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«Übers Wichtige entscheiden wir gemeinsam» 

  • Bei Ramon und Olivier Ruprecht macht betriebseigenes Heu den Grossteil der Winterfütterung aus. – zvg

Olivier Ruprecht, bislang Redaktor beim «Schweizer  Bauer», hat am 1. Januar 2022 zusammen mit seinem Bruder Ramon den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb in Düdingen FR übernommen. Welche Pläne sie verfolgen, lesen Sie im Interview

«Schweizer Bauer»: Sie haben per 1. Januar 2022 zu zweit den Betrieb von Ihren Eltern übernommen. Was ist das für ein Gefühl?
Ramon Ruprecht: Wir sind beide gespannt, wie sich das entwickeln wird und wie wir zwei uns im Alltag auf dem Betrieb ergänzen werden.
Olivier Ruprecht: Wir kaufen das Inventar und pachten den Betrieb vorerst. Für später ist geplant, dass wir den Betrieb als Ganzes käuflich übernehmen.

Wer wird was machen?
Ramon Ruprecht: Olivier ist verantwortlich für die Kühe und die Administration, ich bin verantwortlich für den Ackerbau und die Maschinen.
Olivier Ruprecht: Es ist klar, dass wir über Grundsätzliches und grössere Anschaffungen zusammen entscheiden werden. Wir haben beide den Status von Bewirtschaftern und bilden zusammen eine einfache Gesellschaft, in welcher wir die Details unserer Zusammenarbeit vertraglich geregelt haben.

Wie sieht der Betrieb aus?
Ramon Ruprecht: In erster Linie betreiben wir Milchwirtschaft mit gut 40 Hektaren Grünland. Und dann haben wir etwa 15 Hektaren Ackerbau, wobei das Futtergetreide und der Mais für den Eigengebrauch sind. Olivier Ruprecht: Für unsere 60 Kühe und unsere Aufzuchttiere braucht es viel Stroh als Streumaterial und als Bestandteil der Winterfütterung bei den Rindern.  

Wohin geht die Milch?
Olivier Ruprecht: Unsere silofrei hergestellte Milch geht an die Käserei Düdingen, in der die Milch zu Gruyère AOP verarbeitet wird. 

Gruyère AOP – nehmen Sie das auch als Erfolgsgeschichte wahr?
Ramon Ruprecht: Ja. Für uns ist es sehr wertvoll, dass wir die Milch dorthin liefern können. Wir hatten das Glück, dass unsere Käserei im Jahr 2013 von Emmentaler AOP auf Gruyère AOP umstellen konnte. Erst dieser Schritt ermöglichte uns im gleichen Jahr den Bau des neuen Laufstalles für unser Milchvieh. Für eine solche Investition ist ein stabiler und angemessener entscheidend. 

Wie fahren Sie mit dem Betrieb weiter?
Ramon Ruprecht: Im ersten Jahr werden wir wohl nur wenig verändern. Dann werden wir laufend Anpassungen vornehmen, wenn es nötig und sinnvoll ist. 
Olivier Ruprecht: Ramon hat die letzten sieben Jahre bereits Vollzeit auf dem Betrieb gearbeitet. Ich habe trotz Ausbildung und meinen Hauptjobs nebenberuflich auf dem Betrieb mitgearbeitet. Als landwirtschaftlicher Berater in Grangeneuve und als Redaktor beim «Schweizer Bauer» habe ich Einblick in viele Betriebe gehabt. Der Betrieb ist aber dank unseren Eltern bereits gut aufgestellt und für die Zukunft gerüstet.

Wie sieht Ihr Viehbestand aus?
Ramon Ruprecht: Die Rassen Holstein und Red Holstein machen zwei Drittel unserer 60 Kühe aus. Die übrigen sind Swiss-Fleckvieh-Kühe, die wir von unserem ehemaligen BZG-Partner Hubert Kessler übernommen haben, als er per 31. Dezember 2020 in Pension gegangen ist. Unser Vater begann seinerzeit mit Einkreuzungen mit Red-Holstein-Genetik in die Simmentaler-Herde unseres Grossvaters und entwickelte den Viehbestand weiter. So dürfen wir eine gut funktionierende Kuhherde übernehmen. 

Viehzüchterisch haben Sie gewisse Ambitionen. Was haben Sie vor?
Olivier Ruprecht: Ich sehe, dass gewisse gesellschaftliche Herausforderungen da sind, etwa beim Antibiotikaeinsatz (Mastitisresistenz), aber auch das Enthornen wird zunehmend kritisch gesehen. Ich denke, wir haben heute die Mittel zur Hand, um diese Themen züchterisch bearbeiten zu können. Um hier schneller vorwärtszukommen, arbeiten wir eng mit der B.O.A. Group zusammen, bei der ich selbst einer der drei Partner bin. Derzeit stehen auf dem Betrieb rund zehn Tiere, die der B.O.A. Group gehören.

Was ist Ihnen bei der Stierenwahl wichtig, und welche Stiere setzen Sie im Moment ein?
Ramon Ruprecht: Uns ist wichtig, dass wir wirtschaftliche und funktionelle Kühe haben, die auch Milch geben.  Olivier Ruprecht: Aber natürlich sehen wir auch gerne schöne Kühe. Genau diese Ziele verfolgt auch B.O.A. Bei uns erfolgen die erste und die zweite Besamung grundsätzlich gesext. Aktuell werden u.a. Ranger, Ryder, Max PP, Sanchez P und Mooi P und bei Swiss Fleckvieh Lorbas P und Swat eingesetzt. 

Wie sieht Ihr Maschinenpark aus?
Ramon Ruprecht: Die Grünlandbewirtschaftung machen wir mit eigenen Maschinen (die meisten von Pöttinger), bis auf das Güllefass, das wir in einer Gemeinschaft nutzen. Auch für den Ackerbau haben wir eigene Maschinen, das Dreschen, Ballenpressen und Spritzen vergeben wir an Dritte. haben wir total vier, wir setzen auf die Marke Deutz. Den jüngsten Traktor haben wir vor zwei Jahren gekauft, es war auch aus Kostenüberlegungen ein Occasionsmodell, ein Deutz 110K mit Jahrgang 2008.

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Quelle: schweizerbauer.ch