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Käserei will billige Milch importieren

  • Wird bald Käse aus deutscher Frischmilch hergestellt? Die SMP wollen verhindern, dass über den Veredelungsverkehr
    wieder Druck auf den entsteht.  – Martin Brunner

Milch ist gefragt. Von einem Milchmangel ist aber nicht die Rede. Trotzdem will ein Käser Frischmilch importieren und damit Halbhartkäse für den deutschen Markt herstellen. Das stösst den Schweizer Milchproduzenten (SMP) sauer auf.

Viele Onlineleser waren empört, als sie auf dem Onlineportal schweizerbauer.ch erfuhren, dass eine St. Galler Käserei den Import von drei Millionen Kilo Frischmilch aus Deutschland im aktiven Veredelungsverkehr beantragt hat. «Wenn man faire Preise bezahlen würde, hätte es genug Milch», oder «Es ist alles daranzusetzen, dass kein einziger Liter Frischmilch aus Deutschland oder anderswo in unser Land importiert wird», lauteten die Kommentare der Leser.

Zwar bekommen die Milchproduzenten leicht steigende Preise zu spüren. Denn Milch ist gefragter Rohstoff. Bei den Zentralschweizer Milchproduzenten beispielsweise stieg der Basispreis per 1. Januar 2021 um 1,5 Rappen auf 57 Rappen pro Liter Milch an und erreicht damit den höchsten Wert seit sechs Jahren.

Import für Käseproduktion

Sobald also Milch nicht mehr im Überfluss vorhanden ist, suchen Milchverarbeiter nach Wegen, um an günstigere Rohstoffe zu gelangen. Importgesuche im Rahmen des aktiven Veredelungsverkehr sind zwar nichts Neues. Neu ist aber, dass Frischmilch für die Herstellung von Halbhartkäse für den deutschen Markt importiert werden soll, so wie es die St. Galler Käserei Imlig aus Oberriet beantragt, obschon sie sich im Firmenporträt die Schweizer Milch auf die Fahne schreibt. «Wir sind ein Schweizer Unternehmen und verarbeiten ausschliesslich Schweizer Milchrohstoff», ist auf der Website der Käserei Imlig zu lesen.

«Eine Zulassung würde eine Aufweichung des Grenzschutzes für den bedeuten», hält Reto Burkhardt, Sprecher bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP), auf Anfrage fest. Obschon dieser Halbhartkäse im Verkaufsregal im Ausland nicht das Schweizer Kreuz wird tragen dürfen, wird er Swissness-Produkte konkurrenzieren. Daran stören sich die SMP sehr. Es könne nicht sein, dass einerseits Schweizer Käsemarketing durch die Branche und den Bund gefördert werde und andererseits dies durch die Bewilligung eines solchen Veredelungsverkehrs wieder untergraben würde, betont Burkhardt. Die SMP wehren sich gegen dieses Importgesuch, indem sie es in einer Stellungnahme deutlich abgelehnt haben. Entscheiden wird die Zollverwaltung.

Kein Milchmangel

Bei einem branchenüblichen ist die Milchmenge in der Schweiz zur Verkäsung verfügbar. Es könne nicht von einem Milchmangel die Rede sein, so Burkhardt. Wenn auch für die Käseproduktion der Veredelungsverkehr erlaubt wird, untergrabe das die aktuellen Bemühungen der gesamten Branche, mehr Wertschöpfung zu generieren. Es dürfe nicht sein, dass über den Veredelungsverkehr sofort wieder Druck auf den entsteht, sobald bei einem einzelnen Anbieter etwas weniger Milch vorhanden ist und normale Marktmechanismen zum Tragen kommen sollten.

Urs Imlig, Geschäftsführer der Käserei Imlig, wollte auf Anfrage des «Schweizer Bauer» keine Stellung zum Importgesuch nehmen.

Aktiver und passiver Veredelungsverkehr

Beim aktiven Veredelungsverkehr wird ein Rohstoff, zum Beispiel Milch, Butter, Milchpulver, importiert und beispielsweise zu Backwaren weiterverarbeitet, um ihn wieder in verarbeiteter Form zu exportieren. Ein Hauptziel des aktiven Veredelungsverkehrs ist es, die Auslastung inländischer Produktionsstätten sicherzustellen, ohne sie dabei mit Zöllen oder Verbrauchssteuern zu belasten, wenn das finale Produkt ohnehin für ausländische Märkte vorgesehen ist. Dieser Verkehr ist bewilligungspflichtig. Es gilt das Informationsverfahren. Das heisst, dass die betroffenen Organisationen lediglich informiert werden und nicht in jedem Fall Stellung beziehen können. Beim passiven Veredelungsverkehr wird ein Rohstoff exportiert, verarbeitet und wieder importiert. hal

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Quelle: schweizerbauer.ch