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Pflanzenzüchter fordern Planungssicherheit

  • Die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln bedingt neue Schwerpunkte in der Pflanzenzüchtung, so die Deutschen Pflanzenzüchter. – Rebecca Leber

Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) hat von der Bundesregierung mit Blick auf die zurzeit diskutierte Ausgestaltung der Ackerbaustrategie Planungssicherheit für die Züchter gefordert. 

Die betreffenden Maßnahmen müssten zielführend und langfristig ausgestaltet werden, schreibt BDP-Geschäftsführer Dr. Carl-Stephan Schäfer in einem Rückblick auf das Jahr 2020. Die BDP-Vorsitzende Stephanie Franck arbeite in der Zukunftskommission (ZKL) der Bundesregierungen mit. Empfehlungen und Vorschläge zur Ausrichtung der in Deutschland sollten trotz des knappen Zeithorizonts bis zum nächsten Herbst ausformuliert werden, betonte Schäfer.

Unterdessen erforderten der steigende Befallsdruck durch tierische Schaderreger und die zunehmende Resistenzbildung gegenüber insektiziden Wirkstoffen in Insektenpopulationen sowie Strategien zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln neue Schwerpunkte in der Pflanzenzüchtung. Deshalb forderten die Pflanzenzüchter eine über zehn bis 15 Jahre interdisziplinär angelegte Forschungsstrategie zum Insektenmanagement und eine entsprechende Bekanntmachung zur Forschungsförderung. Schäfer zufolge ermöglicht die Auswahl von Sorten aus einer breiten Palette züchterisch bearbeiteter Kulturarten bereits heute eine standortangepasste . «Für einen noch besser an die sich wandelnden Umweltbedingungen angepassten Ackerbau, der zugleich umweltschonend, ressourceneffizient und ertragssicher wirtschaftet, wird die Ergänzung der bereits bestehenden Kulturartenvielfalt um bislang wenig genutzte Kulturarten ein wichtiges Element sein. Neben der öffentlich getragenen Forschung setzt die privatwirtschaftliche züchterische Bearbeitung solcher Kulturarten eine Nachfragesteigerung in der voraus», betont der BDP-Geschäftsführer.

Züchtungsfortschritt „massiv gehemmt“

Laut Schäfer hat die Entscheidung der Großen Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes (EPA) im Mai 2020 zum Patentierungsverbot von Pflanzen aus Kreuzung und Selektion den Sortenschutz als primäres Schutzrecht in der Pflanzenzüchtung zwar gefestigt. Allerdings erschwerten gesetzliche Lücken die Umsetzung des Sortenschutzrechts, so dass den Pflanzenzüchtern über 15 Mio. Euro und damit etwa die Hälfte der ihnen zustehenden Nachbaugebühren entgingen. Der Züchtungsfortschritt werde dadurch massiv gehemmt. «Die gesetzliche Grundlage muss entsprechend korrigiert und eine praxisnahe Nachbauregelung geschaffen werden», fordert der BDP-Geschäftsführer.

Genome Editing im Fokus

Unterdessen erwarten die Pflanzenzüchter Schäfer zufolge mit Spannung die für April 2021 angekündigte Stellungnahme der Europäischen Kommission zur Aktualität der europäischen Gentechnikgesetzgebung. Der rechtliche Status der neuen Züchtungsmethoden werde entscheidend dafür sein, ob die Verfahren in Deutschland und Europa angewendet werden könnten. Der BDP sehe nach wissenschaftlicher Erkenntnislage keinen Grund dafür, Pflanzen, die sich nicht von klassisch gezüchteten unterscheiden oder auch natürlicherweise vorkommen könnten, als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zu regulieren. Antworten auf offene Fragen im Bereich der neuen Züchtungsmethoden solle das in diesem Jahr von 54 Pflanzenzüchtungsunternehmen gestartete Gemeinschaftsprojekt «PILTON» liefern. Dazu würden Weizenpflanzen mit verbesserter, multipler und dauerhafter Pilztoleranz mittels CRISPR/Cas entwickelt. So solle der Nutzen neuer Züchtungsmethoden für eine ressourcenschonende und produktive evaluiert und das Potential zur Einsparung von Pflanzenschutzmitteln überprüft werden.

Projektergebnisse in der Praxis überprüfen

Wie Schäfer weiter ausführt, wollen die Pflanzenzüchter im Rahmen von «PILTON» auch analysieren, wie derzeit angebotene Genome Editing-Methoden von Unternehmen der Pflanzenzüchtung – auch vor dem Hintergrund bestehender Schutzrechte – genutzt werden können. «Lizenzstrukturen der Anbieter und deren Anforderungen an potentielle Lizenznehmer sollen mit den Möglichkeiten der in Deutschland tätigen Pflanzenzüchtungsunternehmen abgeglichen werden», erklärt der BDP-Geschäftsführer. Eine weitere zentrale Frage sei, wie die Projektergebnisse in der lichen Praxis ankommen könnten. Eine Überprüfung im Feld werde unerlässlich sein, um die Toleranzeigenschaften unter Praxisbedingungen zu testen.

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Quelle: schweizerbauer.ch