unterstütze Pilotbetriebsnetz voll ausgelastet sei und die bewilligten Gelder in diesem Bereich ausgeschöpft seien.

Potential erkannt

Aber auch wenn immer mehr innen und e das Potential der Permakultur für sich zu entdecken scheinen, nützt die ökologischste Anbauweise nichts, wenn die Produkte keine Abnehmer finden. «Die Herausforderung ist es, den Konsumenten wieder näher zur Produktion zu führen und die Wertschätzung für Nahrungsmittel und die Nahrungsmittelproduktion wieder zu entfachen», meint Hans Ramseier. Denn wenn die Puzzleteile Biodiversität, Produktivität und Wirtschaftlichkeit schliesslich zusammenspielen, sei Permakultur ein guter und gangbarer Weg für die Schweizer .

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Quelle: schweizerbauer.ch