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Eringerverband feiert 100-jähriges Bestehen

  • Seit einem Jahrhundert gibt es den Verband rund um Tiere der Eringerrasse. – Anja Tschannen

Die Menschen im Walliser Val d’Hérens, dem Eringertal, sind auf drei Dinge stolz: auf ihre Dent Blanche, ihre Eringerkühe und ihr «Patois». Im Jahr 1920 wurde der Schweizerische Eringerzuchtverband gegründet.

Vor 100 Jahren hatte die im Wallis ein ganz anderes Gesicht als heute. Das fruchtbare Rhonetal war noch nicht bereinigt, und es gab noch grosse unkultivierte Gebiete. Die Land- und Viehwirtschaft war kleinstrukturiert. Nur selten besass eine Familie keine Kuh.

Im Jahr 1835 wurde das erste Reglement erlassen, welches die Zulassung der Zuchtbullen regelte. Zu dieser Zeit gab es noch keine genauen oder nur vage Vorstellungen vom Begriff einer Rasse. Bis um 1860 praktizierte man vor allem die Kreuzung von verschiedenen Rassen für die Aufzucht. Im Jahr 1859 erwähnte die Walliser Regierung in einem Bericht erstmals die «Evolener Rasse».

Ab 1861 wurde sie als «Eringer Rasse» in den Katalogen der Viehschauen aufgeführt. Erst 1884 wurden die Eringer mit dem Erlass des kantonalen Zuchtgesetzes als eine eigenständige Schweizer Rasse anerkannt. Damit wurden die Standards der Farbe festgelegt: einheitliches Fell, helles Kastanienbraun, Schwarz oder Rot, mit hellen Streifen auf dem Rückgrat. Die Schleimhäute, Klauen und Hörnerspitzen sind schieferfarben oder schwarz. Darüber hinaus ist es ein seltenes Merkmal, dass sich während des Haarwechsels beim Jungtier die Fellfarbe verändert, aus Rot wird Schwarz.

Die schwarze Rückenlinie hingegen wird rot. Ab diesem Zeitpunkt war die Periode der zweifarbigen Variante mit weissen Partien, welches eine der farbigen Varianten der Rasse war, vorbei. Erst 2002 hat der Verband den «Evolenerschlag» als zusätzlichen Rassenstandard festgelegt. Bis in die jüngere Zeit grenzen sich die Züchter der Eringer- und der Evolènerrasse voneinander ab und betreiben zwei getrennte Herdebücher und Zuchtverbände.

Verwandte Nachbarn

Die Eringerrasse ist nahe verwandt mit den autochthonen Rassen Castana und Pezzatanera des Aostatals. Es wird vermutet, dass durch die Wanderungen der Walser, die ihr Vieh mitbrachten und mit den lokalen Rassen vermischten, die österreichischen Rassen Tuxer und Pinzgauer Eringerblut führen. 1925 wurde ein gegenseitiger Austausch von Zuchtstieren mit Tuxern vorgenommen.

Der Rindviehbestand im Wallis ist seit Mitte des letzten Jahrhunderts stark zurückgegangen. Zählte man von 1910 bis 1950 noch rund 30 000 Eringertiere und doppelt so viele von anderen Rassen, halbierten sich letztere bis heute. Die Bestände der Eringerrasse erreichten 1983 mit 12 110 Tieren einen Tiefpunkt. Gegenwärtig besteht der Schweizerische Eringerzuchtverband aus 65 Genossenschaften und zwei Sektionen mit etwa 850 Züchtern, die rund 6000 Herdebuchtiere halten.

Züchterische Entwicklung

Nachdem sich die kantonalen Zuchtgenossenschaften nach drei Anläufen konstituiert hatten, schlossen sie sich im Jahr 1915 dem schweizerischen Herdebuch an. Ab der Gründung im Jahr 1920 hatte der Schweizerische Eringerzuchtverband sein eigenes Herdebuch und führte die Belege für den Zuchtnachweis ein.

Im Jahr 1958 trat die eidgenössische Tierzuchtverordnung in Kraft. Der Nachweis der Milchproduktion wurde obligatorisch für alle Herdebuchkühe. 1962 begann die Besamung mit den Stieren Vilson und Colo. 1983 wurden die ersten Kälber der Eringerrasse, die aus Em­bryotransfer stammten, geboren. Für die Saison 2016 bis 2017 wurde zum ersten Mal gesexter Samen vom Eringerstier Alligator ins Angebot von Swissgenetics aufgenommen.

  • Eringer- und Evolènertiere sind berggängig. Hier hoch über dem Val d’Hérens im Wallis. – Robert Alder

Seit 2013 gibt es einen Zuchtwertindikator (IPQ). Im gleichen Jahr wurde auch das kantonale Bewertungssystem durch die lineare Beschreibung (LBE) ersetzt. Im Dezember 2016 hat der Schweizerische Eringerzuchtverband sein Internet-Portal visionherens.ch lanciert.

Milch und Fleisch

Das Zuchtziel für diese Robustrasse zielt darauf ab, gute Milch- und Fleischerträge zu erreichen. Unter Berücksichtigung der Sömmerung auf den hochgelegenen Alpen wurde das Milchproduktivitätsziel auf 3500 kg Milch während der Standardlaktation mit einem Fettgehalt von 3,9 % und einem Proteingehalt von 3,5 % festgelegt.

Nebst für die Milchproduktion eignet sich die Eringerrasse auch zur Mutterkuhhaltung. Ein täglicher Zuwachs von 1100 g wird angestrebt. «Diese einzigartige Rasse muss uns nebst dem grossartigen Spektakel der Ringkuhkämpfe auch andere Werte bieten, um ihre Erhaltung langfristig zu sichern. Dies ist nebst der Milch, auf der unser schmackhaftes Raclette basiert, auch das saftige und fein marmorierte Fleisch.

Es ist dieses schmackhafte Fleisch, das den Ruf des Labels ‹Fleur d’Hérens› ausmacht», so der Werbespot von Verbandspräsident Fabien Sauthier. Dieses seit 2010 bestehende Label, welches in vielen Metzgereien und Restaurants angeboten wird, garantiert die Herkunft und Haltung von regionalen Tierarten in der Region. Treiber des grenzüberschreitenden Labels ist das Aostatal.

Dominanzritual

Eringertiere sind mit einem lebhaften und kämpferischen Temperament ausgestattet, das sich in einem ausgeprägten Dominanzritual manifestiert. Die Kühe kämpfen, sobald sie auf eine ihnen unbekannte Kuh treffen. Dies geschieht im Frühjahr bei der Alpbestossung, wenn sie mit anderen Herden zusammenkommen.

Dies ist die Grundlage für die Durchführung von organisierten Kuhkämpfen, die alljährlich stattfinden. Bei diesen Veranstaltungen werden die Tiere nach Alter und Gewicht in verschiedene Kategorien eingeteilt. Nach genauen Regeln und nach etlichen Kämpfen wird von einer Jury die stärkste Kuh zur «Königin» gekürt. Über 10 000 Besucher erwarten die Veranstalter der «Combats des Reines», die alljährlich in der Goler-Arena in Raron ausgetragen wird. Kuhkämpfe finden übrigens nicht nur im Wallis, sondern auch im Aostatal und in den französischen Savoyer Alpen statt.
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Quelle: schweizerbauer.ch