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Eine alte Rasse kommt in die Gänge

  • Marius Zollet (links) gehört die Stute Arlette. Er  und Jürg Schenk sind beide begeistert von Burgdorfer Pferden.  – Jacqueline Graber
  • Der 4-jährige Hengst Tassilo mit Besitzer Jürg Schenk, Buttisholz LU. – zvg
  • Der 4-jährige Hengst Florian mit Besitzer Peter Wittwer, Boll BE. – zvg
  • Der 6-jährige Hengst Sambo mit Besitzer Werner Bachmann aus Ersigen BE. – zvg

In den 1960er-Jahren waren die Burgdorferpferde ausgestorben. Seit rund drei Jahren ist es wieder möglich, Burgdorferhengste mit Burgdorferstuten zu decken. Eine steigende Nachfrage nach der alten Rasse ist spürbar.

«Nervenstark und robust», mit diesen zwei Worten beschreibt Jürg Schenk das Burgdorferpferd. Schenk ist Gründungsmitglied und Zuchtkommissions-Präsident des 2008 ins Leben gerufenen Burgdorferpferde-Vereins. Kurze Zeit später kam der heutige Präsident, der Affoltener Marius Zollet dazu. Mittlerweile zählt der Verein 20 Züchter mit insgesamt 50 Mitgliedern. Jedes Mitglied besitze Pferde oder arbeite mit ihnen, sagt Schenk und schiebt nach, dass er sonst keinen Zuchtverein kenne, auf den dies ebenfalls zutreffe.

Zahlreiche Fotos

Für das Interview fuhr Jürg Schenk aus dem luzernischen Buttisholz zu seinem Kollegen ins Emmental, mit im Gepäck einen Laptop. Zahlreiche Fotos sind darauf gespeichert, er scrollt bis zum 10. März. An diesem Datum fanden sich die heutigen Burgdorferpferde-Hengstbesitzer für eine Fotosession auf der Schützenmatte in der Emmenstadt ein. Das Datum war nicht zufällig – denn auf den Tag genau vor 121 Jahren liessen sich anlässlich der 1. Kantonalen Pferdeschau vier Züchter mit ihren Ardenner-Hengsten an gleicher Stelle fotografieren.

Vier Ardenner-Hengste, aufgenommen anlässlich der ersten kantonalen Pferdeschau. 
zvg

«Burgdorfer sind eine Kreuzung aus Ardennern und Freibergern, wobei es grundsätzlich keine Rolle spielt, welcher Rasse Stute oder Hengst angehört», erklärt Zollet. Der Ursprung der Rasse reicht zurück ans Ende des Ersten Weltkrieges. Die Tiere wurden vorwiegend in der wie auch in der Industrie eingesetzt, bis sie von der Mechanisierung verdrängt wurden. In den 1960er-Jahren sei die Rasse ausgestorben gewesen, sagt Zollet und fügt hinzu: «Seit rund drei Jahren ist es sogar wieder möglich, Burgdorferhengste mit Burgdorferstuten zu decken.»

Fohlen auf Weide

Marius Zollet war viele Jahre Präsident des Pony-Verbands Sektion Oberaargau/Emmental, bei ihm eingestallt ist Arlette, eine 8-jährige Burgdorferstute, ein Fohlen ist aktuell auf einer Weide in Luxemburg. Zollet braucht die Stute zum Holzrücken im eigenen Wald wie auch zum Fahren und zum Reiten.

«Burgdorfer sind auch geeignet als Therapiepferde», sagt Schenk, der derzeit zwei Zuchtstuten, einen Zuchthengst, zwei Jungwallache und zwei Fohlen besitzt. Bis vor eineinhalb Jahren hatte er mit den Pferden einen Kleinsbetrieb bewirtschaftet.

Auf dem Hof wurden drei Personen mit Handicap betreut, «auch in dieser Sparte eignet sich das Burgdorferpferd dank seiner Nervenstärke sehr», so Schenk. Heute wird der Betrieb von seiner Lebensgefährtin in gleichem Sinn weitergeführt. Schenk hat eine Anstellung als «Arbeitsmeister Pferdehaltung» in der Justizvollzugsanstalt Witzwil. Dort schafft er mit einem Ardeener und sieben Freibergern auf dem 825 ha grossen Betrieb.

Die Rasse «Burgdorfer»

Mittelschweres Kaltblut
Gewicht: zwischen 550 und 850 Kilo
Stockmass: 150 bis 168 cm
Röhrbein: 22 bis 30 cm
Farben: Braunschimmel, Braun, Fuchs

Schenk wie auch Zollet können eine steigende Nachfrage nach der Rasse feststellen. Gerade junge Bauern würden vermehrt Burgdorfer für die Arbeit auf dem Land und im Wald einsetzen. An dieser Stelle bringt Schenk den Aspekt des Klimawandels ein: «Es gibt nichts Ökologischeres als ein Pferd oder ein Ochse.» Nicht nur dass mit ihnen die Felder bestellt werden, sie würden auch ihr Futter selbst einbringen. «Diese Pferde gehen wirklich in Brot und Arbeit», sagt Jürg Schenk.

Keine Konkurrenz

Ganz wichtig ist es den Männern, dass erwähnt wird, dass die «Burgdorfer» nicht als Konkurrenz zu den Freibergern stehen. Es sei auch nicht das Bestreben, eine grosse Population hervorzubringen, sagen sie unisono.

Das Ziel sei, eine nachhaltige Zucht mit typgetreuen Pferden aufzubauen. Jürg Schenk erklärt, dass die alten Zuchtbücher noch vorhanden seien. Darin sei der anzustrebende Körperbau und der Charakter festgehalten. Längst sind die duldsamen Tiere nicht nur im Emmental zu finden, ungefähr 60 Burgdorfer sind über die ganze Schweiz verstreut. Und seit 2019 kann sogar im Zoo Zürich die selten Rasse bewundert werden.

 

 

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Quelle: schweizerbauer.ch