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Warum Herr Binggeli hinkt

  • Das Wappen der Familie Fischli aus dem «Wappenbuch des Landes Glarus» aus dem Jahr 1937. – zvg
  • Beatrice Hofmann-Wiggenhauser ist Expertin für Flur- und Familiennamen. – Julia Spahr

Eber, Fisch und Hirsch: Die Tiernamen sind in den Familiennamen zahlreich vertreten, doch was bedeuten sie genau? In welchem Familiennamen ist der im 12. Jahrhundert beliebte Rufname Morolf heute noch ersichtlich? Dies und Weiteres in der aktuellen Familiennamenserie.

Der Familienname Binggeli ist im Kanton Bern, vor allem in den Gemeinden Wahlern und Guggisberg, alteingesessen. Der Name Binggeli geht auf das schweizerdeutsche Wort «Bingg» zurück, das einen hinkenden Menschen bezeichnet. Es handelt sich bei diesem Familiennamen also um einen Übernamen in seiner abschwächenden Verkleinerungsform für den ersten Namensträger, der ein Bein auffällig nachgezogen hat und somit durch seine Gangart aufgefallen ist.

Eberhard/Eberle/Eberlin

Der Familienname Eberhard, der auch in den Varianten Eberle oder Eberlin überliefert ist, ist aus dem gleichnamigen Rufnamen entstanden. Als zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert die Familiennamen entstanden sind, war Eberhard ein sehr beliebter Rufname. Der Rufname setzt sich aus den beiden althochdeutschen Wörtern «ebur» (für die Tierbezeichnung Eber) und «harti», (für stark) zmmen. Es ist ein Übername für einen besonders starken Menschen.

Fischli/Fischlin

Der Familienname Fischli ist eine alemannische Ableitung vom Familiennamen Fisch bzw. Fischer. Fischer ist ein Berufsübername für den Fischer oder den Fischhändler. Die Verbreitung dieses Familiennamens ist im deutschsprachigen Raum gross und erklärt sich aus der grossen Bedeutung des Fischfangs im Mittelalter. Auch ausserhalb der Fastenzeit war Fisch ein wichtiges Gericht und ein beliebtes Essen. Um den grossen Fischbedarf zu decken, wurden in der Nähe von Städten Fischweiher angelegt. Im 14. Jahrhundert wurde die Ausübung des Fischens zu einem Gewerbe.

Hirschi/Hirsch

Hirschi oder Hirsch kann dreierlei Deutungen haben. 1. Der Name kann auf einen Berufsübername zum mittelhochdeutschen Wort «hirz», das Hirsch bedeutet, zurückgehen und somit auf die Tätigkeit des Jägers verweisen. 2. Es handelt sich um einen Übernamen, ebenfalls zum mittelhochdeutschen Wort «hirz», der aufgrund der Tiereigenschaften für einen flinken, neugierigen, aber auch jähzornigen Menschen dem Charakter einer Person zugewiesen worden ist. 3. Beim Familiennamen handelt es sich um einen sogenannten Wohnstättennamen für eine Person, die im oder in der Nähe eines Hauses namens «Zum Hirsch» wohnte. Der Hirsch wurde häufig als christliches Symbol- und Wappentier sowie als Haus- und Gaststättezeichen verwendet.

Morf

Der insbesondere in Zürich verbreitete Name Morf ist eine Kurzform des ursprünglichen Familiennamens Morolf; ein althochdeutscher Rufname, der aus den germanischen Wörtern marko (Mark) und wulfa (Wolf) besteht. Dieser war zur Zeit der Familiennamengebung sehr beliebt. Dafür sorgte auch das bekannte Spielmannsgedicht «Salman und Morolf», dessen Verfasser bis heute unbekannt ist. Obwohl die schriftliche Überlieferung dieses mündlich tradierten Liedes erst ins letzten Drittel des 15. Jahrhunderts datiert ist, war das Epos wohl bereits im 12. Jahrhundert mündlich im Umlauf. Der Held der Geschichte ist der schlaue, aber zynische und listige Morolf. Im Frühmittelalter wurde in lateinischer Dialogform die sprichwörtliche Weisheit der Figur Salomon der närrischen Gewitztheit des Marcolfus gegenübergestellt. Daraus entwickelte sich eine grosse Beliebtheit zum Rufnamen Morolf, der bis heute im Namen Morf erhalten geblieben ist.

 

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Quelle: schweizerbauer.ch