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Kleinbauern: «10 Gründe für die Pestizid-Verbots-Initiative»

  • Der Katzhof in Richenthal LU ist für die Pestizid-Verbots-Initiative. Eine Produktion ohne synthetische Pflanzenschutzmittel sei problemlos möglich, sagt Biobauer Markus Schwegler von Biohof Katzhof. – Kleinbauern

Im kommenden Juni wird das Stimmvolk über die Trinkwasser- und Pestizid-Verbots-Initiative befinden. Der Abstimmungskampf ist bereits lanciert. Die Kleinbauern-Vereinigung listet in einem Positionspapier auf, weshalb die Landwirtinnen und Landwirte ein Ja in die Urne legen sollen.

Am 13. Juni 2021 könnte das Stimmvolk dafür sorgen, dass es in der zu einer grossen Veränderung kommt. Denn bei einer Annahme der Trinkwasser- und die Pestizid-Verbots-Initiative müssten vielen Bauern ihren Betrieb neu ausrichten.

Schweiz würde «Bioland»

Die Pestizid-Verbots-Initiative fordert ein Verbot synthetischer Pflanzenschutzmittel in der lichen Produktion, in der Verarbeitung licher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege. Das gilt auch bei Importen. Bei einer Annahme würde die Schweiz zu einem «Bioland».

Das Begehren wird vom Schweizer Bauernverband und vielen weiteren lichen Organisationen bekämpft. Die Schweiz würde zu einem politisch erwirkten Bioland bei pflanzlichen Lebensmitteln, so der Verband. «Die Konsumentinnen und Konsumenten hätten keine Wahl mehr. Ausser sie gehen ennet der Grenze einkaufen», teilte der SBV mit.

Industrie dagegen

Für die könne eine solche Umsetzung ein Befreiungsschlag sein. Die Schweizer Produktion wäre nicht benachteiligt, weil die Importe die gleichen Anforderungen erfüllen müssen. Der SBV geht aber davon aus, dass die Umsetzung die WTO-Verpflichtungen der Schweiz verletzen würde.

Entschieden gegen die Initiativen dürfte die Lebensmittel-Industrien sein. Diese dürfte nur noch Bio-Produkte verarbeiten, da der Import von konventionellen Produkten verboten wäre.

Kleinbauern mit Ja-Kampagne

Bereits Anfang Februar hat die Kleinbauern-Vereinigung (VKMB) ihre Kampagne «Zukunft sichern, pestizidfrei produzieren» für ein Ja zur Pestizid-Verbots-Initiative vorgestellt. Für die VKMB ist ein Systemwechsel unabdingbar. «Die industrielle, auf Chemie basierende ist nicht mehr zeitgemäss», liess Regina Fuhrer-Wyss, Präsidentin der Kleinbauern-Vereinigung, in der Mitteilung zitieren. «Nur mit pestizidfreier Produktion können wir gesunde Lebensmittel, ertragreiche Böden und die nötige Biodiversität bewahren – und damit eine gesunde Schweiz der Zukunft auch für unsere Kinder», fuhr sie fort.

«Dass synthetische Pestizide mittel- bis langfristig keine Option sind, bezeugen überdies diverse resistente Unkräuter, Insekten oder Pilze, bei denen und Fungizide nicht mehr nützen und immer neue Wirkstoffe erfordern», schrieben die Kleinbauern.

«Auch der eigene Hof profitiert»

Und nun doppeln die Kleinbauern nach. In einem Positionspapier werden 10 Punkte aufgeführt, weshalb Landwirtinnen und Landwirte für die Initiative stimmen sollen. Für Regina Fuhrer-Wyss ist klar: «Für uns als Landwirtinnen und Landwirte ist der Systemwechsel hin zu einer pestizidfreien Produktion nicht einfach eine Möglichkeit unter vielen, vielmehr ist er längerfristig unumgänglich.»

Eine pestizidfreie Produktion stärke die lokale Produktion. Dies wiederum breche die Marktmacht des Grosshandels auf und reduziere die Abhängigkeit von der Agrarchemie, sagt die Kleinbauern-Präsidentin.

Bei einem Ja für die Pestizid-Verbots-Initiative werden aus Sicht des VKMB die Schweizer Betriebe gestärkt. «Bei einer Annahme müssten auch Importwaren pestizidfrei produziert werden. Und es gälten endlich gleich lange Spiesse für Importwaren wie für Schweizer Produkte», hebt Wyss hervor.

Diese 10 Gründe sollen gemäss der Kleinbauern-Vereinigung die Landwirtinnen und Landwirte für ein Ja überzeugen:

1. Den Betrieb für die kommende Generation bewahren: Dank pestizidfreier Produktion können wir einen Hof mit gesundem Boden und einer intakten Umwelt an die nachfolgende Generation übergeben.  

2Marktmacht des Grosshandels aufbrechen: Ein Systemwechsel hin zu einer pestizidfreien Schweiz betrifft die gesamte Wertschöpfungskette. Endlich werden auch die Verarbeiter, Händler, Grossverteiler und die Endkonsumentinnen in die Pflicht genommen. Davon profitieren alle Bäuerinnen und Bauern. Unsinnige Qualitätsanforderungen oder eine intransparente Margenpolitik werden so zwangsläufig in Frage gestellt. Das bietet die Chance, ein für alle faireres System zu schaffen.  

3. Eine lokale stärken: Der Systemwechsel hin zu einer pestizidfreien Schweiz schafft gleich lange Spiesse und Chancen für uns Bäuerinnen und Bauern in der Schweiz und weltweit. Der Druck, ständig effizienter und wettbewerbsfähig zu werden und mit einer umweltschädlichen globalen Massenproduktion mitzuhalten, fällt weg, da für alle in der Schweiz verkauften Produkte die gleichen Anforderungen (pestizidfrei!) gelten.  

4. Die Abhängigkeit von Agrar- und Chemiekonzernen reduzieren: Pestizidfreie Produktion verschafft uns mehr Unabhängigkeit und spart Kosten bei der Beschaffung von Gütern der Agrochemiekonzerne. Wir holen die Wertschöpfung wieder zurück auf den Hof.  

5. Versorgungssicherheit gewährleisten: Eine pestizidfreie Produktion schützt unsere natürlichen Lebensgrundlagen wie Boden und Biodiversität und ermöglicht uns, auch in Zukunft genügend Lebensmittel zu produzieren.  

6. Auf Bewährtes zurückgreifen und Innovatives fördern: Bei der Umsetzung von pestizidfreier Produktion können wir wieder stark mit unserem eigenen Wissen und der bäuerlichen Innovationskraft arbeiten und gleichzeitig die Erfahrung der Bäuerinnen und Bauern nutzen, die bereits pestizidfrei produzieren. Wir werden Teil einer selbstbestimmten und zukunftsfähigen , die auf der Basis der natürlichen Grundlagen und mit einem regen fachlichen Austausch wertvolle Lebensmittel produziert.  

7. Die eigene Gesundheit und die der Familienangehörigen und Mitarbeitenden schützen: Pestizidfreie Produktion ermöglicht uns, die Arbeit im eigenen Betrieb ohne gesundheitliche Risiken auszuführen.

8. Wissenschaft und Forschung für eine nachhaltige nutzen: Mit der Annahme der Initiative schaffen wir die Voraussetzungen für mehr Wissenschaft und Forschung zuhanden einer nachhaltigen und trotzdem ertragreichen Land- und Ernährungswirtschaft. Wenn die Praxis und die Forschung am gleichen Strick ziehen, schaffen wir einen Pestizidausstieg in 10 Jahren.  

9. Die Lebensgrundlage aller schützen: Mit pestizidfreier Produktion und damit einer gesunden Umwelt schützen wir die Lebensgrundlage für alle Menschen hierzulande und weltweit.  

10. Eine zukunftsfähige schaffen: Pestizidfreie Produktion hilft uns beim Wandel des Ernährungssystems hin zu einer natur- und menschenverträglichen und der Produktion gesunder Lebensmittel vom Hof auf den Tisch.

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Quelle: schweizerbauer.ch