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Milch: «Bundesrat muss Machtwort sprechen»

  • Die Milchbauern kämpfen mit steigenden Kosten. – Ehrecke

Die Branchenorganisation Milch (BOM) belässt den Richtpreis für A-Molkereimilch bei 73 Rappen je Kilo. Für BIG-M ist das ein schlechtes Signal. Dass die BOM die B-Milch nicht freiwillig macht, erachtet BIG-M als Affront. Nun müsse der Bundesrat eingreifen.

Auf den 1. Januar 2021 wurde der Richtpreis für Milch im A-Segment um 2 Rappen auf 73 Rappen je Kilo erhöht. Die Branchenorganisation Milch (BOM) begründete die Erhöhung im November 2020 mit der gestiegenen Nachfrage von Molkereiprodukten und Käse im Inland. Die Erhöhung sei nicht auf die internationale Marktlage zurückzuführen.

An der Vorstandssitzung von Ende Mai entschied die BOM, den Richtpreis bis Ende 2021 bei unverändert 73 Rp./kg Milch im A-Segment zu belassen. Am 19. November teilte die Organisation mit, den Richtpreis auch für das erste Quartal 2022 bei 73 Rappen zu belassen. Gründe für diesen Entscheid nannte die BOM nicht.

Betriebe haben höhere Kosten

Diesen Beschluss kann die die Bäuerliche Interessen-Gruppe für Marktkampf (BIG-M) nicht nachvollziehen. «Das ist ein schlechtes Signal für die Milchviehbetriebe», heisst es im jüngsten Newsletter. Die Futtersituation sei nach diesem Sommer und Herbst sehr angespannt. Viele Betriebe müssten Futter zukaufen. Die Kosten für die Bauern nehmen nicht nur beim Futter, sondern auch bei der Energie und anderen Betriebsmittel zu.

«Mit dem Beschluss der BOM, den Preis nicht anzuheben, verschlechtert sich das Einkommen der Bauernfamilien», folgert BIG-M. Für die Bauernorganisation ist klar: Die BOM kümmert sich nur um die Wertschöpfung der Molkereien und des Lebensmittelhandels.

BOM will keine freiwillige B-Milch

Sauer aufgestossen ist BIG-M auch die Kommunikation bezüglich des Einzugs Fonds Rohstoffverbilligung. Der Abzug auf nicht verkäste Milch wird per 1. Januar 2022 4,5 Rp. pro Kilogramm betragen. «Mit dem Verzicht auf den vollen Einzug der 5 Rappen Zulage für Verkehrsmilch unterstützt die BOM den Wunsch des Parlaments und des Bundesrats, die Situation der Produzenten von Molkereimilch zu verbessern», schrieb die Branchenorganisation Mitte November.

Für BIG-M ist diese Begründung ein Affront. «Genau dieselbe Organisation setzt sich mit dem Standardmilchkaufvertrag über dieses Parlament hinweg», hält BIG-M fest. Denn von der vom Parlament geforderten Freiwilligkeit der B-Milch wollte die Branchenorganisation nichts wissen. «Die Freiwilligkeit der B-Milch gefährdet das Erfolgsmodell der Segmentierung. Damit hätte auch das Ende der A-Milch mit unberechenbaren Folgen im Schweizer zur Folge. Deshalb lehnten auch die Milchproduzenten innerhalb der BOM diese Forderung geschlossen ab», teilte die BOM Anfang Juli 2021 mit.

Hoffnung auf Machtwort von Bundesrat

Das Nichtbeachten des Parlamententscheids erachtet BIG-M als inakzeptabel. «Die Parlamentarier haben erkannt, dass es vielen Bauern besser ginge, wenn sie weniger B-Milch liefern müssten. Der Auszahlungspreis für die restliche Milch würde dadurch besser», heisst es im Newsletter. Insbesondere in der aktuellen Situation wäre ein besserer hilfreich, heiss es weiter.

«Die BOM missachtet den Willen des Parlamentes», so BIG-M weiter. Deshalb hofft die Bauernorganisation auf ein Machtwort des Bundesrats und die Milchbranche in die Pflicht nimmt. 2Beschlüsse des Parlamentes sind auch dann umzusetzen, wenn Probleme der Milchviehbetriebe gemindert werden sollen», heisst es weiter.

Bundesrat stimmt Standardvertrag zu

Die BOM hat an ihrer Delegiertenversammlung vom Juni 2021 beschlossen, ihr Reglement Standardvertrag und Segmentierung auf den 1. Januar 2022 anzupassen. Um die Umsetzung des Standardvertrags und der Segmentierung flächendeckend sicherzustellen, ersuchte die BOM Mitte September den Bundesrat, ihr Reglement erneut für vier Jahre auf allen Stufen des Kaufes und des Verkaufes von Rohmilch allgemeinverbindlich zu erklären.

Damit sollen gemäss BOM die Planbarkeit und die Transparenz bei den en verbessert werden. So müssen die Käufer von Rohmilch ihren Lieferanten jeden Monat die Konditionen (Mengen und Preise) für das A- und B-Segment bis spätestens am 20. Tag des Vormonats bekannt geben.

Der Bundesrat hat dem Gesuch am 24. November 2021 zugestimmt und den Standardvertrag für vier Jahre (2022–2025) allgemeinverbindlich erklärt. «So können die Planbarkeit und die Transparenz für die Milchproduzenten beim Verkauf ihrer Milch verbessert werden», schreibt der Bundesrat dazu.

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Quelle: schweizerbauer.ch