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Sie ringen um ersten Schweizer Hummus

  • Anik Thaler hat fyn.food gegründet. Es macht Humus aus er Zutaten. Lukas Weidmann (l.) liefert ihr die Kichererbsen. – Anne Kokenbrink
  • Anik Thaler hat fyn.food gegründet. Es macht Humus aus er Zutaten. Lukas Weidmann liefert ihr die Kichererbsen. – zvg

Anik Thaler hat mit ihrer Firma «fyn food» einen Hummus ganz aus er Zutaten entwickelt. Die Kichererbsen liefert ihr Lukas Weidmann. Der nasse Sommer hätte dem jungen Unternehmen fast den Todesstoss gegeben.

Frühling 2021. Es sieht vielversprechend aus. Lukas Weidmann schlendert bei Sonnenschein seinem Feld entlang und erfreut sich an den Stängeln, die mit ihren zarten Blättern langsam in die Höhe wachsen. Er ist zuversichtlich, dass er von ihnen im Sommer Kichererbsen ernten wird. Zwei bis drei Tonnen sollen die 2,6 Hektaren abwerfen.

Auch Anik Thaler aus Dietikon ZH freut sich. Sie ist der Grund, warum Weidmann überhaupt Kichererbsen anbaut. Die junge Frau studierte an der ETH Agrarwissenschaften. Dort wurde sie auf die Hülsenfrucht aufmerksam und wunderte sich, warum in der nicht mehr davon angebaut wird. Sie beobachtete eine gewisse Nachfrage nach pflanzlichen Proteinen aus er n.

Grosses Risiko

Gerade Hummus schien ihr ein beliebtes Produkt. Das enthält traditionellerweise nebst Kichererbsen Sesampaste und Olivenöl. Alles ausländische . Thaler experimentierte in ihrer Küche und kam zum Schluss, dass man die Paste stattdessen mit er Sonnenblumenkernen und -öl machen konnte. Sie beendete ihr Studium, kam durch ein Crowd Funding zu 15000 Franken, fand eine Metzgerei, die auch vegetarische Produkte herstellt und über die nötigen Maschinen verfügt, um ihren Hummus zu produzieren. Sie traf Bauern, die ihr Sonnenblumenkerne und -öl verkauften und suchte Produzenten, die ihr Kichererbsen anbauten. Im Februar 2021 gründete sie die Firma «fyn food».

Durch einen Zeitungsartikel wurde Biobauer Lukas Weidmann aus Schlieren ZH sie aufmerksam. Er hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, einmal Kichererbsen anzubauen. Sie würden gut zu seiner Fruchtfolge, seinem und seiner Philosophie (siehe Kasten) passen. Er kam mit Thaler in Kontakt und sie handelten einen Vertrag aus. Nebst dem Anbau ist er auch für die Reinigung und Trocknung der Kichererbsen verantwortlich und sollte 7.50 Franken pro Kilo bekommen. In diesem relativ hohen Preis ist abgegolten, dass er für Kichererbsen keine Einzelkulturbeiträge bekommt. Da Kichererbsen in der noch kaum kultiviert werden und man über ihren Anbau noch nicht viel weiss, ging er damit ein gewisses Risiko ein. Das trägt er laut Vertrag selbst. Trotzdem wagte er es. Weil es ihm Freude macht, Neues auszuprobieren und er es vor dem Hintergrund des Klimawandels als sinnvoll erachtet, auf Kulturen zu setzen, die gegen Hitze und weitgehend resistent sind.

Es sah also alles gut aus. Weidmann freute sich am Ausprobieren und Thaler auf ihren wichtigsten Rohstoff.

Dann kam der Sommer. Und es regnete. Das tat den Pflanzen nicht gut. Im August waren sie derart vom Pilz Ascochyta befallen, dass Weidmann nichts ernten konnte. Thaler stand ohne Kichererbsen da. Das traf sich schlecht. Biopartner, der Bioprodukte an Läden ausliefert, und Alnatura hatten ihren Hummus, den es in vier Sorten zu kaufen gibt (nature, Rüebli-Chili, Randen-Meerrettich und Kräuter) gerade ins Sortiment aufgenommen.

Da sie sich im ersten Produktionsjahr befand, hatte sie aber nichts an Lager. Sie und ihre Mitgründer Cyrill Hess und Tobias Vogel mussten entscheiden. Entweder gaben sie das Unternehmen wieder auf. Obwohl mittlerweile alle drei Vollzeit dafür arbeiteten und Aussicht auf einen Lohn hatten. Oder sie importierten.

Hoffnung auf Sommer

Sie entschieden sich für Letzteres und kauften einer Kooperative aus Italien eine Tonne Biokichererbsen ab. Das ist einerseits ärgerlich. Thaler hat das Rezept des Hummus extra so umgeschrieben, dass alle Zutaten aus der stammen können. Zudem war die Bezeichnung als erster er Hummus ein wichtiges Marketing- und Verkaufsargument. Andererseits erlaubte es ihr weiterzumachen und «den Anbau von einheimischen Proteinpflanzen voranzutreiben», wie sie sagt. Sie wies die besonderen Umstände um die Importkichererbsen auf ihren Etiketten aus und verkauft pro Woche 300 bis 800 Packungen Hummus à 150 g über Partner oder ihren Onlineshop.

Damit Weidmann seine Unkosten decken konnte, zahlte Thaler ihm den Preisunterschied zu den italienischen Kichererbsen aus. Nicht nur deshalb ist er gewillt, es im nächsten Jahr noch einmal zu probieren. Denn wie Thaler glaubt er an die Idee. Und beide hoffen auf einen wärmeren, trockeneren Sommer. «Das wäre auch für uns Menschen schön», so Thaler.

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Quelle: erbauer.ch