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„Schluss mit lustig“

  • Die Bauern verlangten die Anhebung der Erzeugerpreise. (Symbolbild) – Martin Brunner

Tierhalter machen vor Schlachthöfen und Molkereien auf ihre ruinöse wirtschaftliche Situation aufmerksam

Zahlreiche Bauern haben vergangene Woche vor Schlachthöfen und Molkereien in ganz Deutschland auf die ruinöse wirtschaftliche Situation in der Tierhaltung aufmerksam gemacht und eine deutliche Anhebung der Erzeugerpreise verlangt.

Bei der Aktion unter dem Motto „Schluss mit lustig“, organisiert vom „Milchdialog“ des Bundesverbandes
Deutscher Milchviehalter (BDM), der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche (), Land schafft Verbindung Deutschland (LsV), dem European Milk Board (EMB) und den Freien Bauern, wurde den Marktpartnern ein konkretes Forderungspapier überreicht. Darin wird eine gerechtere Verteilung der Erlöse innerhalb der Wertschöpfungskette angemahnt. Konkret wird verlangt, den um mindestens 15 Cent/kg anzuheben.

Bei Schweinen müsse es für das Kilogramm Schlachtgewicht 50 Cent und bei Rindern einen Euro mehr geben. Für Geflügel wird eine Preisanhebung um 20 Cent/kg verlangt. Die Situation der Betriebe sei massiv existenzbedrohend, betonten die Landwirte. So sei bei der Milcherzeugung rund ein Drittel der derzeitigen Kosten nicht gedeckt, während die Anforderungen an die Betriebe und damit auch die Kosten weiter stiegen.

Mecklenburg-Vorpommerns sminister Dr. Till Backhaus zeigte Verständnis für die Protestaktion, denn Corona-Pandemie und () hätten zusammen mit der erneuten Schließung der Gastronomie den Preisverfall bei Milch und Fleisch beschleunigt. Die Erzeuger stünden vor kaum mehr lösbaren Problemen. Es würden Milliarden ausgegeben, zum Beispiel zur Rettung von Werften, doch in der werde dem Höfesterben achselzuckend zugesehen.

Kleine Betrieb können nicht standhalten

Es seien vor allem die kleinen bäuerlich geprägten Betriebe, die dem Preisdruck des Lebensmitteleinzelhandels nicht standhalten könnten. „Wir brauchen endlich kostendeckende Rohstoffpreise“, forderte Backhaus. Die bisherigen Eingriffe in das Kartellrecht seien nicht ausreichend. „Es ist für mich unerträglich, dass die Milliardengewinne des Lebensmitteleinzelhandels einhergehen mit dem Niedergang eines Berufszweiges, dem wir im wahrsten Sinne des Wortes ´unser täglich Brot´ verdanken“, so der Minister. Vorschläge eingefordert „Wir Bäuerinnen und Bauern müssen selbst formulieren, was wir brauchen und können nicht darauf warten, dass uns jemand freiwillig ein paar Krümel abgibt“, erklärten die Teilnehmer des Milchdialogs.

Von den Marktpartnern werde erwartet, dass sie den Ernst der Lage wahrnähmen und alles dafür täten, dass die dringend benötigten Mehrerlöse für die tierhaltenden Betriebe auch erwirtschaftet werden könnten. „Wir unterstützen unsere Verarbeiter gerne dabei, sind es aber leid, abgewimmelt und im Kreis geschickt zu werden, vom Handel über den Verbraucher, über die EU und den globalen Markt und wieder zurück“, so die Verbände.

Diese kündigten an, diese Woche  zurückzukehren, um die Stellungnahmen der Verarbeiter abzuholen. Es würden substanzielle Rückmeldungen und Vorschläge erwartet, die erkennen liessen, dass nicht auf Zeit gespielt werde. Letztlich seien alle Beteiligten der Wertschöpfungskette bis hin zur Politik gefordert, mit entsprechenden Rahmenbedingungen wirklich gewinnbringende Marktpreise zu erzielen. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass keiner etwas unternehme. Bereits im August hatten die Verbände des Milchdialogs ein Umsteuern in der Agrarpolitik gefordert, hin zu existenzsichernden Marktpreisen sowie einer angemessenen Entlohnung von Umwelt- und Tierwohlleistungen..

Dabei müsse es eine Abkehr von der Ausrichtung auf eine globale Wettbewerbsfähigkeit über Billigpreise geben, und bei internationalen EU-Handelsabkommen müssten die hiesigen hohen Standards gelten. 

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Quelle: schweizerbauer.ch