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«Maiskauf beim Nachbar nicht mehr möglich»

  • Sie kämpfen gegen die beiden -Initiativen (v.l.): Michael Gilgen, Adrian Wenger, Leana Waber und Hans Jörg Rüegsegger. – Olivier Ruprecht
  • Mit einem Lastwagen brachten der Berner Bauern Verband und die symbolisch ausländische Ware nach Bern. – Olivier Ruprecht
  • Die suchen das Gespräch mit den Passanten. – Olivier Ruprecht
  • Pouletbrust aus ? Eier aus Polen? Damit wurden die Passanten am Dienstag in Bern konfrontiert. – Olivier Ruprecht
  • Leana Waber aus Kiesen BE vertritt den Kanton Bern in der -Kommission des Schweizer Bauernverbands. – Olivier Ruprecht
  • Weitere Verpackungen warnen vor mehr Kartoffeln aus Ägypten oder Äpfel aus Neuseeland. – Olivier Ruprecht

Auf dem Waisenhausplatz in Bern warnten und der Berner Bauernverband vor mehr Importen durch eine Annahme der beiden -Initiativen. Die Passanten hörten ihren Schilderungen aufmerksam zu.

Spargeln aus Peru, Kartoffeln aus Ägypten oder Äpfel aus Neuseeland. Das blüht der Schweizer Bevölkerung gemäss dem Berner Bauernverband (BEBV) und den n nach Annahme der Trinkwasser- oder der Pestizidverbotsinitiative. Um ihrer Befürchtung Nachdruck zu verleihen, führten sie gestern Dienstag symbolisch massenweise Auslandprodukte auf den Berner Waisenhausplatz und suchten das Gespräch mit Passanten.

«Fussabdruck überall da»

«Wir wollen hier die Leute erreichen, die schon auf Schweizer Produkte setzen und heute auf dem Wochenmarkt auf dem Bundesplatz ihre Waren einkaufen», sagte BEBV-Präsident Hans Jörg Rüegsegger. Bereits beim Aufstellen heute Morgen habe er gespürt, wie neugierig die Leute ob der Aktion seien. «Sie machen sich Gedanken darüber, welche Wappen auf unseren Verpackungen erscheinen.» Das sei auch nicht verwunderlich, schliesslich seien die Konsumenten von den Auswirkungen der Initiativen direkt betroffen. Rüegsegger rechnet vor: 350 Gramm Gemüse konsumiert jede Person pro Tag. Das ergibt für die Stadt Bern jährlich 600 Eisenbahnwagons voll. «Wir Landwirte stehen dafür ein, diese nachhaltig, umweltschonend und regional zu produzieren. Gleichzeitig bieten wir auch Hand für Verbesserungen, wo wir noch nicht genügend sind. Auch in Bezug auf die Neudefinition von Umweltzielen.» Rüegsegger will die Passanten aber auch über den Fussabdruck aufklären: «Egal wo produziert werden. Ob hier, in Neuseeland, in Polen oder in . Wo wir essen aus einer Region wegnehmen wird der CO2-Fussabdruck vor Ort hinterlegt.» 

Respekt vor Preisen

Junglandwirtin Leana Waber aus Kiesen BE wollte aktiv etwas gegen die «einschneidenden» Initiativen unternehmen. «Das will ich nicht einfach auf mir sitzen lassen», sagt sie entschlossen. Deshalb versucht sie den Leuten in Bern möglichst praxisnah die Auswirkungen der -Initiativen mit auf den Weg zu geben. «Auf unserem haben wir uns mit 60 Milchkühen stark auf die Milchproduktion spezialisiert. Für eine ausgeglichene Fütterung und gesunde Tiere müssen wir aus dem Dorf zukaufen.» Nach einer Annahme der Trinkwasserinitiative wäre genau das aber verboten. «Folglich müssten wir die Milchproduktion stark zurückschrauben. Die Gebäude wären entsprechend nicht mehr ausgelastet. Das bedeutet höhere Produktionskosten.» Diese wolle dann niemand bezahlen. Dasselbe Problem sieht Waber bei der Karotten- und Kartoffelproduktion, von der sie je sieben Hektaren anbauten. «Durch eine in der Folge extensivere Produktion reichen die familieneigenen Arbeitskräfte und die ein bis zwei Lernenden nicht mehr», ist sie überzeugt. Sie glaube dann nicht an höhere Preise der Abnehmer. «Davor habe ich grossen Respekt, wenn gleichzeitig ein Teil der Ware weiter importiert wird.» 

«Initiativen machen Angst»

Auch Junglandwirt Adrian Wenger aus Kirchenthurnen BE zeigt sich besorgt. «Beide Initiativen machen Angst.» Zwar tönten sie im ersten Moment gut, denn alle wollten schliesslich wenig Pestizide und sauberes Trinkwasser. «Doch mit Aussagen allein ist es nicht gemacht», so Wenger, der auf dem Milch- und Ackerbau der Eltern Teilzeit mitarbeitet. Schon früh am Morgen habe er eine interessante Begegnung mit einer jüngeren Person gemacht, erzählt er. «Er wusste nicht, was wir Bauern bereits alles unternehmen.» Viele seien sich dessen nicht bewusst. «Die Person hörte aufmerksam zu und erklärte mir, dass man von aussen eben oft nur die Spitze des Eisbergs sehe.» Wenger fände es «jammerschade», wenn wegen solchen Volksinitiativen der Selbstversorgungsgrad zurückgehe. Denn: «Gerade die Coronazeit hat uns vor Augen geführt, wie wichtig die Selbstversorgung ist. Wir können nicht blind auf die anderen Länder vertrauen», so Wenger, der schon kurze Zeit später einem Passanten einen Apfel in die Hand drückt. Ganz nach dem Motto: «Hoffentlich nicht der letzte Schweizer Apfel.»

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Quelle: schweizerbauer.ch