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Zu viele Nutztiere gerissen – Wölfin vor Abschuss

  • Wölfin F78 hat zu viele Nutztiere gerissen. (Symbolbild) – Marcel Langthim

Das Jagdinspektorat des Kantons Bern hat entschieden, dass eine im Kanton Bern lebende Wölfin abgeschossen werden soll. Das Tier, das seit längerem Schlagzeilen macht, hat laut den Behörden inzwischen zu viele Nutztiere gerissen.

In der Gantrischregion ist seit Monaten ein Wolf unterwegs. In der Nacht auf den 11. Oktober riss der Wolf erstmals vier Schafe. Anschliessend hat dieser bereits weit über 20 Tiere gerissen. Der Kanton hat in der Folge beschlossen, das Raubtier zu vergrämen. 

Bauernverband forderte besseren Schutz

Eine DNA-Analyse hatte ergeben, dass es sich Raubtier um eine Wölfin handelt. F78, wie das Tier genannt wird, sei alleine unterwegs und für die Risse der vergangenen Wochen verantwortlich, sagte das Berner Jagdinspektorat Mitte Dezember gegenüber der «Freiburger Nachrichten».

Der Berner Bauernverband (BEBV) fordert den Kanton bereits vor Weihnachten auf, auf die Risse zu reagieren. «Wir fordern den Kanton Bern dringend dazu auf, weitere Massnahmen zum Schutz der Nutztiere vor dem Wolf zu ergreifen und nicht abzuwarten, bis die Anzahl von 35 getöteten Schafen erreicht ist», teilte der BEBV mit.

Gegen Grossraubtiere, die ein unnatürliches Verhalten zeigten, solle künftig «schneller und effizienter» vorgegangen werden. BEBV-Präsident Hans Jörg Rüegsegger schlug vor, die «Problemwölfin» einzufangen und und in einem anderen Gebiet auszusetzen. «Es wäre doch klüger, ihn im östlichen Berner Oberland freizulassen, wo es eine massive Überpopulation von Hirschen hat», sagte er im Dezember.

Region Gantrisch, im Stocken- und Gürbetal

Nun soll es der Wölfin an den Kragen gehen. Das Jagdinspektorat des Kantons Bern verfügt den Abschuss von Wölfin F78. Grund für diesen Entscheid ist der Schaden, den die Wölfin an Nutztieren angerichtet hat. Wie das kantonale Amt für und Natur am Freitag mitteilte, dürfen einzig Wildhüter die Wölfin abschiessen.

Der Abschussperimeter umfasst die Gemeinden in der Region Gantrisch, im Stocken- und Gürbetal, auf dem Längenberg und die Gemeinde Köniz. Noch haben das Bundesamt für Umwelt und bestimmte Organisationen ein Beschwerderecht.

36 Risse in 4 Monaten

Die Abschussverfügung stützt das kantonale Jagdinspektorat auf die eidgenössische Jagdverordnung und das Konzept Wolf Schweiz. In der Verordnung stehe, dass ein den Abschuss erlaubender erheblicher Schaden dann gegeben sei, wenn ein Wolf mindestens 35 Nutztiere innerhalb von vier Monaten getötet habe. Im Fall der Wölfin F78 sind es inzwischen 36.

Mit dem Abschuss sollen weitere Schäden am Nutztierbestand verhindert werden. Die Abschussbewilligung ist befristet bis Ende März 2021 und wird nur Wildhütern erteilt. Denn ab dem 1. April gilt für weibliche Wölfe bis Ende Juli ein besonderer Schutz für die Fortpflanzung und die Aufzucht von Jungtieren. 

«Keine andere Möglichkeit als ein Abschuss»

Gemäss Angaben des Kantons Bern waren alle von F78 gerissenen Tiere zwar eingezäunt. Allerdings habe  der Zaun nur in einem Fall den Anforderungen des Herdenschutzes entsprochen. Das Jagdinspektorat und die kantonale Herdenschutzberatung bemühten sich intensiv, die Riss-Serie von F78 zu unterbrechen. Sie richteten auch mehrere Appelle an die Nutztierhalterinnen und -halter, den Schutz ihrer Tiere zu verbessern.

Zwar verstärkte ein Teil der Nutztierhalter gemäss Angaben des Kantons die Zäune oder stellte die Schafe über Nacht im Stall ein. Doch die Wölfin fand immer wieder ungenügend geschützte Tiere. Auch eine Vergrämungsaktion blieb erfolglos. «Es gibt deshalb leider keine andere Möglichkeit als einen Abschuss», sagt Jagdinspektor Niklaus Blatter. Dies deshalb, weil die Wölfin sich auf das Töten von Nutztieren spezialisiert hat. 

«Herdenschutz muss besser werden»

Gemäss dem Kanton sind nun aber die Tierhalter in der Pflicht. «So ein Fall darf sich nicht wiederholen», sagt Blatter. Die Gemeinden im Gürbetal und im Gantrischgebiet gelten künftig als Gemeinden mit Wolfspräsenz. In solchen Gemeinden mit Wolfspräsenz werden gerissene Nutztiere nur dann einem Abschusskontingent zugerechnet, wenn sie wolfssicher eingezäunt waren. «Klar ist, dass nun der Herdenschutz deutlich und nachhaltig besser werden muss», macht Blatter klar.

Die Risse von Wölfin F78 

Die Geschichte von F78 begann am 11. Oktober in Toffen: Ein Wolf hatte drei Schafe gerissen, ein weiteres musste getötet werden. Mit der DNA-Probe wurde erstmals die Wölfin F78 in der Schweiz nachgewiesen. Vier weitere genetische Nachweise bei Rissen und viele Sichtungen im Gebiet lassen den Schluss zu, dass sämtliche Risse in der Region Gürbetal / Gantrisch zwischen dem 11. Oktober und dem letzten Vorfall am 8. Februar 2021 in Burgistein auf das Konto von F78 gehen.

Insgesamt waren es 29 Vorfälle, bei denen die Wölfin 32 Tiere riss, 20 mussten getötet werden, vier Tiere gelten als vermisst. Für das Abschusskontingent zählen 22 gerissene und 14 notgetötete Tiere. Nicht zum Kontingent zählen jene Nutztiere, die nicht ausreichend geschützt waren, obwohl in der Gemeinde schon früher ein Wolf unterwegs war. Kanton Bern

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Quelle: schweizerbauer.ch