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Pflaumen aus dem Jura statt Ananas

  • Gaëtan und Tim Gyger präsentieren stolz ihre Produkte – in ihren Kreationen schmeckt man, was die Jura-Landschaft zu bieten hat. – Renate Hodel
  • Mit der Brennerei hat sich auch die Produktepalette entwickelt: Von einem eigenen Enzian-Aperitif hin zu Gin und Vodka. – Renate Hodel

Wenn es nach den Brüdern Gyger geht, dann schmeckt der Jura nach Gelbem Enzian, Damaszenerpflaume, Waldmeister und Wacholder. Mit viel Kreativität, Innovation und einer Prise Tradition stellen sie Spirituosen her, die mit Regionalität quasi übersprudeln. Mittlerweile sind ihre Produkte in über 200 Läden erhältlich.

Bei Familie Gyger aus Souboz im Berner Jura war es immer schon Tradition, im Herbst auf den Bergweiden Wurzeln des Gelben Enzians auszugraben und diese zu Enzianschnaps zu verarbeiten.

Als der junge Gaëtan Gyger anfing auszugehen, entwickelte er eine Vorliebe für den in der West beliebten französischen Enzianlikör «Suze» und entdeckte, dass Enziane für weitaus mehr gut waren als nur für Schnaps. Er begann an anderen Produkten zu tüfteln und fing mit einem Sirup an – mit mässigem Erfolg.

Am Anfang steht der Enzian

Somit wendete er sich wieder den Spirituosen zu und nach und nach gelang es ihm, einen ganz schmackhaften Aperitif herzustellen. Gaëtan Gyger tüftelte solange weiter am Rezept, bis er zufrieden war: Mit dem «Souboziane» legte er den Grundstein für die handwerkliche Brennerei, in die heute auch seine beiden Brüder Tim und Luca Gyger involviert sind. Die Grundidee sei es zu Beginn auch nie gewesen, ein Produkt für den Verkauf herzustellen, erzählt Tim Gyger. Im Freundes- und Bekanntenkreis sei der Enzian-Aperitif seines Bruders jedoch so gut angekommen, dass sich das von selber so entwickelt habe.

Gaëtan Gyger konnte immer grössere Mengen produzieren und stetig ein bisschen mehr von seinem «Souboziane» verkaufen. 2014 gründete er seine handwerkliche Brennerei «Gagygnole». «Gagy» ist der Spitzname von Gaëtan Gyger, der sich aus den jeweils ersten zwei Buchstaben seines Vor- und Nachnamens zusammensetzt. «Da sich ‹Gagy› gerade in der Deutsch aber nicht besonders gut anbot, wurde der Name für die Brennerei mit ‹Gnôle› erweitert, was auf Französisch ‹Schnaps› bedeutet», erklärt Tim Gyger.

Familie «Gnôle»

Auch er begann anzupacken und half seinem älteren Bruder bei der Administration und da die Nachfrage und Produktion weiter zunahmen, stieg auch der jüngste Bruder Luca in die mittlerweile zu einem kleinen Unternehmen herangewachsenen Brennerei ein. «Letztes Jahr haben wir über all unsere Produkte rund 10’000 Flaschen produziert, die wir an mittlerweile rund 200 Verkaufspunkte in der vertreiben – die meisten natürlich in der Region, vom Berner Jura bis nach Bern», führt Tim Gyger aus. Mittlerweile seien sie aber auch in unzähligen anderen Regionen der ganzen wie Zürich, Lausanne, Genf bis nach Romanshorn vertreten.

Nicht nur die Produktion und der Vertrieb wuchsen, auch das Angebot wurde weiterentwickelt. «Da wir totale Gin-Liebhaber sind und auch die Gin-Craft-Destillerie-Szene toll finden, wollten wir unbedingt selber einen Gin produzieren», erzählt Tim Gyger. Neben dem obligaten Wacholder durfte bei der neuen Gin-Kreation auch die Würze des Enzians nicht fehlen – das Erbgut der Jurahöhen gehört zum festen Bestandteil des Erfolgsrezepts von Gagygnole. Der Zusatz von er Hopfenzapfen aus Solothurn verleiht dem «Fran-Gin» der Brüder Gyger noch mehr Exklusivität.

Waldmeister, Enzianwurzeln, Wacholder oder Koriander – Gagygnole verwendet, was die Natur gibt.
Renate Hodel

«Damasson rouge»

Die Fülle an speziellen Zutaten, welche die Natur des Juras zu bieten hat, scheint die Kreativität bei Gagygnole geradezu zum Fliessen gebracht zu haben: Als nächstes wurde an einem getüftelt. «Das war zuerst quasi ein Auftragsprodukt», erklärt Tim Gyger. «Wir haben einen Event gemacht und die Organisatoren wollten einen , also haben wir einen kreiert – natürlich wieder mit Zutaten aus unserer Region und so sind wir auf den Waldmeister gekommen.» Der getrocknete Waldmeister wird direkt in die Flasche eingelegt und verleiht dem sogenannten «Vodkatapulte» eine leichte Vanillenote.

«Dann haben wir schliesslich noch den Dama-Gin entwickelt», erzählt Tim Gyger weiter. «Wir haben beobachtet, dass es auf dem Markt viel fruchtigen Gin gibt – vor allem aber mit importierten Zutaten wie Vanille oder Mango oder Ananas.» Das hat die Brüder Gyger angespornt auch einen fruchtigen Gin zu entwickeln und ihm den Geschmacksstempel der Region aufzudrücken.

Die Pflaumensorte «Damasson rouge» ist Merkmal und Wahrzeichen in der Region und vor allem bekannt durch den Branntwein «Damassine AOP», der ausschliesslich im Kanton Jura produziert werden darf. Da auf dem Bauernbetrieb der Gygers aber auch rund 50 Damaszenerpflaumenbäume wachsen, war klar, dass es einen fruchtigen Gin mit Damasson-rouge-Pflaumen gibt.

Von A bis Z

Vom Sammeln und Pflücken der Zutaten über das Destillieren und Abfüllen bis hin zur Etikettierung und dem Vertrieb beherrschen Gaëtan, Tim und Luca Gyger den ganzen Prozess. Das ist ihnen auch besonders wichtig: «Wir wollen, dass unsere Kunden wissen, woher die Zutaten in unseren Gagygnole-Kreationen stammen und wer sie herstellt.» Gygers versuchen möglichst mit lokalen und biologischen Zutaten zu arbeiten – so wächst ein Grossteil der Zutaten wie der Enzian, Waldmeister und die Damaszenerpflaumen quasi vor der Haustüre.

Der Wacholder stammt aus dem Kanton Waadt, der Hopfen aus Solothurn und der Chasselas-Weisswein, der im «Souboziane» enthalten ist, kommt von Vevey. «Der einzige heikle Punkt sind die Orangen und Zitronen, die wir in Bio-Qualität direkt aus Spanien einführen – auch da kennen wir den Produzenten aber persönlich», erklärt Tim Gyger.

Alles Zutaten auf eigenen Hof produzieren

Die drei Brüder streben an, in fünf bis zehn Jahren möglichst alle Zutaten auf dem eigenen anzubauen – Versuche unter anderem mit Koriander laufen bereits. Und auch die Destillation selber wurde vor Kurzem ins eigene Haus geholt.

«Gaëtan hat unsere Produkte immer schon selber gebrannt, einfach nicht bei uns auf dem Hof, sondern in einer Brennerei im Nachbardorf Sornetan», erklärt Tim Gyger. Seit der Anschaffung ihres eigenen Destillierkolbens im letzten Jahr, brennen die Brüder nun vor Ort in ihrer eigenen kleinen Brennerei auf dem Bauernhof.

Blick in den Destillierkolben: Die Brüder Gyger wollen dem Handwerk ihrer Vorfahren mit der Entwicklung von neuen und innovativen Spirituosen neues Leben einhauchen.
Renate Hodel

Drei Brüder im Dienste des Terroirs

Gagygnole ist ein Zusammenspiel aus Tradition und Innovation, ein Fortführen alter Handwerkskunst mit neuen und trendigen Spirituosen. Und es ist ein gutes Zusammenspiel der Gyger Familienbande: «Die Rezepte hat vor allem Gaëtan ausgetüftelt, in dem er in Büchern und im Internet recherchiert hat – Luca und ich haben dann beim Degustieren und damit beim Verfeinern der Rezepte geholfen», lacht Tim Gyger.

Durch die verschiedenen Meinungen und Empfindungen aus dem Trio ergebe sich ein gutes Gleichgewicht fürs Produkt und die gewonnenen Medaillen für ihre «Gnôles» bestätigten den Brüdern, dass sie Produkte mit hervorragender Qualität herstellen.

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Quelle: erbauer.ch