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Vorkämpfer gegen invasive Neophyten

  • Der Nidwaldner Bauer Martin Zimmermann bekämpft das Berufkraut durch Ausreissen und ruft die Bevölkerung auf, aktiv zu werden. – Christof Hirtler

Der Nidwaldner Bauer Martin Zimmermann bekämpft seit Jahren das Einjährige Berufkraut durch Ausreissen und ruft die Bevölkerung auf, aktiv zu werden. Auch der Kanton ist aktiv im Kampf gegen Neophyten.

 

In Ennetbürgen NW, hoch über dem Vierwaldstättersee, liegt der 18 Hektar grosse Hof Oberleh der Familie Zimmermann-Odermatt. «Vor fünf, sechs Jahren fand ich die ersten Pflanzen auf meinem Land. Der Hitzesommer 2018 hatte wesentlichen Einfluss für die rasante Ausbreitung», sagt Zimmermann. «Das Gras verdorrte und die Pflanze konnte so leicht absamen.» Die besagte Pflanze ist ein invasiver Neophyt, das Einjährige Berufkraut.

120 Stunden investiert

Bereits 2019 war der Befall auf den Ökowiesen von Martin Zimmermann derart gross, dass er mit seiner Familie 120 Stunden investierte, Pflanzen ausriss und über 150 35-Liter Kehrichtsäcke füllte. «Die invasiven Pflanzen müssen in der Kehrichtverbrennungsanlage entsorgt werden. Sonst landen sie als Grüngut im Kompost wieder in den Gärten und vermehren sich ständig weiter, auch auf dem sland. So wird das Ausreissen sinnlos», sagt Zimmermann.

Um die Pflanzen am Absamen zu hindern, beantragte er beim samt und dem Amt für Umwelt eine Bewilligung für eine frühere Schnittnutzung seiner Ökoflächen.

Das Einjährige Berufkraut hat sich längst entlang von Bachläufen, an Strassenrändern, auf Dächern und in privaten Gärten etabliert. Das ist vielen Hausbesitzern nicht bewusst. Darum gelangte Zimmermann über die Zeitung an die Öffentlichkeit. «Ich erhielt nur positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung.» Längst ist auch der Nidwaldner Bauernverband, das Amt für oder das Amt für Umwelt aktiv. Auch die Gemeinde Ennetbürgen informiert über Merkblätter, im Gemeindeheft und auf Ihrer Internetseite.

Alle sollen mithelfen

«Die Bekämpfung des Einjährigen Berufkrauts ist langfristig nur erfolgreich, wenn alle, wir Bauern, die Bevölkerung, die Gemeinden und der Kanton aktiv werden», sagt Zimmermann. Seit Frühjahr 2021 wird im Kanton Luzern der Neophytensack, ein gemeinsames Projekt des Kantons Luzern und der Abfallverbände im Kanton, den Luzerner Gemeinden zur Abgabe an die Bevölkerung kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf dem Infoportal von Stadt und Kanton Luzern wird die Bevölkerung von der Umweltberatung zur aktiven Bekämpfung der Neophyten aufgerufen. Mit einer Inva-
sivApp kann die Bevölkerung auf einfache Art Standorte von invasiven Pflanzen digital erfassen. Im Neophyten-Feldbuch von Infoflora können alle bisher kartierten Standorte von invasiven Neopyhten eingesehen werden.

Das Einjährige Berufkraut steht auf der Schwarzen Liste (Liste der invasiven Neophyten der Schweiz).
Die Pflanze wird etwa bis 100 Zentimeter hoch, die Blätter sind hellgrün, beidseits behaart und meist gezahnt. Das Einjährige Berufkraut wird vom Vieh gemieden, damit kann es sich auf Weiden massiv vermehren und diese stark verunkrauten.

Auf Magerwiesen verdrängt es die einheimische Flora. Aus einer einzigen Pflanze, die bis zu 50000 Samen bildet, kann ein ganzer Bestand entstehen. Um die Pflanze zu bekämpfen muss sie von Hand ausgerissen werden. Wird das Kraut jedoch nur gemäht, geschieht ein Wachstumsschub: die Pflanze entwickelt mehrere neue Triebe und treibt im nächsten Frühling wieder aus.

Bekämpfungsstrategien

Das Einjährige Berufskraut kann durch folgende Massnahmen bekämpft werden:
•Ausreissen: Einzelpflanzen, kleine und grosse Bestände, bei denen eine möglichst rasche Eliminierung angestrebt wird, mehrmals (alle 3−4 Wochen) von Mai bis Oktober.
•Mehrmaliges, tiefes Mähen über mehrere Jahre: Mähen vor der Blüte verhindert ein Versamen, und somit eine weitere Ausbreitung der Pflanze.
•Kombination Mähen und Ausreissen: Da eine Eliminierung durch Mähen nicht erreicht werden kann, wird eine Kombination von Mähen und Ausreissen empfohlen. Grosse Bestände sollen so weit wie möglich von aussen her ausgerissen werden.

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Quelle: schweizerbauer.ch